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Hamideh Mohagheghi sprichtüber "Islam und Demokratie"

Exil-Iranerin für Studiengang "Islamische Theologie"

Bückeburg (mig). Für eine weitergehende Integration von Einwanderern und die Einrichtung eines Studiengangs islamische Theologie in Deutschland, hat sich Referentin Hamideh Mohagheghi im Rahmen eines Vortrags "Islam und Demokratie" in der Aula der Grundschule Im Petzer Feld ausgesprochen.

veröffentlicht am 05.10.2007 um 00:00 Uhr

Auf Einladung von "Alle unter einem Dach" sprach die Exil-Iranerin im Rahmen der landkreisweiten interkulturellen Wocheüber Selbstmordattentäter, die Lage in ihrem Geburtsland und Kopftücher. "Eigentlich präferiert der Islam keine Staatsform und passt sich der Kultur und Lebensweise der Menschen an", machte Mohagheghi gleich zu Beginn deutlich. Tatsächlich sei der Islam bis ins 12. Jahrhundert sehr lebendig diskutiert und auch ausgelegt worden. "Danach gab es leider eine Stagnation; es durfte 500 bis 600 Jahre nicht mehr gedacht werden", machte die Referentin deutlich. In ihrem theologischen Kern sei die islamische Lehre aber durchaus dynamisch. Die Frage "Kann man ein gläubiger Moslem und ein überzeugter Demokrat sein", beantwortete die Exil-Iranerin deshalb auch mit einem eindeutigen "Ja". Allerdings: Demokratie könne nicht von außen erzwungen werden, sondern müsse sich entwickeln. "Ein Krieg beispielsweise gegen den Iran wäre ganz schlimm und würde die Macht von Ahmadinedschad noch stärken", sagte Mohagheghi. Nach dieser Annäherung an das Thema nahm die Referentin zu aktuellen Fragen Stellung. "Es gibt viele Probleme, weil man sich missversteht", sagte die Vortragende und forderte Integrationskurse und die Einrichtung des Studiengangs islamische Theologie. "Imame müssen in Deutschland ausgebildet werden, sie müssendeutsch sprechen", sagte Mohagheghi. Andererseits gebe es auch auf der Seite der Mehrheitsgesellschaft Kräfte, die die Angst zwischen den beiden Gruppen schüren würden. "Man darf auch nicht vor jedem Imam der nicht deutsch spricht, Angst haben", sagte Mohagheghi und mahnte vor Hysterie und medialer Vereinfachung ("Islamismus"). Das Tragen des Kopftuchs sei für viele junge Frauen inzwischen auch ein Zeichen gegen die Vermarktung des Körpers. Im Anschluss mündete der Vortrag in einen Dialog mit dem Publikum; Mohagheghi antwortete auf etliche Fragen der sich sehr wissbegierig zeigenden Besucher.



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