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360 000 Euro an offenen Rechnungen / Butte: Insolvenzantrag voraussichtlich noch in dieser Woche

EWR-Handwerker schlagen Alarm

Weserbergland (ni / TT). Die drohende Insolvenz des 20 Millionen Euro teuren Tourismus-Projektes "Erlebniswelt Renaissance" (EWR) lässt die Wellen der Entrüstung im Weserbergland hochschlagen. Nach der Ankündigung von CDU, Unabhängigen und FDP im Kreistag Hameln-Pyrmont, der EWR den Geldhahn zuzudrehen, müsse die Erlebniswelt-GmbH wohl noch in dieser Woche Insolvenz beantragen, erklärte gestern Hameln-Pyrmonts Landrat und EWR-Aufsichtsratschef Rüdiger Butte.

veröffentlicht am 12.09.2007 um 00:00 Uhr

Zahlreiche Handwerksfirmen zittern um ihr Geld: Die Erlebniswelt hat bei verschiedenen Firmen noch offene Rechnungen in Höhe von mindestens 360 000 Euro. Einige Handwerker, die an den EWR-Bauten in Bevern und Bückeburg beteiligt sind, trafen sich gestern zu einer Krisensitzung beim Hameln-Pyrmonter Kreishandwerksmeister Karl-Wilhelm Steinmann. Ihr Fazit: "Bei uns stehen Existenzen auf dem Spiel. Mindestens zwei Firmen geraten durch eine EWR-Insolvenz selbst in Gefahr. Damit sind auch rund 35 Arbeitsplätze in Gefahr - und in jedem Einzelfall auch eine Familie." Dass die EWR noch bis vor kurzem Aufträge erteilt habe, obwohl man gewusst habe, dass es finanzielle Probleme gibt, lässt für Steinmann und Kollegen nur einen Schluss zu: "Das hat den Charakter des leicht Kriminellen." Vorwürfe wie "Betrug" und "verschleppte Insolvenz" machen in Handwerkerkreisen die Runde, rechtliche Schritte gegen die EWR-Verantwortlichen behält sich der Hamelner Handwerksmeister Horst Latzel vor. Heute Abend findet die entscheidende Sitzung statt: Stimmt der Hameln-Pyrmonter Kreisausschuss mit Mehrheit dagegen, die EWR mit einer neuerlichen Finanzspritze vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren, bleibt EWR-Geschäftsführer Dr. Holger Rabe nichts anderes übrig, als bei Gericht die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu beantragen. Das Gericht schaltet dann einen Sachverständigen ein, der prüft, ob es eine Möglichkeit zur Abwendung der Insolvenz gibt, und auch die Frage klärt, ob genügend Masse für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorhanden ist. Wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt, haben nicht mehr die Gesellschafter, sondern die Gläubiger das Sagen. Die Rettung des Unternehmens und der Erhalt von Arbeitsplätzen haben Priorität. Die Landräte der Mitgesellschafter-Kreise Schaumburg und Holzminden sehen negative Folgen für die interkommunale Zusammenarbeit. Schaumburgs Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier wirft den Verantwortlichen "Vertragsbruch" vor (wir berichteten), Landrat Walter Waske aus Holzminden will von einem Anwalt prüfen lassen, welche Ansprüche sein Kreis an den Landkreis Hameln-Pyrmont als Hauptanteilseigner der EWR-Gesellschaft stellen kann. Auch der Bund der Steuerzahler interessiert sich für die EWR: Er hat Butte um Aufklärung der finanziellen Schieflage gebeten. Unterdessen sollen die EWR-Projekte im Bückeburger Schloss und im St.-Martini-Mausoleum in Stadthagen nach dem Willen der Schaumburger Verantwortlichen erhalten bleiben, in Rinteln will die Stadt - in Sachen EWR ohnehin zurückhaltend - die Entwicklung abwarten. Seite 9, 21 und 23



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