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Vor Gericht: Essensboten mit "Blüten" bezahlt

Falsche Fuffzigerà la carte

Auetal/Bückeburg (ly). Ganz schön dreist: Ein Heranwachsender aus dem Auetal hat Essensfahrern mehrerer Bringdienste stümperhaft gefälschte 50-Euro-Scheine untergejubelt. Vom Jugendschöffengericht in Bückeburg bekam der junge Mann jetzt die Quittung: 18 Monate Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Richter Dr. Dirk von Behren sprach von "falschen Fuffzigern à la carte".

veröffentlicht am 23.07.2008 um 00:00 Uhr

Verbunden ist die Entscheidung mit verschiedenen Bewährungsauflagen, darunter 500 Euro Geldbuße, abzustottern in Raten. Die Geldauflage versteht von Behren als "kleinen Denkzettel". Der Schuldspruch lautet auf Geldfälschung und Betrug in fünf Fällen. Geldfälschung ist ein Verbrechen. Darauf steht mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe. Ein erwachsener Komplize, nach Überzeugung des Gerichts der Haupttäter, war bereits im Vorfeld des Prozesses verurteilt worden. Wie konnten die Opfer auf solch eine Masche hereinfallen? Dass die Kunden leicht vermummt waren und in der Dunkelheit vor den Häusern warteten, hätte die Boten stutzig machen müssen. Angeblich war dann die Klingel defekt. Hinzu kam: Es handelte sich um kleinere Bestellungen für zehn oder auch bloß sechs Euro, die relativ viel Wechselgeld erforderten. Und die vermeintlichen Banknoten waren am Farbkopierer gefälscht worden, "Blüten" also von nicht gerade bester Qualität. "Die armen Boten kamen von weit her, hatten Stress und haben deshalb wohl nicht so genau hingeguckt", vermutet der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer. "Das warübel, eine ausgekochte Geschichte und gemeiner Betrug gegenüber kleinen Leuten." Einmal erwischte es ein chinesisches Restaurant, dann wieder einen Griechen oder ein Pizza-Taxi aus wechselnden Orten. Die Fahrer wurden zu unterschiedlichen Plätzen bestellt. Ob die Täter das Essen auch verzehrt haben, ist nicht überliefert. Zugutehielten Gericht und Staatsanwaltschaft dem vorbestraften Angeklagen, dass dieser damals in schlechte Gesellschaft geraten war, sich von jenen Bekannten aber zwischenzeitlich aus eigener Kraft losgesagt hat. "Das Strafmaß sollte diese persönliche Entwicklung auf jeden Fall berücksichtigen", meinte auch Verteidigerin Anja Gellermann. Die Taten liegen mehr als zwei Jahre zurück. Weil es sich um eher geringe Summen gehandelt hatte, erkannten die Richter auf minder schwere Fälle. Dennoch: "Geld drucken ist eine schwere Straftat", so Staatsanwalt Pfleiderer. "Sonst würde wirtschaftlich alles aus den Fugen geraten." Übrigens ist die Polizei trotz der kriminellen Vorgeschichte des Auetalers offenbar nicht nachtragend. Ein Beamter, als Zeuge geladen, erklärte vor Gericht: "Unser Verhältnis ist offen und höflich." Das gilt für beide Seiten.



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