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Verein fühlt sich von Verwaltung nicht ausreichend unterstützt / Jugendleiter tritt zum Saisonende ab

Es knirscht mächtig zwischen VfL und Stadt

Bad Nenndorf (oke). Friedlich ist die Preisverleihung der "E.on-Avacon-Trophy" an den VfL Bad Nenndorf nur auf den ersten Blick gewesen. Als die Auszeichnungübergeben wurde, mischte sich in die Grußworte der Gäste von Stadt, Niedersächsischem Fußballverband (NFV) und VfL auch gegenseitige Kritik. Der Konflikt zwischen dem Großverein und der Stadt schwelt schon seit einigen Monaten. Der VfL klagt über mangelnde Unterstützung.

veröffentlicht am 25.06.2007 um 00:00 Uhr

Am Rande der Verleihung wurden die Gräben offensichtlich, die derzeit die Front zwischen Verein und Stadt markieren. Seit Längerem wirft die VfL-Führung unter deren Vorsitzenden Volker Thies der Politik vor, ungenügende Unterstützung zu leisten. Begonnen hatten der Unfrieden mit dem Zwist um den kreiseigenen B-Platzes der Bad Nenndorfer Sportanlage. Dieser ist als einziger mit Flutlicht ausgerüstet und ermöglicht das Trainieren auch spätabends. Wer er den Platz angelegt hat, genießt der VfL dort das Nutzungsrecht, doch mussten die Fußballer in jüngster Zeit öfter zurückstecken, da die Skigemeinschaft Nordschaumburg ebenfalls Platzbedarf angemeldet hat. Deren Mädchenmannschaftenüben, ebenso wie die Jugend des VfL, auf dem Platz hinter dem "VfL Dorado". Thies empfindet die häufige Sperrung des Platzes für seine Mitglieder als zunehmend ungerecht. Hinzu kommt für ihn noch die unausgewogene Verteilung der finanziellen Beihilfen, die die Stadt den ansässigen Vereinen zukommen lässt, sowie die Bevorzugung bei baulichen Vorhaben. "Um nur ein Beispiel zu nennen: In Waltringhausen und Riepen werden Bauanträge einfach so durchgewunken", empörte sich der Vorsitzende. Während der VfL beispielsweise den Architekten beim "Dorado" selbst finanziert habe, sei in Waltringhausen die Planung von der Kommune bezahlt worden. Thies äußerte den Verdacht, in den Gremien vonStadt und Verwaltung blockierten einzelne Ratsherren gezielt die Vorhaben des VfL, während andere Vereine durch ortsansässige Politiker bevorzugt würden - vielleicht, so seine Vermutung, um alte Rechnungen zu begleichen. "Es fällt schon auf, dass die sich da quer durch die Parteien einigen", merkt Thies dazu an. Bisheriger Höhepunkt des Konflikts war der Vorwurf Uwe Engelkings an die Stadt, sie habe "keinen Plan". Engelking ist Jugendleiter des VfL und für die WGN stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt. Werner Tatge, stellvertretender Samtgemeindebürgermeister, nutzte seine Gastrede für eine Stellungnahme. Einleitend lobte er die Arbeit des größten Vereins (fast 1700 Mitglieder). "Wir wissen, was wir als Stadt von der Arbeit des VfL haben", so Tatge. Von mangelnder Unterstützung jedoch könne keine Rede sein. Immerhin habe die Stadt seit 1981 rund zwei Millionen Euro an die Bad Nenndorfer Vereine gezahlt, davon allein etwa 850 000 Euro an den VfL, nicht inbegriffen diverse Zuschüsse und die Übernahme von Restkreditverpflichtungen. Auch weiterhin könne der Verein mit der Hilfe der Stadt rechnen, auch wenn der Verein kein Mädchenteam unterhalte, so Tatge. Diese Spitze sorgte in den Reihen der Zuhörer für ein Raunen. Auch Thies ist verärgert über Tatges Rede. "Das gehört nicht in diesen Rahmen. Das ist unterste Schublade", so der Vorsitzende nach der offiziellen Verleihung des "Avacon"-Preises. Dennoch möchte er weiterhin den Kontakt mit der Verwaltung halten. Erste Gesprächsangebotean die Ratsfraktionen seien jedoch bisher nicht beantwortet worden. "Es besteht auf jeden Fall Kommunikationsbedarf", so der VfL-Chef. Engelking hat derweil die Konsequenzen aus dem Konflikt gezogen. Zum Saisonende gibt er sein Amt nicht nur wegen des Arbeitsaufkommens ab. "Vielleicht hilft es, wenn die Reizperson etwas aus der Schusslinie tritt", sagte Engelking.



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