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Ab Ende Juli unterirdische Sprengungen für seismische Tests

Exxon-Mobil will es wissen: Erdgas in Niedernwöhren?

Samtgemeinde Niedernwöhren (gus). Das Unternehmen Exxon Mobil untersucht das Erdreich in der Samtgemeinde Niedernwöhren im Juli und August etwa zweieinhalb Wochen lang nach Erdgasreserven ab. Das Testverfahren ist vom Land Niedersachsen und von der Samtgemeinde genehmigt worden. Ende Juli soll es losgehen.

veröffentlicht am 09.06.2008 um 00:00 Uhr

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Von Minden bis kurz hinter die Samtgemeinde Niedernwöhren verläuft die Linie, entlang derer gemessen wird. An dieser Linie werden insgesamt 6000 sogenannte Geophone (Bild) postiert, die die Schallwellen von Sprengungen erfassen sollen. Im Abstand von 25 Metern detonieren in zehn Metern Tiefe 500 Gramm schwere Sprengkörper. Die Schallwelle, die aus dem Erdinneren zurückgeworfen wird, verursacht in den Geophonen kleinste Schwingungen. Was die hochsensiblen Geräte aufnehmen, wird gebündelt und im Messwagen registriert. Die Ergebnisse werten Experten von Exxon Mobil aus. Das dauert vom Ende der Messungen an ungefähr ein halbes Jahr. Sollte das Resultat nahelegen, dass es unterhalb Niedernwöhrens Erdgas gibt, könnte in der Folge danach gebohrt werden. Dann wäre die Samtgemeinde Teil des größten Erdgasfördergebiets in Deutschland. Denn aus Niedersachsen stammen 92 Prozent des in der Bundesrepublik produzierten Erdgases. 18 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases wird in Deutschland produziert. Auch wenn es in den zweieinhalb Wochen, während derer gemessen wird, im Abstand von zwei Minuten knallt, müssen die Niedernwöhrener keine "Bombenstimmung" befürchten. Projektleiter Wolfgang Hansen und Exxon-Sprecher Hans-Hermann Nack betonen, dass von den Detonationen kaum etwas zu hören und nichts zu spüren sein wird. Auch werden die sieben Zentimeter breiten Löcher wieder vollständig aufgefüllt. Innerhalb von Wohngebieten wird nicht gesprengt. Was die Bewohner der Samtgemeinde mitbekommen werden, ist das Verlegen einer Leitung entlang der Messlinie. Diese wird oberirdisch auf acht Kilometern Länge zusammenhängend verlegt. Bebaute Grundstücke werden von dem Trupp, der aus bis zu 90 Arbeitern und 40 Fahrzeugen besteht, umgangen. Außerdem werden alle Eigentümer von Grundstücken - meist Wiesen und Felder - um Erlaubnis gebeten, dass Exxon dort die Sprengungen vornehmen kann. Entlang der Messlinie liegen die Orte Niedernwöhren, Pollhagen und Niedernholz. Die Messungen sind Teil einer groß angelegten Kampagne des Unternehmens, um neue Erdgasreserven in bis zu 5000 Metern Tiefe zu erschließen. An mehreren Stellen vom Emsland bis ins Schaumburger Land werden Landstriche nach Erdgaspotenzial abgeklopft. Nack beschreibt den Vorgang als ein sehr vorsichtiges Tasten nach Stellen, die sich für neue Bohrungen eignen. Eine solche Bohrung kostet 30 Millionen Euro. Für die jetzigen Messungen in Niedersachsen muss Exxon Mobil immerhin acht Millionen Euro berappen.

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