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Preiserhöhung von zehn Cent pro Liter Milch gefordert / BDM-Team Weserbergland-Lippe gegründet

Existenzbedrohte Milchbauern machen mobil

Landkreis (la). "Wir zahlen Eintritt um in den Stall zu gehen (Kauf von Milchquoten), ackern dann 365 Tage im Jahr und trotzdem ist unsere Existenz gefährdet", sagt der Milchviehhalter Frank Plogstert aus Lippe. Damit hat er kurz und knapp die Gründe zusammengefasst, warum die Milchbauern eine Erhöhung des Milchpreises von 30 auf 40 Cent pro Liter fordern. Dafür wollen sich die Milchbauern der Region jetzt selbst einsetzen und gründeten im Rintelner Ortsteil Möllenbeck das "Team Weserbergland-Lippe" im Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM).

veröffentlicht am 22.05.2007 um 00:00 Uhr

Die Milchviehhalter Hans-Jürgen Ebeling (v.l.), Andrea Holzmeier

"Wir haben uns bislang nur auf unsere Arbeit konzentriert, weil uns die auch ganztägig ausfüllt. Aber unsere Existenzen sind bedroht und niemand vertritt uns richtig", begründete Karl-Heinrich Niehoff aus Möllenbeck das Engagement im BDM. Von 100 000 Milchviehhaltern gehören derzeit etwa 42 000 dem BDM an. "Hier in unserer Region sind aber nur zehn Prozent aller Milchbauern organisiert", erläutert Heinrich-Jürgen Ebeling aus Rolfshagen. Das soll sich nun ändern, denn die sechs Gründungsmitglieder des Teams Weserbergland-Lippe wollen massiv mobil machen und Mitglieder werben. "Man ist nur gemeinsam stark", stellte Andrea Holzmeier-Böke aus dem Kalletal fest. Die Begründung für die geforderte Erhöhung des Milchpreises um zehn Cent ist verständlich. "Die Betriebe sind gewachsen, um das Niveau zu halten. Damit sind die Arbeits- und Managementaufgaben gestiegen", erläuterte Fritz Stucke aus Klein Holtensen. 40 bis 50 Stunden benötigt ein Milchbauer pro Kuh im Jahr. "Fremde Arbeiter können wir uns auf unseren Höfen, die fast alle Familienbetriebe sind, nicht leisten", erklärte Stucke. Die Familienmitglieder seien überall mit eingespannt und arbeiteten an ihrer Leistungsgrenze. "Wir kommen uns vor wie in einem Hamsterrad und trotz der vielen Arbeit reicht das Geld, das uns die Molkereien zahlen nicht aus", so Niehoff. Alles sei teurer geworden - Energie, Kraftfutter - aber durch den Preisdruck, den der Lebensmitteleinzelhandel auf die Molkereien ausübe, sei der Milchpreis auf Kosten der Bauern immer weiter gefallen. "Die Milch und alle Milchprodukte sind so billig wie nie, aber auf unsere Kosten. Wir fordern, den Werte vernichtenden Preiskampf zu beenden und die Preiserhöhung so zu gestalten, dass die gestiegene Kosten der Molkereien und der Bauern gedeckt sind", sagte Ebeling. Schließlich würden die Milchbauern ein hochwertiges Nahrungsmittel und kein Rohprodukt herstellen und müssten dafür auch fair bezahlt werden. Ein weiteres Problem sehen die Milchviehhalter 2015 auf sich zukommen. Dann läuft nämlich die Milchquotenreglung aus. "Bei der Nachfolgeregelung wollen wir mitreden. Wir wollen nicht weiter die Sklaven der Molkereien sein, sondern müssen lernen, unser Produkt selbst zu verkaufen", sagte Plogstert. Das hätten die Milchbauern in den vergangenen Jahren nicht gemacht, sondern sich immer auf das Verhandlungsgeschick der Molkereien verlassen. "Daran müssen wir jetzt etwas ändern. Schließlich haben wir auch eine große Verantwortung für unsere nachfolgenden Generationen", sagte Heike Niehoff. In den nächsten Wochen bis zur Ernte wollen die Milchbauern Zeit in dieses Vorhaben investieren und weitere Mitglieder für das BDM-Team Weserbergland-Lippe werben. "Wir werden alle Kollegen direkt ansprechen und außerdem regelmäßige Treffen veranstalten. Wenn möglich auch mit Referenten", so Ebeling. Immer montags um 20 Uhr wollen sich die Milchviehhalter an verschiedenen Orten in der Region treffen und weitere Schritte besprechen. Weitere Informationen hält Heinrich-Jürgen Ebeling unter Telefon (0 57 53) 92 004 oder (0 178) 61 37 52 3 bereit.



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