weather-image
22°
Beach-Volleyball: Auch eine Verletzung kann die WM-Vierten beim Turnier nicht stoppen

Extrem-Hobbysportler auf Abschiedstournee

Obernkirchen. Eine Stunde vor dem Finale des BKK24-Beach-Volleyballturniers sind die Sorgenfalten auf der Stirn von Thorsten Schoen so tief wie der Andreasgraben: "Das Knie", erklärt der Vierte der letztjährigen WM, "eine alte Verletzung." Ein paar Tabletten sollen die ärgsten Schmerzen lindern, trotzdem ist ihm im Finale anzusehen, dass er verletzt ist: Schoen humpelt sichtlich und quält sich durch die Sätze.

veröffentlicht am 29.05.2006 um 00:00 Uhr

0000417160-1-gross.jpg

Autor:

Frank Westermann

Zwei Sätze sind es, die er und sein Partner Marvin Polte benötigen, um Hannes Görtz und Peer-Ole Mielenz aus Berlin geschlagen vom Spielfeld zu schicken. Schoen und Polte haben umgestellt, jetzt geht Polte die langen Wege, um das lädierte Knie seines Partners zu schonen. Und das Duo spielt seine ganze Erfahrung aus: In den Momenten, wo das Spiel auf der Kippe steht, wo der Gegner ganz nah dran ist, zieht das WM-Duo das Tempo an, variiert sein Spiel und zeigt am Ball ähnlich viel Gnade wie ein hungriger bayerischer Bär mit Migrationshintergrund beim Anblick eine Schafes. Und natürlich trägt Schoen seinen Szene-Spitznamen "Monsterblocker" auch nicht zu Unrecht: Unglaublich, wie hoch der Schlacks aus dem Stand springen kann. Für Polte ist es der erste Sieg in der Bergstadt, für Schoen der dritte: Schon 2000 und 2001 ging er - mit anderem Partner - hier als Sieger vom Platz. Acht Punkte pro Person bringt der Sieg in Obernkirchen, die Polte und Schoen aber nicht mehr benötigen: "Wir haben die Qualifikation für die Spiele um die deutsche Meisterschaft in der Tasche, wir fahren zum Timmendorfer Strand", erzählt Schoen, der sich quasi auf bundesdeutscher Abschiedstournee befindet. Der "Extrem-Hobbysportler" (Schoen) will kürzer treten, seine Freundin endlich heiraten und eine Familie gründen. Das war schon für 2005 geplant, ehe er mit Polte als namenloses Team bei der WM Vierter wurde und danach Deutschland auf der "World Tour" vertreten durfte. Zwei Momente von der WM sind ihm besonders im Gedächtnis geblieben: 10 000 Zuschauer haben ihm beim Halbfinale an seinem 33. Geburtstag ein Ständchen gebracht (Schoen: "Ich habe geheult vor Rührung"), später wurde er zum besten Spieler des WM-Turniers gezählt. Zum Obernkirchener Turnier ist er mit Partner Polte aus mehreren Gründen aus Berlin angereist: Es gibt Punkte, es gibt einen schönen Anteil des Preisgeldes für ihn (insgesamt werden 2750 Euro ausgeschüttet), außerdem stammen beide aus der weitere Umgebung: Polte aus Paderborn, Schoen aus Schüttdorf. Da lässt sich das Sportliche bestens mit einem Besuch von Freunden und Bekannten verbinden. Bei den Frauen setzen sich die Gewinner des Auftakt-Turniers in Hannover auch in der Bergstadt durch: Julia Großner aus Erfurt und Katharina Schillerwein aus Hamburg besiegen in zwei sehr knappen und entsprechend spannenden Sätzen das Berliner Duo Sophie Colditz und Liane Lehmann.

0000417160-11-gross.jpg
0000417160-12-gross.jpg
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare