weather-image
28°
Pflanzen mit sehr großen Blättern

Exotische Giganten

Gunnera manicata, das Mammutblatt – in britischen Parks und Cottagegärten hat sie eine Sonderstellung. Sie misst zwei Meter maximale Höhe, manchmal sogar gut darüber hinaus – aber nur, wenn der Frost sie nicht hinrichtet. Deshalb ist es auch immer ein Vabanquespiel, sie im weserbergländischen Garten heimisch werden wollen zu lassen.

veröffentlicht am 22.06.2018 um 00:00 Uhr

270_0900_97417_ga102_2206_Gunnera.jpg

Autor:

Saskia Gamander und Jean LeGrand
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Es funktioniert dann, wenn die Wintermonate kaum merklich Temperaturen unter dem Gefrierpunkt hervorbringen. Und es funktioniert nur dort, wo der Platz geschützt liegt und wo das Mammutblatt im Winter mit den eigenen großen Blättern sowie Reisig abgedeckt wird.

Die wichtigste Voraussetzung ist ein feuchter Platz: Gunnera manicata liebt Uferzonen, und sei es nur die Nähe zu einem zur Entengrütze geratenen Teich. Hauptsache, feuchter Fuß. Wo das Mammutblatt zu trocken steht, werden sich seine riesigen Blätter nicht entfalten, es wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht einmal Wurzeln bilden. Denn die Heimat dieser Art sind die Sümpfe Brasilien und Kolumbiens, diesen Umstand gilt es zu berücksichtigen. Wenn dann alles passt, wenn auch der Sommer feuchtwarm wird und der Frühling nicht zu spät in Wallung geraten ist, entwickelt die Riesenstaude Blätter, deren Durchmesser bis zu 2,50 Meter erreichen können! Die Stiele sind stachelig, die Blätter fest und tief geädert. Es ist eine imposante Erscheinung. Gunnera manicata gibt Teilbereichen Struktur und Halt, der bis zum Herbst bleibt und dann, wie bei vielen Staudenpflanzen, sich zum Winter hin in eine kahle, freie Stelle wandelt.

Stauden mit großen Blättern sind besonders strukturwirksam. Manchmal sind sie groß wie Schirme, und wenn es dann regnet, stellt man sich einfach darunter, hört das Prasseln der Tropfen und wartet trockenen Hauptes solange, bis der Schauer vorüber ist. Die Blätter von Staudenpflanzen solchen Ausmaßes übersteigen den Wert ihrer Blüte um Längen; die Blüte ist nur das vergleichsweise kurze, andauernde Feuerwerk (wenn überhaupt!), während das Laub sich vom Frühling bis in die ersten Wintertage hält. Die Riesenhaftigkeit, mit der nicht nur Gunnera manicata um Aufmerksamkeit buhlt, ist enorm. Allerdings muss beim Pflanzen dann auch klar sein, dass solche Stauden nicht beengt stehen wollen, sondern sich frei entfallen müssen. Beetnachbarn hätten auch keine Chance zum Überleben…

270_0900_97418_ga103_n2206_Alant_Juni_2_.jpg

Die Struktur, die Pflanzen mit sehr großen Blättern einem Garten oder zumindest Teilbereichen davon geben können, ist fantastisch. Sie sorgen für Abwechslung, so wie Stauden mit dunklem Laub dies zu tun in der Lage sind. Auch hier: Kontrast. Kontrast zum Üblichen. Das Übliche muss nicht per se als langweilig bezeichnet werden, dennoch leidet der gewohnte Anblick nicht selten unter einer Art Abnutzung.

Exotisch sehen die Blätter des Tafelblatts (Astilboides tabularis) aus. Sie sind von erheblichem Ausmaß, kreisrund, leicht behaart und grob gezähnt. Etwa einen Meter hoch wird das Tafelblatt und kann auf diese Weise fast gedrungen wirken, ist aber bei der Ausgestaltung mit höheren Gehölzen, die auch gerne feucht stehen, eine sehr gute Möglichkeit, Fülle in dunkle Bereiche zu bringen. Das Mammutblatt dazu zu verwenden, wäre angesichts seiner maximalen Höhe von bis zu drei Meter kaum ratsam.

Wer dem Deal mit Petrus nicht traut und kein Mammutblatt pflanzt, weil es den Winter ohnehin nicht überstehen könnte, legt sich auf andere Stauden fest, die mit wenigen Ausnahmen übrigens lieber Halbschatten bevorzugen, weil die Verdunstung über große Blätter höher ist. Außerdem wichtig: ein windgeschützter Standort, um die Blätter vor Schäden zu bewahren. Abgesehen von einigen wirklich prachtvollen, großblätterigen Hosta-Sorten wie etwa ’Sum and Substance‘ oder ’Lady Isabell Barnett‘, deren Laub durchaus 80 Zentimeter lang werden kann, eignet sich hier zum Beispiel auch der Zier-Rhabarber (Rheum palmatum) ’Atrosanguineum‘ als besonderer Blickfang, übrigens nicht nur wegen seiner großen Blätter, sondern auch aufgrund seiner purpurnroten Koloratur. Bis zu vier Meter schießt der Zier-Rhabarber hinauf. Frischer tiefgründiger Boden ist seine Plaisir. Auch die Japanische Pestwurz (Petasites japonicus) vermag diesen Zauber zu entfachen mit ihren großen, rundlichen, weichen Blättern, die kaum Licht auf den Boden fallen lassen; kein Durchkommen für die Sonnenstrahlen, und die Blätter changieren vom Frühlingspurpur in ein Spätsommerdunkelgrün. Atemberaubend.

Für den sonnigen Standort gibt es allerdings auch Stauden mit großen Blättern. Allen voran sollte hier wohl der Große Alant genannt werden. Inula magnifica kann gut und gerne eine Höhe von zwei Metern erreichen und entwickelt große, weiche Blätter, die der Pflanze insgesamt einen Durchmesser von bis zu 1,50 Meter bescheren. Den Großen Alant als Pracht in ein gemischtes Staudenbeet zu pflanzen, ist also nur dann eine gute Idee, wenn man in seinem „Wirkungskreis“ eher mit Bodendeckern arbeitet, die im Frühling blühen, weil sie im Sommer ohnehin schon nicht mehr zu sehen sind…

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare