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„Till Eulenspiegel“ und „Der Rattenfänger von Hameln“ machten ihn in Deutschland bekannt

Fabrik verkauft und „Harz-Zeitung“ gegründet

Julius Wolff erlangte einst mit verschiedenen Versepen, historischen Romanen sowie Dramen über seinen Tod vor 100 Jahren hinaus eine große Beliebtheit. Damit gehört er trotz des späteren Vergessens zu den bedeutendsten Dichterpersönlichkeiten der Harzregion bzw. des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Sein „Rattenfänger“ trug ihm 1884 die Ehrenbürgerschaft von Hameln ein.

veröffentlicht am 27.05.2010 um 16:03 Uhr
aktualisiert am 01.06.2010 um 15:52 Uhr

Julius Wolff

VON MARTIN STOLZENAU

Wolff wurde am 16. September 1834 im späteren Hotel „Zum Bär“ in Quedlinburg geboren, das damals das Wohnhaus der Familie war. Heute erinnert eine Gedenktafel an ihn. Sein Vater wirkte als Tuchfabrikant und brachte es zu Wohlstand. Sohn Julius besuchte das Quedlinburger Gymnasium, wurde schon früh auf die Nachfolge im elterlichen Betrieb orientiert und studierte zu diesem Zweck außer Philosophie in Berlin vor allem Wirtschaftswissenschaften. Dazu gesellten sich für den Fabrikantensohn ausgedehnte Bildungsreisen. Parallel entwickelte sich ein wachsendes Interesse für die Literatur und das Zeitungswesen.

Dann rief ihn die Pflicht. Wolff musste die elterliche Firma mitten in einer Krise übernehmen. Eine große Herausforderung. 1869 kapitulierte er als Fabrikant. Wolff verkaufte, gründete mit dem Erlös die „Harz-Zeitung“ in Quedlinburg und widmete sich dem Journalismus, der ihn ohnehin mehr anzog als die Fabrikführung. Dazu heiratete der nunmehrige Zeitungsmacher. Dann zog er 1870/71 als Landwehroffizier in den Deutsch-Französischen Krieg, wobei er an der Front ausgezeichnet wurde. Im Ergebnis der Kriegserfahrungen schuf Wolff einen Band Kriegslieder, der 1871 unter dem Titel „Aus dem Felde“ in Berlin erschien. Der damit verbundene Erfolg bewog ihn nach seiner Heimkehr zum Wechsel nach Berlin, wo er fortan als freier Schriftsteller sein Glück machte.

Wolff erkor sich Viktor von Scheffel zum Vorbild und versuchte sich in dessen Manier in verschiedenen literarischen Genres. Nach der epigonalen Lyrik des Anfangs veröffentlichte er mit wachsendem Erfolg romantisierende Versepen, historische Romane und Gesellschaftsdramen. Die Versepen „Till Eulenspiegel“ sowie „Der Rattenfänger von Hameln“ begründeten seine deutschlandweite Bekanntheit. Anschließend schuf Wolff den Roman „Der Raubgraf“. Er behandelt die Fehden des Regensteiner Grafen, der schließlich durch die wehrhafte Stadt Quedlinburg gefangen wurde. Die Quedlinburger stellten den Raubgrafen in einem Käfig zur Abschreckung öffentlich aus. Das galt im Mittelalter als Sensation und machte Quedlinburg Ende des 19. Jahrhunderts nochmals berühmt. Das gefiel seiner Vaterstadt, die dem Autor im Alter ebenfalls die Ehrenbürgerwürde verlieh.

„Der Rattenfänger von Hameln“ von Julius Wolff
  • „Der Rattenfänger von Hameln“ von Julius Wolff
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Wolff, der seine Stoffe vor allem aus dem Mittelalter und der Sagenwelt erschloss, war nun wer im deutschen Literaturbetrieb und konnte von seinen Veröffentlichungen gut leben. Trotzdem ruhte er sich auf dem Lorbeer nicht aus. Weitere Titel festigten seinen Erfolgsruf. Die diesezügliche Palette reichte von der Romanze „Lurlei“ über das Reiterlied „Die Pappenheimer“ sowie die bearbeitete Seemannssage „Der fliegende Holländer“ bis zu seinem Alterswerk „Der Sachsenspiegel“, das die Schaffung des ersten maßgeblichen deutschen Rechtsbuches durch Eike von Repgow in der Harzer Heimatregion beinhaltet. Einen anderen besonderen Heimatbezug hatte seine „Renata“-Dichtung von 1891, die die Stadt Hildesheim später zur Schaffung des Renata-Brunnens veranlasste.

1904 erhielt der Erfolgsautor in Anerkennung seiner schriftstellerischen Verdienste um die Rückbesinnung auf die Geschichte den Professorentitel verliehen. Dazu gesellte sich an der Berliner Universität ein Lehrauftrag. Der Literatur-Nobelpreisträger Paul Heyse bezeichnete ihn allerdings wegen seiner altertümelnden Stoffwahl als „Butzenscheibendichter“. Darüber verstarb der Dichter am 3. Juni 1910 in Berlin-Charlottenburg. Seine letzte Ruhe fand Wolff auf dem Luisenfriedhof II in Berlin-Westend. Der einst ebenfalls berühmte Bildhauer Fritz Schaper verewigte ihn in einem Relief.

Das heutige Hotel „Zum Bär“ in Quedlinburg war das Geburtshaus von Julius Wolff.



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