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Nach Granatenfund: Systematische Suche für Gemeinde zu teuer / Kein offizielles Badegewässer

Explosive Altlasten im Kreuzrieher Teich?

Suthfeld (tes). Der Granatenfund im Kreuzrieher Teich hat im vergangenen Jahr die Gemüter erhitzt. Wie sicher ist das Gewässer heute? Bürgermeister Horst Schlüter und der CDU-Landtagsabgeordnete Joachim Runkel sehen eine geringe Gefahr. Aber: Das Geld für eine Untersuchung fehlt. Zudem erscheint der Erfolg einer großangelegten Suche fraglich.

veröffentlicht am 20.02.2009 um 16:12 Uhr

"Hunderprozentige Sicherheit ist nicht finanzierbar": Laut Bürge

Sommerferien und Schwimmspaß unter freiem Himmel: In einer Samtgemeinde ohne Freibad kein leichtes Unterfangen. Besonders von Kindern gern genutzte Alternative ist da der idyllisch gelegene Teich in Kreuzriehe. Dieser ist offiziell zwar kein Badegewässer, aber seit Generationen schwimmen die Suthfelder dort. Die Badewasserqualität spricht nicht gegen diese Gewohnheit. Das Wasser wurde kürzlich durch ein Gutachten der Laborunion überprüft und als "mikrobiologisch nicht zu beanstanden" befunden. Vielmehr sorgen mögliche explosive Altlasten auf dem Grund des Teichs für riskantes Badevergnügen. Im Sommer 2006 hatte der Fund einer Granate Alarm ausgelöst. Der Sohn des Landtagsabgeordeneten Runkel war beim Schwimmen auf eine "Bombe" gestoßen. Laut Kampfmittelbeseitigungsdienst hat es sich dabei um eine Granate deutscher Herstellung gehandelt. Für Bürgermeister Schlüter "unerklärlich, weil in Suthfeld weder Flakstellungen noch andere Kriegseinwirkungen bekannt sind". Vor Ende des Krieges sei das Teichgelände doppelt so groß gewesen. Schlüter ist überzeugt, dass die Bombe von einem Privatmann im Teich entsorgt wurde. "Alles, was in den Teich geschmissen wurde, liegt heute unter einer dicken Schuttschicht", erinnerte sich dieser. Erst 1963 sei die Notbremse gezogen worden. "Das Gewässer war krank, aber noch nicht tot", so der Bürgermeister weiter. Unterstützung vom Landkreis habe es nicht gegeben. Nur den Hinweis auf das Ingenieurbüro "Stadt Land Fluss", das 2003 im Auftrag der Gemeinde ein Restaurierunggskonzept erstellte. "Um die Geschwindigkeit der Verschlechterung zu stoppen", wurden die im Konzept angeregten Schilfklärinseln angelegt. Was genau unter dem meterhohen Bauschutt liegt, blieb weiter ungewiss. "Sicher - wo eine Granate ist, können noch weitere sein", sagte Schlüter. Allerdings hätten Tauchversuche eines Bürgers in dem bis zu 2,50 Meter tiefen Teich nur Unmengen von Getränkedosen und alte Fahrräder zu Tage gefördert. Die Wahrscheinlichkeit für weitere Bomben stuft der Bürgermeister bei "gleich null" ein. Nach dem Granatenfund waren Samtgemeinde und Landkreis eingeschaltet worden. "Diese sahen aber keinen weiteren Handlungsbedarf", sagte Schlüter. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst sei für weitere Maßnahmen nicht zuständig und habe nur Kontakt zu entsprechenden Firmen vermittelt. Nach deren Angaben ist eine genaue Schätzung der Kosten unmöglich, erklärte Schlüter die missliche Lage. Das Gewässer müsse komplett per Boot mit einem Metallsuchgerät abgefahren werden. "Und das wird pausenlos anschlagen", ist Schlüter überzeugt "Jede Konserve wird als Bombe gemeldet." Hundertprozentige Sicherheit könne die Gemeinde nicht finanzieren - Schlüter sieht immense Kosten auf Suthfeld zukommen: "Alles was ausgebaggert wird, muss zudem auf den Sondermüll", begründete der Bürgermeister, weshalb die Gemeinde "mit einem mulmigen Gefühl" nicht tätig geworden ist. "Unser Haushalt ist angespannt, wir können nicht mehrere Tausend Euro für eine Bombensuchaktion einsetzen, geschweige denn Schulden machen." Er habe alle Ratsmitglieder informiert, und die Frage sei in den Fraktionen diskutiert worden. Weder SPD noch CDU hätten bisher weitere Initiativen ergriffen. Falls doch etwas passieren sollte, müsse die Gemeinde nicht haften, verwies Schlüter auf Informationen vom Kommunalen Schadensausgleich. Dieser habe erklärt: "Der Teich ist kein Badegewässer, solange kein Badesteg vorhanden ist." Folglich werde das Baden nur toleriert. "Aber wir sagen nicht: "Das ist unser Naturbad", betonte Schlüter, "wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass es ein offizieller Badesee ist". Grund für Entwarnung sieht die CDU-Fraktion nicht: "Zeitzeugen sagen, da ist noch mehr reingeschmissen worden", sagte Joachim Runkel auf Anfrage. Er habe nach dem Granatenfund seines Sohnes eine Reinigung des Teichs angeregt. Allerdings begnügte er sich dann ebenfalls mit den Aussagen vom Kampfmittelbeseitigungsdienst, wonach kein Handlungsbedarf besteht. "Solange keiner im Untergrund rumwühlt, oder Kinder Sachen vom Grund hochhohlen", sagte der Landtagsabgeordenete. Auf das Thema angesprochen, werde allerdings das "schlechte Gewissen" wach, so Runkel. "Ich nehme das zum Anlass, mich noch einmal kundig zu machen", versprach der Politiker. "Langfristig kommen wir nicht drumherum, etwas zu tun."

Ungetrübtes Badevergnügen? Kaum lässt sich die Sonne sehen, bevö
  • Ungetrübtes Badevergnügen? Kaum lässt sich die Sonne sehen, bevölkern Schwimmer und Schlauchbootfahrer den Kreuzrieher Teich.

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