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Streit um die künftige Ruhestätte zweier Familien / "Dann stelle ich sie lieber in meinen Garten"

Es kann der Frömmste nicht in Frieden sterben

Apelern (bab). Der Tod an sich ist zwar keine Verhandlungssache, aber was mit den eigenen Gebeinen passieren soll wohl schon. Obwohl auf dem Apelerner Friedhof genug freie Fläche ist, um sich für den Fall des Falles ein schönes Plätzchen auszusuchen, feilschen zwei Familien gegenseitig um ihre nebeneinander liegenden Grabstellen. Während die Ahnen von Börries von Hammerstein und von Helmut Sahlfeld seit Jahrzehnten friedlich Seite an Seite ruhen, zanken sich die Lebenden um die Ausmaße ihrer letzten Ruhestätte.

veröffentlicht am 22.01.2007 um 00:00 Uhr

Die Gräber liegen auf dem historischen Teil im Westen des Friedhofs. Ebenfalls seit Jahrzehnten wurde dort niemand beigesetzt. Die Nachfahren möchten jedoch später dort ruhen. Wie viel und welcher Platz dabei welcher Familie zustehen würde und wie viele Gräber das ergeben könnte, ist strittig. Zum wiederholten Mal hat sich der Friedhofsausschuss des Samtgemeinderates mit dem Thema beschäftigt. Zum ersten Mal leitete Hammerstein (CDU) dieses Gremium. "Uns ist es sehr wichtig, dass wir auf den Gebeinen unserer Vorfahren liegen, ich will das auch gerne bezahlen", verteidigte Sahlfeld sein Interesse bei einem Ortstermin des Ausschusses. "Wir müssen auf dem Friedhof auch irgendwo hin, wenn wir hier ein Grab haben", argumentierte Hammerstein. Sein Vater habe schon das Erbbegräbnis in der Kirche der evangelischen Gemeinde überlassen und deshalb brauche man nun entsprechend Platz. Der Vorsitzende schlug dem Antragsteller vor, eine alte, unter Denkmalschutz stehende Grabsäule auf die Mitte des Friedhofs zu verlegen, um mehr Platz zu haben und das Gesamtbild des Gottesackers zu verschönern. So leicht wollte sich die Bourgeoisie vom Adel und der Bürger vom Ausschussvorsitzenden nicht überreden lassen. "Warum müssen wir weg? Wir sind schon viel länger hier als Sie! Warum müssen wir weichen? Die Säule gehört uns auch. Dann stelle ich sie lieber in meinen Garten", konterte Sahlfeld. Bei der Ausschusssitzung erinnerte sich Hammerstein an das Mitwirkungsverbot nach Paragraph 26 der Niedersächsischen Gemeindeordnung und gab als Betroffener den Vorsitz an seine Stellvertreterin Brigitte von Jaminet (SPD) ab. Hammerstein beansprucht vom Friedhof "den Teil, den wir schon haben". Sahlfeld, der nicht an der Sitzung teilnahm, tut das für seinen Teil ebenso. Wie der Ausschuss es drehte und wendete, die Verwaltung konnte ihm auch nicht helfen. Verwaltungsmitarbeiter Günther Herkner, zuständig für Friedhofsangelegenheiten, hatte anscheinend seit dem letzten Ortstermin im Oktober 2005 weder neue Erkenntnisse darüber gewonnen, welcher Teil welcher Familie zusteht, wie die Plätze aufgeteilt werden könnten und wie viele Gräber dort überhaupt Platz hätten. Um der Wahrheit etwas näher zu kommen, haben sich Ausschuss und Verwaltung darauf verständigt, zwecks Abmessungen jetzt endlich auf dem Friedhof Pflöcke einzuschlagen.



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