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Gerichtsverhandlung: Bewährung plus Auflagen / Im Suff fremde Wohnung verwüstet / Von echten Polizisten überwältigt

Falsche Polizisten mit Samurai-Schwert und Dolch

Bückeburg (ly). Zwei Bückeburger haben sich als Polizisten ausgegeben und eine Wohnung an der Röntgenstraße verwüstet, mit deren Inhaber sie Streit hatten. Später kehrten sie noch einmal schwer bewaffnet zurück, wurden aber von (echten) Ordnungshütern überwältigt. Fünf Monate nach der Tat hat das Amtsgericht den Männern jetzt eine Rechnung über Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung und Bedrohung präsentiert.

veröffentlicht am 19.09.2006 um 00:00 Uhr

Unterm Strich stehen mehrmonatige Bewährungsstrafen. Als Auflage muss der ältere Angeklagte (33) zusätzlich 200 Stunden gemeinnützig arbeiten, der jüngere (25) Wiedergutmachung in Höhe von 800 Euro leisten. Dabei können sie noch von Glück reden, dass sie nicht ins Gefängnis müssen. Der eine hat 22 Eintragungen im Vorstrafenregister, der andere stand unter Bewährung, allerdings nicht einschlägig. Beide waren mit 1,9 beziehungsweise 2,5 Promille betrunken. Nach einer durchzechten Nacht im April waren die Männer gegen Mittag auf eine Schnapsidee gekommen und machten sich auf den Weg zur Röntgenstraße. Gegenüber einen Jungen, der sie in den Flur gelassen hatte, gaben die Besucher sich als Kriminalbeamte aus. In der zweiten Etage drückten sie die Tür zur vorübergehend verwaisten Wohnung auf und begannen ihr Zerstörungswerk. "Bis an die Zähne bewaffnet", so Richter Armin Böhm, kehrten die Wandalen später zurück. Im Gepäck hatten sie unter anderem einen Dolch mit 35 Zentimeter langer Klinge, einen Baseballschläger sowie als Krönung ein Samurai-Schwert. Zwischendurch soll es Telefonate mit Morddrohungen zwischen dem Hausherrn und den Eindringlingen gegeben haben. Das Ende vom Lied: Beide Männer lagen gefesselt am Boden. Zwei Polizisten, bei einer vorausgegangenen Begegnung unter anderem als "dumme Bullen" beschimpft, hatten kurzerhand zu Pfefferspray und Handschellen gegriffen. Zuvor war der ältere Mann mit erhobenen Fäusten auf einen der Beamten losgegangen. Der zwischenzeitlicheingetroffene Wohnungsinhaber hatte es vorgezogen, im Haus zu bleiben, die Polizei anzurufen und die Szene zu beobachten, anstatt sich auf einen ungleichen Kampf einzulassen. "Starke Alkoholisierung ist ja immer die beste Voraussetzung, um Dinge vernünftig zu besprechen", erklärte Richter Böhm in der Urteilsbegründung mit unverhohlener Ironie. Den Angeklagten versprach er: "Beim nächsten Mal geht es ab." Soll wohl heißen: Haft. Vom Vorwurf der Amtsanmaßung wurden die falschen Polizisten ("Die Waffen waren zu unserer persönlichen Sicherheit") übrigens freigesprochen. Wichtigtuerisches Auftreten, so Böhm, reiche für eine Verurteilung nicht aus.

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