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"Carl Sasse Lauenau": Heute vor 90 Jahren wurde die Lauenauer Firma Casala gegründet

Fabrikantengattin denkt sich den Namen aus

Lauenau (nah). Sechs Buchstaben haben den Flecken Lauenau in aller Welt bekannt gemacht. Der Name "Casala" prägte sich ein als Qualitätsbegriff für Stühle, Sessel und Tische, vor allem aber für Schulmöbel. Vor genau 90 Jahren, am 12. November 1917, erfolgte der erste Eintrag ins Handelsregister beim Amtsgericht in Münder als "Friedrich Voß, Holzwarenfabrik". Die Stuhlbauer Carl Sasse und der Zimmermeister Friedrich Voß fertigten mit 16 Mitarbeitern Holzteile für den Kriegsbedarf, darunter hölzerne Schuhsohlen als Ersatz für Ledersohlen.

veröffentlicht am 12.11.2007 um 00:00 Uhr

Firmengründer Carl Sasse starb 1956.

Bald aber entstanden die ersten Stühle nach Sasses Entwürfen. Das Unternehmen hatte zunächst Erfolg im Ausland; als sich der deutsche Markt nach der Inflation wieder stabilisierte, sah sich das Unternehmen auch hier gerüstet. Sasse ließ in mehreren Abschnitten neue Bauten errichten. Längst stand er allein an der Spitze: Ein plötzlicher Tod hatte den Teilhaber bereits 1920 ereilt. Eine geradezu bahnbrechende Idee kam von Fabrikantengattin Linchen Sasse: Sie zog die Anfangsbuchstaben ihres Mannes und die des Heimatortes zusammen und erfand "Casala". Am 11. Juni 1926 wurde die Bezeichnung gesetzlich geschützt. Bis dahin waren stets nur "Lauenauer Stühle" verkauft worden. Nach 1930 eroberten Polstermöbel den Markt ebenso wie zuvor die Stühle. Die Zahl der Mitarbeiter stieg binnen sieben Jahren von 300 Personen auf knapp über 800. Auf Geschäftsbriefen bezeichnete sich das Unternehmen als "Größte und modernste Stuhlfabrik Deutschlands". Nach dem Zweiten Weltkrieg lief die Produktion langsam wieder an. Zunächst wurden Waschbottiche und -bretter sowie hölzerne Spielwaren gefertigt. Schon 1948 zählte Casala 755 Mitarbeiter. Bald entdeckte das Unternehmen eine neue Bedarfslücke. Neben dem wachsenden Wunsch der Verbraucher, sich im privaten Bereich chic einzurichten, boomte der Schulbau. Als Folge davon wurde anstelle der früher fest installierten Bänke ein "loses Schulgestühl" entwickelt. Bald waren Casala-Schulmöbel überall in Europa zu finden. Als 1956 Firmengründer Carl Sasse plötzlich starb, zählte das Unternehmen knapp tausend Mitarbeiter. Im außereuropäischen Bereich gelang esFirmenvertretern, einen Auftrag von über 16 Millionen Mark für die komplette Einrichtung von 319 Häusern in Saudi-Arabien abzuschließen. Aber die guten Zeiten gingen in den achtziger Jahren zu Ende. Billigimporte für den Wohnmöbelsektor aus osteuropäischen Ländern sowie Italien und wohl auch unterlassene Modernisierungen brachten das Unternehmen in erste Schwierigkeiten. Ein weiterer Gesellschafter trat ein; es folgten mehrere Umstrukturierungen. Doch es half nichts: Im Frühjahr 1995 mündete ein wochenlanges Tauziehen um den Fortbestand des Unternehmens in ein Konkursverfahren. Der amerikanische Konzern Krueger International stieg ein, betrieb weitere Sanierungen - und ließ sechs Jahre später Casala erneut sterben. Ein weiteres Intermezzo als "Casala Laboreinrichtungen" dauerte keine zwei Jahre: 2003 kam das endgültige "Aus". Dass heute wieder Casala-Fahnen am Ortsrand wehen, ist drei Mitarbeitern des ursprünglichen Unternehmens zu verdanken. Sie wollen mit dem in der Branche immer noch vertrauten Begriff den deutschen Markt mit Möbeln aus niederländischer Produktion und bewährtem Qualitätsanspruch erobern.

Von Lauenau aus in alle Welt: Unser Archivbild zeigt Lastzüge mi
  • Von Lauenau aus in alle Welt: Unser Archivbild zeigt Lastzüge mit dem typischen Schriftzug des Unternehmens vor der Versandhalle. Repros: nah


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