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"Der Kuckuck ist ein scheues Reh": Frank Suchland wandelt auf Heinz Erhardts Pfaden

Fein austariertes Künstlerporträt

Bückeburg. Die ersten Zuschauer klatschten bereits, als er durch die Tür trat. Kein Zweifel, Frank Suchland besitzt beim Publikum jenen Bonus, der langes Abtasten erspart und der ihn rasch zur Hochform auflaufen lässt. Die Atmosphäre im ausverkauften Joël-Le-Theule-Saal, in dem der Rezitator gemeinsam mit der einfühlsamen Gitarristin Catharina van Bergen den populären Heinz Erhardt würdigte, konnte nicht besser sein.

veröffentlicht am 11.09.2007 um 00:00 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

Unter dem Erhardt-Spruch "Der Kuckuck ist ein scheues Reh" unternahm Suchland mit den Gästen des Kulturvereins eine von mal sanften, mal rasanteren Gitarrenklängen umrahmte, informative "Zeitreise im Bummelzug" durch das bewegte Leben und Wirken des l909 in Riga geborenen Komikers und Melancholikers. Dabei wurden die aufgeschlossenen Zuhörer während der zweistündigen Fahrt genauso mit "Freund Hein, dem Tod" konfrontiert wie mit den verschiedenen Lebensabschnitten des Meisters selbst. Nach bürgerlicher Idylle bei den Großeltern, wo der Knirps im zarten Alter von sechs sein erstes Gedicht "Blümchen" verfasste, erwartete den jungen Heinz - mit Mutter und Stiefvätern oder mit Kapellmeister-Papa - ein schulisches Hin und Her, das sogar kurz gen Barsinghausen führte. Schließlich kehrte der "mäßige" Pennäler zurück nach Riga, aber nicht ohne vorher lustig-makabre Zeilen über "Kinder, die es so schwer haben" zu verfassen. 17-jährig ging es in den Musikalienhandelins ferne Leipzig. Dort entstanden übrigens nebenbei die erste Balladen wie der "Tauchenichts" - frei nach Schiller - und eine "König-Erl-Version" mit wenig Goethe. Obwohl in seiner Heimatstadt bereits zum "Lokalmatador der guten Laune" avanciert, kamen Erhardts darstellerische und kompositorischen Ergüsse im brodelnden Berlin der 30er Jahre nicht gleich an, dafür jedoch sein Fahrstuhlflirt bei einer jungen Dame namens Gilda sofort. 46 Jahre Ehe, zwei Töchter und ein Sohn zeugen davon. Riesenerfolge auf der Bühne, bei Funk, Film und Fernsehen ließen dann allerdings auch in Berlin und Hamburg, wo die Familie wohnte, nicht mehr auf sich warten. Das und viel mehr erfuhr man von Suchland mit wohlgesetzten Worten, nachdrücklicher Gestik und beredter Mimik, bewusst nicht in der Absicht, den berühmten Wortverdrehungskünstler nachzuahmen. Anzufügen wäre, dass der ebenso sensible wie aufschlussreiche Vortrags-Monolog über Gefühls- und Arbeitswelten des Worko- und Alkoholikers sowie - nach eigenem Eingeständnis - schlechten Vaters, der ewig unterwegs war, auf großes Wohlgefallen gestoßen ist. Traurig stimmte zum Schluss indes die Nachricht vom Schlaganfall 1971, an dem der füllige "Philosoph des Humors" nach acht schweren Leidensjahren verstarb.



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