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Milchbauern demonstrieren / Ebeling: Im Auetal keine Frischmilch mehr

"Es geht um die nackte Existenz"

Rehburg (kcg). Rund 100 Milchbauern haben am gestrigen Donnerstag vor den Toren der Molkerei Frischli in Rehburg gegen die Milchpreispolitik von Molkereiwirtschaft und Einzelhandel demonstriert. Vor allem eines wollten die Landwirte verdeutlichen: Der Milchboykott geht weiter, solange die Erzeugerpreise nicht auf ein "vernünftiges" Niveau ansteigen.

veröffentlicht am 30.05.2008 um 00:00 Uhr

Demo mit Kalb vor dem "Frischli"-Werk. Fotos: tol

"Wir brauchen einen fairen Preis" und "Wir sind in Wut, haben aber Mut: Lieferstopp" steht in dicken Lettern auf den Transparenten, die vor dem Tor des Frischli-Werkes in die Höhe gehalten werden. Dass eine Portion Mut erforderlich ist, die täglich gemolkene Milch nicht mehr an weiterverarbeitende Betriebe zu liefern, sondern zu verfüttern, bestätigt Jörn Rohlfing aus Binnen im Landkreis Nienburg. Der Halter von 130 Milchkühen beteiligt sich seit Dienstag am Lieferboykott, zu dem der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) aufgerufen hatte. "Man bringt es nur schwer übers Herz, die Milch wegzuschütten", beschreibt Rohlfing und fügt hinzu: "Das sind bei uns 3500 Liter am Tag." Obwohl der Landwirt während des Streikes keinen Cent für seine Milch sieht und zudem die Produktionskosten weiter tragen muss, habe er sich für den Boykott entschieden. "Wir sind verzweifelt und haben einfach keine andere Chance mehr." Der gleichen Meinung ist Wilhelm Hoffmeyer aus Schneeren in der Region Hannover. So gehe es beim Streik nicht einfach nur um eine Gehaltsaufbesserung. "Es geht um unsere nackte Existenz", sagt der 52-Jährige und wendet den Blick auf die Ladefläche eines Transporters, auf der Egon Meyer, BDM-Teamleiter in Nienburg, in ein Megaphon spricht. "Mit dieser Solidarisierungswelle hätten wir nicht gerechnet. Bundesweit haben 60 Prozent der Bauern nicht geliefert. Fünf Molkereien sollen trocken stehen", ruft der Milchbauer. 43 Cent müssten die Erzeuger pro Kilogramm Milch bekommen. Zudem müsse die geplante Erhöhung der Milchquote um zwei Prozent zurückgenommen werden. Auch Heinrich-Jürgen Ebeling, Schaumburger Vertreter des BDM, fordert in einer Resolution unter anderem die flexible Steuerung des Angebotes an Milch, um Übermengen zu vermeiden. "Wir Milchbauern sind umgehend bereit, wieder Milch zu liefern, sobald unsere Forderungen erfüllt werden und die Molkereien einlenken." Dass die "Vernichtung von Lebensmitteln" kein Grund zum Jubeln ist, macht "Frischli"-Geschäftsführer Hans Holtorf deutlich. 13 Prozent seiner Rehburger Lieferanten hätten nicht angeliefert. Dennoch rechnet Holtorf in den nächsten drei Tagen nicht mit Lieferengpässen. "Wir vermarkten nur haltbare Produkte. Unser Lager ist voll." Den Boykott sieht er als falsches Mittel, da auf dieseWeise nicht in die Mechanismen des Marktes eingegriffen werden könne. Während die Bauern weiter streiken, sind in Schaumburg erste Auswirkungen des Milchboykotts zu spüren. So gibt es nach Angaben von Ebeling keine Frischmilch in den Aldi- und Penny-Märkten in Rehren im Auetal mehr.

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