weather-image
24°
×

Gustav Eckermann – ein Hamelner im Ersten Weltkrieg

"Es geht mir gut"

Feldpostkarten und Fotos aus dem Familienalbum erzählen, welchen Weg Gustav Eckermann aus Wehrbergen durch den Krieg nahm.

Von Kerstin Wölckli

veröffentlicht am 11.07.2014 um 10:52 Uhr
aktualisiert am 28.07.2014 um 11:29 Uhr

Bereits vor Kriegsbeginn gehört Gustav Eckermann, dessen Eltern in Wehrbergen einen Gasthof betreiben, dem Hamelner Regiment 164 als Musketier an. Nicht ungewöhnlich für einen 20-Jährigen: Im Kaiserreich bestand Wehrpflicht, anschließend wurden die Soldaten Teil der Reserve. Der Hamelner schreibt Postkarten aus dem Munster- und Sennelager. Bis 1914 aus den Manövern blutiger Ernst wird.
Sein Weg durch den Krieg lässt sich anhand von Feldpostkarten und Fotos zumindest bruchstückhaft rekonstruieren. Gustav stand in regem Austausch mit seinen Eltern und seinen fünf Geschwistern – insbesondere mit seinem Bruder Friedrich, der ebenfalls als Soldat am Ersten Weltkrieg teilnahm. Ein Foto aus dem Sommer 1913, aufgenommen anlässlich der Silberhochzeit seiner Eltern Karoline und Wilhelm, zeigt die Familie noch vereint. Obwohl ein privater Anlass, präsentiert sich Gustav in Uniform. Die militärische Pose war auf Familienfotos dieser Zeit durchaus üblich.
Im Krieg verschlägt es Gustav zunächst mit dem Grenadier-Regiment „Kronprinz“ Nr. 1 nach Polen und Russland. Er wird verwundet. Erhalten sind Postkarten adressiert an Gustav, der sich im Vereins-Lazarett des Deutschen Roten Kreuzes in Danzig und nach seiner Genesung in der Nähe von Königsberg aufhält.
1915 ist Gustav wieder in Hameln. Als Gefreiter des Infanterie-Regiments 164 ist er dem Rekrutendepot (I. Ersatz-Bataillon) zugeordnet. Im Herbst 1915 wird der mittlerweile 23-jährige zum Unteroffizier befördert.
Erst 1916 kommt Gustav wieder mit der Front in Berührung. Diesmal geht es für ihn in den Westen, genauer nach Frankreich und in das „Somme-Gebiet“. Mittlerweile gehört er einer sogenannten Starkstromabteilung (25. Infanterie-Division, 18. Armeekorps) an. Diese sorgt im Kriegsgebiet für Beleuchtung, das Unterstromstellen von Drahtzäunen und die Funktionsfähigkeit von Werkstätten. Im Frühjahr 1917 kommt es zu einer Umstrukturierung der zunächst behelfsmäßig gebildeten Formationen, vielleicht erfolgt deshalb der Wechsel Gustavs im Januar 1917 zur Starkstrom-Abteilung B der 7. Armee. Erkennbar sind die Männer der Starkstrom-Abteilung an einem „K“ in Verbindung mit der Einheitsnummer auf der Schulter, sowie am Blitz auf dem Uniformärmel.
Im Herbst 1917 wird Gustav erneut verwundet. Dadurch gelangt er in das Reserve-Lazarett in Hofgeismar bei Kassel. Im Lazarett ereilen ihn Genesungswünsche der Familie. Anfang 1918 ist der Unteroffizier wieder in Niedersachsen. Er ist stationiert in Munsterlager und Angehöriger der Militärgefängnis-Kompanie 15.
Das Munsterlager war ursprünglich ein Truppenlager zur Ausbildung von Rekruten, im Ersten Weltkrieg jedoch wird das Lager auch für rund 21 000 Kriegsgefangene benutzt. In den ersten Kriegsmonaten ist es eines der größten Gefangenenlager des Reiches. Gustav wird dort als Aufseher eingesetzt. Im Herbst 1918, kurz vor Kriegsende, wird der Hamelner erneut befördert und darf sich Sergeant nennen.
Gustav wird zwar mehrfach verwundet, doch er überlebt den Ersten Weltkrieg.
Fotos zeigen ihn meist im Kreis seiner Kameraden, große Begeisterung für den Krieg jedoch lässt sich aus seinen Feldpostkarten nicht herauslesen. Letztlich ging es beim Schreiben der Karten auch um etwas anderes. Auf dem begrenzten Platz vermittelten die Soldaten, dass es dem Absender gut geht, um dem Adressaten wiederum gute Gesundheit zu wünschen. So zieht sich der Satz „Wie du siehst, geht es mir soweit ganz gut. Hoffe auch dasselbe von dir“ wie ein Leitmotiv durch die Karten von und an Gustav Eckermann. Auf der Bildseite sind häufig Fotografien Gustavs oder seiner Brüder aus ihrem Soldatenalltag zu sehen, die zugleich eine visuelle Bestätigung der Unversehrtheit darstellen.

7 Bilder
Gustav Eckermann posiert mit dem Schellenbaum – ein Foto aus der Zeit beim 164er Regiment. Foto: Bernhard Eckermann


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige