weather-image
23°
Sind Vorwälle nur Schürfreste vom Tagebau? / Celler Bergbauingenieur forscht im Deister

Experte hat neue Theorien zur Heisterburg

Feggendorf/Rodenberg (nah). Die langen Wälle, die sich auf der Rodenberger Höhe nördlich der Heisterburg durch den Wald ziehen, sind vielleicht keine Verteidigungsanlagen. Der Celler Heinz Bartels vermutet in ihnen die Reste oberirdischen Kohleabbaus. Soeben hat er seine Theorien im Jahrbuch 168 der Naturhistorischen Gesellschaft zu Hannover veröffentlicht. Sie könnten bei niedersächsischen Burgen-Experten auf neuen Widerspruch stoßen. Erst kürzlich hatte Bartels für Aufsehen mit eigenen Theorien zur Wirkesburg bei Feggendorf gesorgt.

veröffentlicht am 10.01.2008 um 00:00 Uhr

Heinz Bartels

Seit wenigstens 120 Jahren steht die Heisterburg im Interesse der Forscher. Immer wieder wurden Vermutungen angestellt, alte Dokumente durchsucht, Flurnamen entschlüsselt und Ausgrabungen vorgenommen. Nach etlichen Theorien, die die Anlage gar als römisches Lager hatten sehen wollen, gilt heute als sicher, dass die im 16. Jahrhundert noch so bezeichnete "Hoysburg" (Hüte-Burg) aus dem Beginn des zweiten Jahrtausends stammen müsste. Das erklärt sich unter anderem aus den innerhalb des viereckigen Kernbereichs gefundenen Fundamenten einräumiger Gebäude und deren Feuerstellen. Heute führt ein Wanderweg quer durch die Anlage. Vor zwei Jahren wurden neue Hinweistafeln aufgestellt. Sie erläutern die Kernburg sowie die sich nördlich davon erstreckenden Vorwälle. An den Erkenntnissenüber die eigentliche Burganlage hegt Bartels keinen Zweifel. Aber er widerspricht den Theorien, dass die Wälle eine Art Vorburg gebildet haben könnten. Er erklärt die hohen Aufschüttungen als Abraum: "Hier haben die Menschen oberirdisch nach Kohle gesucht", ist sich der ehemalige Bergbauingenieur sicher. Als Beweis führt er die Grubenkarte des Deisters an, aus der Verwerfungen des durch den Bergzug führenden Kohleflözes hervorgehen. Genau an solchen "Störungen" befinden sich im Bereich nördlich der Heisterburg diese "Wälle", die aus einem Graben und einer dahinter hoch aufragenden Aufschüttung bestehen.Das könnte zwar einen Verteidigungszweck vermuten lassen, aber "der von Norden vorgetriebene Graben ... endet an der Störung, wird im Einfallen in der alten Scholle zurückgeführt und verläuft dann ein Stück exakt im Streichen der Schichten", führt Bartels in bergmännischer Formulierung aus.Für ihn lassen die Gräben und Aufschüttungen "eine systematische Anordnung erkennen". Er ist davon überzeugt, dass quasi im Tagebau nach Kohle gesucht worden ist. Anfangs geschah das mit Erfolg. Als das Flöz ausgebeutet war, blieben die Aufschüttungen liegen. An anderer Stelle im Norddeister könnte danach die unterirdische Förderung intensiviert worden sein, die bis in das 20. Jahrhundert hinein zu etlichen Stollensystemen führte. Inzwischen ist Bartels auf die Suche nach Befürwortern seiner Theorie gegangen. So hat das Institut für Bergbau der Technischen Uni Clausthal "mit großem Interesse" auf die Argumente des gebürtigen Lindhorsters reagiert und das "bisher nicht vermutete historische Erkenntnispotential" als "einer näheren Untersuchung" für würdig befunden. Bartels will bei den Wallanlagen beider Burganlagen im Norddeister weiterhin am Ball bleiben. Bei der Wirkesburg hatte er erheblichen Widerspruch hervorgerufen, als er deren vorgelagertes Wallsystem nur als Rest einer jagd- und viehwirtschaftlichen Siedlungseinheit einstufte. Inzwischen liegt ihm nach eigenen Angaben eine Einladung des Niedersächsischen Instituts für Denkmalpflege vor. Deren Archiv und Bibliothek könne Bartels gern benutzen, um seinen Theorien entsprechende Belege beizufügen. Für seine Vermutungen zu den Vorwällen der Heisterburg dürfte wohl bald Ähnliches gelten.

Verteidigungswall oder Reste oberirdischen Kohleabbaus? Nördlich
  • Verteidigungswall oder Reste oberirdischen Kohleabbaus? Nördlich der Heisterburg sind im Wald mehrere lange Strecken aus Graben mit hohem Erdaushub zu finden. Fotos: nah


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt