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"Kleine Orgel-Nachtmusik" mit Wolfgang Westphal in St. Nikolai

Fast wie in einem Gottesdienst

Rinteln (cok). Dass sich Kreiskantor Wolfgang Westphals kleine Orgel-Nachtmusiken ungebrochener Beliebtheit erfreuen, zeigte sich erneut am vergangenen Sonnabend, als die nächtliche Nikolaikirche am Marktplatz wieder gut gefüllt war mit Musikfreunden, die fast eine Stunde lang barocke, romantische und moderne Orgelmusik genießen wollten.

veröffentlicht am 27.02.2008 um 00:00 Uhr

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Die Kirche wurde dann wirklich, wie der Kantor es ja auch wünscht, zu einem Ort der Meditation, war sie doch nur mit brennenden Kerzen erleuchtet, die hoch im Raum und auf zwischen den Bänken liegenden Bretter leise flackerten, als die Musik dann begann. Johann Sebastian Bach stand diesmal auf dem insgesamt sehr eigenwillig zusammengestellten Programm, dazu Georg Friedrich Händel, dazwischen die Komponisten Gerd Wachowski, Gabriel Fauré und Udo Knauer. Auch ließ es sich Wolfgang Westphal nicht nehmen, mit einer eigenen Orgel-Meditation über das Passionslied "Wir danken dir, Herr Jesu Christ" aufzutreten. Während Bachs Fantasie und Fuge c-moll, BWV 537, mächtig melancholisch und zugleich für die meisten Zuhörer sehr vertraut aufklang, dürften die Stücke der beiden heutigen Kirchenmusiker Gerd Wachowski und Udo Knauer den meisten unbekannt gewesen sein, der erste mit einer sehr sanften, oft zu ganz hohen Tönen hin abschweifenden Meditation über den Choral "Schmücke dich, o liebe Seele", der zweite mit einer pathetischen, melodiösen "Aria", die man sich gut vom blinden Andrea Bocelli gesungen hätte vorstellen können. Der französische Komponist Gabriel Fauré war mit dem "Pie Jesu" aus seinem Requiem vertreten. Ganz still war es in der Kirche in den Pausen zwischen den Stücken, und in diese Stille hinein stand Wolfgang Westphal mehrmals von seiner Orgel auf und trat an den Rand der Empore, um dort die Choräle, die er gleich spielen würde, ohne Instrumentenbegleitung zu singen. Durch seine ruhige, tiefe Stimme, die so allein und mönchisch von oben herab auf die Zuhörer zu kam, erhielt die Nachtmusik einen fast gottesdienstlichen Charakter. Die eigenartig strenge Stimmung, die dadurch entstand, konnte ein applaudierendes Klatschen nicht erlauben. Wohl aber war der am Ausgang befindliche Spendenkorb für das ansonsten kostenlose Konzert bis zum Rand mit Geldscheinen für die Förderung der Kirchenmusik gefüllt. Das nächste Konzert in der Nikolaikirche findet zur Feier der Osternacht statt am Sonnabend, 22. März, um 22 Uhr, mit dem zweiten Brandenburgischen Konzert von Bach, gespielt vom Schaumburger Kammerorchester unter Westphals Leitung.



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