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Auetaler Bündnis für Familie gegründet / Priemer: "Gibt Wettbewerb der Kommunen um Familien"

Es gibt noch viel zu tun - und alle packen's an

Auetal. Sylke Müller, vor Jahren nach Rehren zugezogen, fühlt sich mit ihrer Familie im Auetal sicher und wohl, aber wunschlos glücklich ist sie nicht, wie sie in ihrer Rede gesteht: Mehr Sicherheit an den Buswartehäuschen, Spielstraßen in den Neubaugebieten, einen zeitnahen Gehwegeausbau, einen Fußweg vor der Grundschule oder wenigstens Schülerlotsen, um das alltägliche Verkehrschaos ein bisschen besser in den Griff zu bekommen - das alles wäre schon schön.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 07:51 Uhr

Lutz Monden

Autor:

Frank Westermann

Lutz Monden hat zwei körperbehinderte Söhne - und findet kein Angebot für sie im Auetal. Der Nachwuchs geht in Bückeburg im "Haus des Kindes" in den Kindergarten, eingeschult werden sie in Bad Nenndorf. "Und nicht nur bei der Fahrerei geht viel Freizeit drauf", erklärt Monden, der seinen Vortrag mit einem Appell verbindet: "Man sollte auf Behinderte zugehen und sie nicht abstoßen." Maurice, Lana, Alena, Kevin und Johanna finden das Freibad gut, die Jugendarbeit in Kathrinhagen auch, weil man dort nachmittags locker abhängen kann, aber die Raser zwischen Kathrinhagen und Westerwald oder zwischen Rehren und Bernsen und auch in Rolfshagen - die machen ihnen Angst. "Wir wünschen uns mehr Verkehrskontrollen", erklären die Kinder, deren Forderungen immer wieder von Applaus unterbrochen werden. Es ist eine emotional leicht aufgeladene Gründungsfeier für das Auetaler Bündnis für Familien: Nicht die Vertreter der Politik und Verwaltung, die einander versichern, was man schon alles geschaffen habe und dass man auf dem rechten Weg sei, stehen im Mittelpunkt der Rednerliste, sondern Auetaler Bürger: Menschen unterschiedlichsten Alters mit unterschiedlichen Sichtweisen und Problemen. Sichtbar wird auch, was alle eint: Der Wille, in dieser Kommune etwas zu bewegen, in Bündnissen Probleme zu erkennen und Lösungen aufzuzeigen. Was bedeutetüberhaupt Familienfreundlichkeit, hatte Eingangsredner, Bürgermeister und Schirmherr Thomas Priemer sich und die Anwesenden gefragt: Sichere Schulwege? Viele Freizeiteinrichtungen? Die Zahl der Betreuungsplätze in den Kindertagesstätten? Priemer forderte generell dazu auf, zu einer "Anerkennungskultur" beizutragen - in einer Gesellschaft, die Familie und die Bereitschaft, Kinder großzuziehen, wieder als Wert begreife. Er verwies auf die erheblichen Wanderungsbewegungen zwischen den Städten und den Kommunen. Diese würden von Arbeitsplätzen beeinflusst, aber auch von der konkreten Situation, die die Familien vorfinden würden: "Wer es bis heute nicht erkannt hat: Es gibt einen regelrechten Wettbewerb der Kommunen um die Gunst der Familien." Die Gestaltung des Wohnumfeldes, eine familiengerechte Bauleitplanung und ebensolche Gebühren, die Schaffung von Freiräumen für Kinder, diePlanung offener Treffpunkte für Mütter, die Verkehrsplanung, vor allem die Kinderbetreuung sowie diverse Freizeit-, Sport- und Kulturangebote - die kommunalen Möglichkeiten seien vielschichtig, aber auch abhängig von der finanziellen Leistungsfähigkeit, meinte Priemer, der aus seinem Stolz über die Bündnis-Gründung und die hinter ihr stehende Arbeitsleistung der Lenkungsgruppe wiederholt keinen Hehl machte. Die feierliche Deklaration als Erster zu unterschreiben, diese Ehre komme ihm nicht zu, hatte Sebastian Edathy am Ende seiner Rede erklärt. Der SPD-Bundestagsabgeordnete hatte zuvor auf den "allen bekannten demografischen Wandel" hingewiesen, der seit 1972 der Republik zu schaffen macht: Seitem liegt Jahr für Jahr die Zahl der Gestorbenen höher als die der Geborenen. Edathy verwies auf die Unterstützung des Landkreises: Mit der Gründung des kreisweiten Bündnisses im Mai letzten Jahre habe der Landkreis eine Leitstelle zur Koordinierung für "Lokale Bündnisse für Familien" geschaffen. Dort könne aber nur unterstützt werden, was vor Ort geleistet werde: Dort, wo sich Praktiker zu einer frei gewählten Organisationsform zusammenschließen und lokale Strategien zur Verbesserung der Situation von Familien entwickeln. Anschließend war es Priemer eine sichtbare Ehre, als Erster die Gründungs-Deklaration zu unterschreiben. Alle Anwesenden folgten ihm.

Sylke Müller
  • Sylke Müller
Maurice, Lana, Alena, Kevin und Johanna erklären die Probleme au
  • Maurice, Lana, Alena, Kevin und Johanna erklären die Probleme aus Kindersicht.
Und jetzt Sie: Priemer lädt zur Unterschrift ein.
  • Und jetzt Sie: Priemer lädt zur Unterschrift ein.
Alle unterschreiben: Der Nachwuchs ebenso...
  • Alle unterschreiben: Der Nachwuchs ebenso...
...wie Hertha König vom Seniorenbeirat. Fotos: rnk
  • ...wie Hertha König vom Seniorenbeirat. Fotos: rnk
Sylke Müller
Maurice, Lana, Alena, Kevin und Johanna erklären die Probleme au
Und jetzt Sie: Priemer lädt zur Unterschrift ein.
Alle unterschreiben: Der Nachwuchs ebenso...
...wie Hertha König vom Seniorenbeirat. Fotos: rnk

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