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Sensible Personalpolitik für pflegende Angehörige in der Diskussion beim Unternehmens-Netzwerktreffen

Familienpflegezeit auf dem Prüfstand

Weserbergland. Das 7. Unternehmens-Netzwerktreffen des überbetrieblichen Verbundes Frau und Wirtschaft fand bei der BKK24, in Obernkirchen statt. Der Einladung der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft, Weserbergland AG, waren Personalverantwortliche, Fachkräfte aus der Pflege und den Pflegestützpunkten sowie zahlreiche Netzwerkpartner gefolgt.

veröffentlicht am 31.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 00:21 Uhr

Claudia Kuhlmann von Fachdienst Altenhilfe des Landkreises Schaumburg und Sandy Battermann, BKK24 informierten über Pflegezeitgesetz und Familienpflegezeit sowie über Angebote, die pflegebedürftigen Menschen und ihren beschäftigten Angehörigen zur Verfügung stehen.

Lange stand bei der Diskussion über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie die Kinderbetreuung im Vordergrund. So auch beim ersten Unternehmens-Netzwerktreffen der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft vor genau zwei Jahren.. Daran erinnerte Hans-Ulrich Born, Vorstand der Weserbergland AG bei der Begrüßung der Gäste. Seitdem habe sich einiges bewegt – bei der Kinderbetreuung, aber auch bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Friedrich Schütte, Hausherr und Vorstand der BKK24, stellte die Großtagespflegestelle BeKaLinoS im eigenem Haus vor. Daneben sind die Krankenkassen vom Auftrag her auch in Pflegeangelegenheiten wichtige Berater für die Versicherten.

In einem informativen und lebensnahen Vortrag schilderte Claudia Kuhlmann, Fachdienst Altenhilfe für den Landkreis Schaumburg, beispielhaft auch für die neu eingerichteten Pflegestützpunkte der Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden, welche Beratungsangebote Älteren und Pflegebedürftigen flächendeckend zur Verfügung stehen. Ob im niedrigschwelligen, ambulanten, teilstationären und stationären Bereich oder auch bei der Kostenberatung. Der Fachdienst kooperiert mit einem umfangreichen Versorgungsnetzwerk und koordiniert die Angebote. An einem Praxisbeispiel zeigte die Referentin Möglichkeiten auf, die sich einem an Demenz erkrankten 86-jährigen mit Pflegestufe eins bieten. Das breite Spektrum reicht angefangen beim Antrag der richtigen Pflegestufe über den Pflegedienst und die ehrenamtliche Seniorenbegleitung, Wohnraumberatung und die Nachbarschaftshilfe, beispielsweise für das Anbringen von Haltegriffen, bishin zur Beratung bei der Finanzierung.

Bei der Pflege von Angehörigen, so die Fachfrau, stellt sich meist das Problem der Überforderung ein, zumal Not- und Pflegefall häufig nicht planbar und Verlauf und Dauer nur schwer einschätzbar seien. Abhilfe könnten eine gute Beratung und eine pflegefreundliche Unternehmenskultur leisten, schlägt Kuhlmann vor. Sandy Battermann erläuterte im Anschluss das Pflegezeitgesetz und insbesondere die seit 1. Januar 2012 gesetzlich geregelte Familienpflegezeit im Detail. Letztere ermöglicht den Beschäftigten, ihre Arbeitszeit für die Pflege eines Angehörigen vorübergehend ohne große Einkommenseinbußen zu reduzieren.

„Doch wie sieht es in der Praxis aus?“, wollte Kirstin von Blomberg, Projektleiterin der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft, in der anschließenden Talkrunde von den anwesenden Unternehmen wissen. Diese bestätigten zwar, dass es immer mehr Beschäftigte gibt, die sich neben dem Beruf um pflegebedürftige Eltern, Großeltern und Partner kümmern; die gesetzliche Familienpflegezeit aber noch nicht erprobt und aus betrieblicher Sicht wohl auch schwer umsetzbar ist. Eine pflegesensible Personalpolitik, die auf einer Altersstrukturanalyse der Beschäftigten, Bedarfsermittlungen und einer guten Informations- und Kommunikationspolitik für Pflegende basiert, abgerundet durch flexible Arbeitszeiten, konnte man sich in der Runde der Personaler schon eher vorstellen.

Auch die zunehmende Bedeutung gezielter Gesundheitsvorsorge, damit Beschäftigte trotz Doppelbelastung bis zum Rentenalter fit bleiben, war ein Thema des Netzwerktreffens. Teilnehmerin Petra Roth gab aus der langjährigen Tätigkeit als Pflegekraft zu bedenken, dass Pflege für nicht geschulte Angehörige ohne Unterstützung auf Dauer kaum zu leisten sei. „Wir stehen mit der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege offenbar ganz am Anfang, werden künftig aber zunehmend mit der Thematik befasst. Auch um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, sind Informationen und Netzwerke unabdingbar“, resümierte Born. Zusammenfassend stellten die Teilnehmer fest, dass in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege noch viel getan werden muss, um verträgliche Lösungen für Unternehmen und Beschäftigte und deren Familienangehörige zu erreichen.

Ansprechpartner bei der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft im Wirtschaftsraum Weserbergland sind Kirstin v. Blomberg und Anne-Brit Gäbel. Sie sind erreichbar unter 05151/5851005, per Email: frau-wirtschaft@weserberglandag.de und im Internet unter www.frau.wirtschaft-weserbergland.de

Mitwirkende beim 7. Unternehmens-Netzwerktreffen Frau und Wirtschaft zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ bei der BKK24 in Obernkirchen.



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