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Ostereierschießen: Mehr als 1500 Oval-Trophäen wechseln die Besitzer

"Es gab keine Verletzten, alle Waffen und Eier sind heil geblieben"

Bückeburg (bus). Unter den zahlreichenösterlichen Brauchtumsangeboten ist den einheimischen Sportschützen das des Ostereierschießens das allerliebste. Die in manchen Vereinen etliche Jahrzehnte zurückreichende Kurzweil hat am Gründonnerstag insgesamt mehr als 1500 Hühnereier die Besitzer wechseln lassen. Unumstrittener Stückzahlenspitzenreiter war der anno 1920 gegründete Schützenverein "Gut Schuß" Scheie, in dessen Reihen für rund 700 Exemplare neue Eigentümer notiert wurden.

veröffentlicht am 25.03.2008 um 00:00 Uhr

Marietta Sauer (zweite von links) stellt beim SWV Jetenburg ihre

Das Ostereierschießen erfreut sich in erster Linie deswegen großer Beliebtheit, weil bei dem Wettbewerb ohne eine erhebliche Portion Glück nicht viel zu holen ist. Am Ende finden sich die meisten Oval-Trophäen nicht im Körbchen des exzellentesten Schützen, sondern bei dem, der den Bund mit Fortuna am dichtesten geknüpft hatte. Mal wird auf verdeckte Scheiben geschossen, mal das Ergebnis per Knobelwurf mitbestimmt, mal kann der Schütze nicht erkennen, ob seine Ringzahl positiv oder negativ zu Buche schlägt. Was verständlicherweise vor allen Dingen die Kandidaten mit den etwas "unruhigeren" Händen aufEier-Pirsch gehen lässt. Das Prinzip findet von Jahr zu Jahr größeren Anklang. In Zeiten, in denen Schützen(zelt)feste mangels Organisationstalent und Innovationsschneid der in ihren Führungspositionen zumeist vornehmlich mit Personal aus der Altersabteilung ausgestatteten Gemeinschaften reihenweise ad acta gelegt werden, herrscht vor den Oster-Scheiben ein Gedränge wie weiland vor den Pilstheken der Festzelte. Und wenn mit dem Osterhasen der Frühlingskollege von Nikolaus und Weihnachtsmann vor der Tür steht, lockt der Raubzug durch das Revier der Hühnerhinterlassenschaften selbst die ansonsten häufig vermisste Jugend auf die Kleinkaliberstände. Von "Gut Schuß", wo das Ostereier-Halali seit einem Dutzend Jahren erklingt, war eigens eine Wertung für jugendliche Teilnehmer organisiert worden. Beim 1919 ins Leben gerufenen SV Röcke brachten Väter ihren knapp zweieinhalb Käse hohen Nachwuchs mit. In Meinsen-Warber freute sich die veranstaltende Kyffhäuserkameradschaft über das fachkompetente Mitwirken der 18-jährigen Thekenkraft Sarah Engelking. "Bei uns machen die älteren Semester heute einen Zurückzieher", gab Kyffhäuserchef Ludwig Pohl zu verstehen, dessen Kollektiv heuer mit Stefan Hönig (Vize-Osterhasenmeister: Mirko Fischer) den zehnten Nachfolger von Erstpokalgewinner Gwendolin Brinkmann kürte. Vollends "nach hinten" los ging derösterliche Glücksschuss im Kreis der seit 1913 existierenden sowie bis vor relativ kurzer Zeit komplett frauenfreien und nach wie vor reichlich nachwuchsresistenten Jetenburger Schützen. Und das, obwohl die auf dem Fenknerschen Stand versammelte Truppe mit einer allein dem Glück geschuldeten Auswertung klar kommen musste. Soll heißen: Das Schießergebnis spielte, was den Schützen zuvor nicht mitgeteilt worden war, in der Endabrechnung überhaupt keine Rolle. "Wir hatten in den zurückliegenden Jahren immer wieder kritische Stimmen über den Austragungsmodus vernehmen müssen", erklärten die Auswerter. Um weiteren Beschwerden aus dem Weg zu gehen, sei die 2008er Reihenfolge komplett per Losverfahren bestimmt worden. Dass die Lostrommel mit Marietta Sauer eine anerkannt guteSchützin und die Vereinskönigin von 2006 als Siegerin bestimmte, rief allerdings sogleich (nicht völlig ernst gemeinte) "Schieber-Rufe" hervor. Die Jetenburger verfügen hierzulande über die größte Erfahrung im Eier-Fight; sie legen seit beinahe vier Jahrzehnten auf österliche Glücksscheiben an. Vereinschef Willi Henrich verdeutliche, was beim Ostereierschießen außer Unterhaltung und Geselligkeit besonders wichtig ist: "Es gab keine Verletzten, alle Waffen und Eier sind heil geblieben."



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