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Öffentliche Uhren – einen Tick daneben

Es ist ganz genau kurz vor nach drei

Wir treffen uns um drei“, sagte die Fotografin zu den Uhren und vertraute auf deren Pünktlichkeit. Schließlich handelte es sich um Uhren im öffentlichen Raum, nach denen sich jeder richten kann. Doch bei ihren Verabredungen traf sie im 21. Jahrhundert mancherorts auf beinahe mittelalterliche Zustände.

veröffentlicht am 28.02.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:52 Uhr

Uhr Hameln
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

„Im 15. Jahrhundert konnten Großuhren bei sachkundiger Wartung eine tägliche Abweichung von etwa einer Viertelstunde einhalten“, schreibt Wirtschaftsingenieur Hans Lenz in seinem Buch „Universalgeschichte“ der Zeit. Im Februar 2011 dagegen weichen manche Uhren mal drei Minuten, mal fünf, mal eine, mal gar nicht von der tatsächlichen Zeit „15 Uhr“ ab. Wer sich nach den Zeigern an den Türmen der Marktkirche und des Münsters richtet, läuft Gefahr, als unpünktlich verschrien zu sein; beide hinken der Zeit hinterher. Die Begriffe „pünktlich“ und „Zeitpunkt“ gibt es laut Lenz übrigens erst seit dem 16. Jahrhundert. Die Notwendigkeit, im öffentlichen Raum überhaupt Uhren anzubringen, entstand im Mittelalter, als die Bevölkerung der Städte wuchs und Tätigkeiten zeitlich aufeinander abgestimmt wurden. Der Glockenschlag der Turmuhren verkündete jedem in Hörweite, was die Stunde schlägt. Wer es sich leisten konnte, hatte um 1800 eine Uhr zu Hause, doch in Haushalten der Mittelschicht spielte sie selbst 50 Jahre später noch immer keine Rolle. Erst um 1900 gab es in den meisten deutschen Arbeiterfamilien einen Wecker. Heute dagegen ist es schwierig, keine Uhr im Blick zu haben: Handys, Armbanduhren, PC-Monitor – die Zeit ist rund um die Uhr ablesbar, die öffentlichen Uhren sind fast überflüssig geworden. Eine Gewähr für Pünktlichkeit geben aber auch private Uhren nicht. So listet der Amerikaner Robert Levine in „Eine Landkarte der Zeit“ auf, wie pünktlich Uhren in aller Welt ticken: Die Schweiz liegt auf Platz 1, Italien auf 2, Deutschland (8), USA (20), Niederlande (25) und Indonesien auf dem letzten Platz (30).

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