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Margarete Krüger (61) war langjährige Korrekturleserin der Schaumburger Zeitung

"Es gibt einfach immer was zu korrigieren"

Rinteln. Lange Jahre war Margarete Krüger (61) diejenige, die als allererste las, was am nächsten Tag auf den Lokalseiten der Schaumburger Zeitung stehen würde. Alle Artikel der Lokalredaktion und auch die Anzeigen aus der Anzeigenabteilung landeten auf ihrem Schreibtisch, um von ihr gründlich auf Rechtschreib- und Grammatikfehlergeprüft zu werden, bevor sie in den Druck gingen.

veröffentlicht am 02.11.2007 um 00:00 Uhr

Margarete Krüger. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

"Ich wusste meistens sofort, welcher Artikel von welchem Redakteur kam, auch ohne den Namen zu lesen", sagt sie. "Jeder macht seine typischen Fehler, und dann haben ja auch Tastaturen so ihre Eigenarten, manche Buchstaben klemmen, bei anderen funktioniert die Hochstelltaste nicht richtig - es gibt einfach immer etwas zu korrigieren." Eine der wichtigsten Aufgaben aber bestand darin, falsch geschriebene Eigennamen aufzuspüren, ein vergessenes "nicht" an der richtigen Stelle einzufügen, oder Zahlenangaben auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen - alles Dinge, die selbst das beste Rechtschreibkorrekturprogramm nicht leisten kann. Als junges Mädchen wollte Margarete Krüger so gerne Auslandskorrespondentin werden. Auf der Hauptschule und später auf der Handelsschule stellte sich schnell heraus, dass sie mit Leichtigkeit die englische Sprache lernen konnte und ohne Anstrengung sehr gute Noten bekam. Da es aber weit und breit keine Firma gab, in der sie eine entsprechende Ausbildung hätte absolvieren können, wurde sie Bürokauffrau und arbeitete im Rintelner Merkur-Verlag, der hauptsächlich Lehrbücher für Wirtschaftsschulen verlegt, die sie, als echte Leseratte, mit großem Interesse in ihr Lesepensum aufnahm. Mit 22 Jahren bekam sie ihr erstes Kind, wenig später das zweite. "Ja - ich hätte eine Stelle in der Schweiz als Auslandskorrespondentin antreten können, aber das ging ja nun wirklich nicht." Im Gegenteil, da es damals in Exten, wo sie lebte, noch keinen Kindergarten gab, übernahm sie für viele Jahre die Leitung des Familienlebens und verdiente nebenbei etwas Geld, zum Beispiel als Sekretärin in einer Privatschule. Als die Schaumburger Zeitung in den 80er Jahren eine Vertretung fürs Korrekturlesen suchte, hatte sie keinerlei Bedenken einzuspringen. Dabei wusste sie gar nicht, welche Zeichen man im ausgedruckten Text benutzt, um anzumerken, wo was wie korrigiert werden muss. Man korrigierte ja nicht direkt am Bildschirm, sondern im jeweils ausgedruckten Text. Da es aber imBuch der Bücher, dem Duden, ein Kapitel übers Korrekturlesen gibt, in dem alle Korrekturzeichen übersichtlich aufgelistet sind, war das für sie gar kein Problem. Noch aber wurde keine feste Stelle für sie frei, und so gehörte Margarete Krüger jahrelang zu den so tapferen Zeitungsausträgern, die morgens früh mit dem Fahrrad bei Wind, Wetter und im ärgsten Schneetreiben über die Bergdörfer radeln, um die Lesern rechtzeitig mit ihrem Zeitungslesestoff zu versorgen. Später dann wurde sie in der Texterfassung der Zeitung tätig, damals, als noch kaum jemand einen PC besaß und die Zeitungsartikel der freien Mitarbeiter handschriftlich oder mit der Schreibmaschine geschrieben hereinkamen, um noch einmal in das Redaktionssystem eingegeben zu werden. Für die "Amtlichen Bekanntmachungen", ellenlange Texte in reinstem Bürokratendeutsch, brauchte sie manchmal halbe Tage. Dagegen waren die letzten Jahre als feste Korrekturleserin richtig gemütlich. Die Lokalseiten werden vom "Chef vom Dienst" gelesen, die größte Herausforderung blieben die oft erst auf den letzten Drücker fertig gestellten Beilagenmagazine und die Sportseiten mit den vielen Vereinsnamen und den Ergebniszahlen, bei denen ein Fehler besonders schwer wiegt. Wird ihr die Korrektur-Arbeit fehlen? "Na - sie wird gar nicht richtig aufhören", meint Margarete Krüger. "Was auch immer ich lese, ich kann ja gar nicht anders, als darauf zu achten, ob auch alles richtig geschrieben ist."

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