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Finanzmisere: Thomas Gersmeier hat Rücktritt angeboten / Hamelns Kämmerer soll aufklären

EWR-Geschäftsführer gerät stark unter Druck

Landkreis. Wetten auf die Zukunft nimmt Thomas Gersmeier derzeit nicht entgegen. Der Geschäftsführer der Erlebniswelt Renaissance GmbH ist auf der Aufsichtsratssitzung am Montag erheblich unter Druck geraten. Dem Vernehmen nach bot Gersmeier sogar seinen Rücktritt an. Der Aufsichtsrat entschied, Gersmeier zunächst zu halten, weil man den Geschäftsführer dringend zur Aufklärung der Finanzmisere braucht. Möglicherweise sein letzter Auftrag.

veröffentlicht am 20.10.2006 um 00:00 Uhr

Thomas Gersmeier

Autor:

Frank Werner

Das Misstrauen im Aufsichtsrat ist beträchtlich. Mit dem Eingeständnis einer neuen Finanzlücke über 650 000 Euro (wir berichteten) hat der Geschäftsführer die Aufsichtsräte vor den Kopf gestoßen. Die Stimmung gegenüber Gersmeier wird von Teilnehmern der Sitzung als extrem gereizt beschrieben. Erst im Juli hatte die EWR Zuschussbedarf in Millionenhöhe angemeldet. Nach dem Kassensturz jedoch sollten die Finanzen endgültig konsolidiert sein. Ausdrücklich zum letzten Mal erklärte sich auch das Land bereit, die Hälfte des Millionen-Defizits zu decken. Die EWR schien die Krise überstanden zu haben - bis Gersmeier am Montag die neue Bombe platzen ließ. Überzeugende Gründe für den neuen Fehlbetrag konnte er aus Sicht des Aufsichtsrates nicht präsentieren. Auch der Zeitpunkt der Enthüllung verbessert seine Position nicht gerade: Nach Meinung der Aufsichtsräte hätte das Defizit schon beim Kassensturz im Sommer erkennbar sein müssen. Außerdem wird dem Geschäftsführer vorgeworfen, keine getrennten, projektbezogenen Konten eingerichtet zu haben, die größere Transparenz geschaffen hätten. Sie hätten erkennbar gemacht, welche Gelder für welche Leistungen eines bestimmten Projektstandortes ausgegeben worden sind. Jetzt soll Hameln-Pyrmonts Kreiskämmerer Carsten Vetter bis zum 2. November für Klarheit in der Kasse sorgen. Gersmeier erhielt den Auftrag, Vetter bei dieser Arbeit zu unterstützen. Erst in zwei Wochen wird sich klären, wie groß die Finanzlücke wirklich ist. Die Gesellschafter stehen dann möglicherweise vor der Frage, ob sie noch einmal Geld locker machen, um die bisherigen Investitionen zu retten. Immerhin: Der ursprünglich projektierte Investitionsbedarf für die EWR liegt bei insgesamt 14 Millionen Euro. Den Löwenanteil tragen das Land und die EU. Als Teilgesellschafter hat der Landkreis Schaumburg bis jetzt 300 000 Euro Investitionskosten gezahlt und Bürgschaften über 580 000 Euroübernommen. Den nach der Juli-Krise zugesagten Zuschuss in Höhe von 125 000 Euro hat Schaumburg noch nicht gezahlt - jetzt wird das Geld bis zum 2. November eingefroren. In der nächsten Sitzung des Aufsichtsrates wird wohl auch über die Zukunft von Gersmeier entschieden. Insider bezweifeln, dass der Geschäftsführer das Vertrauen der Aufsichtsräte noch zurückgewinnen kann.

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