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Chinesische Politik vor den Olympischen Spielen / Vortrag bei der GfW

"Fass Du mich nicht an, dann fasse ich Dich auch nicht an!"

Bückeburg. In gut einem Jahr werden in der chinesischen Hauptstadt die Olympischen Spiele stattfinden, wird die Welt auf Peking blicken. Dann sollen perfekt inszenierte Veranstaltungen Chinas Aufstieg zur friedlichen und verantwortungsbewussten Weltmacht suggerieren, vonÜberwindung der Armut, von Wirtschaftswachstum und gelungener Modernisierung unter Führung der Kommunistischen Partei zeugen. Welches China wird dann die Welt sehen? Welche Ziele verfolgt es? Wie meistert es den Spagat zwischen verordneter Harmonie und wildem Kapitalismus? Professor Dr. Sven Bernhard Gareis, Lehrbeauftragter an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und wissenschaftlicher Direktor an der Führungsakademie der Bundeswehr, informierte auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik rund 150 Zuhörer im Lehrsaal der Heeresfliegerwaffenschule über den Zustand der Volksrepublik.

veröffentlicht am 21.06.2007 um 00:00 Uhr

.Dr. Sven Bernhard Gareis.

Unter der Staatsführung von Hu Jintao werde der Aufbau einer harmonischen Gesellschaft versprochen, die die Abkehr von der Politik seines Vorgängers Jiang Zemin, dem Wirtschaftswachstum über alles ging, signalisiere, so Gareis. Anders als "der lange Marsch", der extrem verlustreich war, anders als "der große Sprung nach vorn", der im Desaster endete, anders als die Kulturrevolution, die China traumatisierte, soll das Konzept der harmonischen Gesellschaft mithelfen, die zunehmende soziale Schieflage, die Verwerfungen der Alterspyramide durch die Ein-Kind-Politik, die Menschenrechtsverletzungen und die dramatischen Umweltprobleme zu mildern. Der Mantel der Harmonie soll die handfesten Macht-, Interessen- und Verteilungskonflikte zudecken. "China, der große Gewinner der Globalisierung, braucht für seinen weiteren Aufstieg ein friedliches Umfeld, vor allem, weil die größte Herausforderung für die politische Führung die Überwindung der ökonomischen und sozialen Disparitäten in der Gesellschaft ist", unterstrich der China-Kenner, der chinesisch spricht und häufig das Land besucht. Diese innenpolitischen Imperative erzwingen eine konstruktive chinesische Außenpolitik. Sie beinhaltet eine diplomatische Offensive, die sich besonders Südostasien, Afrika und Lateinamerika aktiv zuwendet. Peking ist dort bereits wichtiger internationaler Partner, der der EU den Rang abläuft. Die Ressourcen dieser Regionen werden rücksichtslos und zum Nachteil der afrikanischen Wirtschaften ausgebeutet. Dieses neue Prinzip der friedlichen Koexistenz signalisiert, dass China die Verschiedenartigkeit der Welt akzeptiert und auch selbst so akzeptiert werden möchte, wie es der Machtanspruch der Partei fordert. Fazit dieses sehr dichten und informationsreichen Vortrags: Mit zunehmender globaler Verflechtung vor allem im wirtschaftlichen Bereich tritt die VR China auf internationaler Bühne aktiver und machtbewusster, aber auch pragmatisch-zielorientiert auf, verkürzt auf die Formel gebracht: "Fass Du mich nicht an, dann fass ich Dich auch nicht an!".



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