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Die AG Weserbergland der ländlichen Erwachsenenbildung feiert ihr 60-jähriges Bestehen im Breckehof

„Es bestand ein Hunger nach Bildung“

Hameln. Wer in Hameln wohnt, denkt bei ländlicher Erwachsenenbildung (LEB) vielleicht nicht, dass er damit etwas zu tun haben könnte. Mit 60 Mitgliedsgruppen und dementsprechenden Schulungen ihrer Mitglieder hat sich die LEB AG Weserbergland zu einem großen Anbieter der Erwachsenenbildung entwickelt. Vorsitzende Christa Übelacker freute sich, die Europaabgeordnete Gesine Meißner als „Gewächs der LEB“ anlässlich der Feier zum 60-jährigen Bestehen als Gastrednerin im Café Breckehof begrüßen zu dürfen.

veröffentlicht am 11.06.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 14.11.2016 um 16:46 Uhr

U. Truchseß

Autor

Reporterin / Wir von Hier

Vertreterinnen von Arbeitsgruppen stellten ihre Arbeitsschwerpunkte vor, darunter viele Landfrauen, die von Meißner als „deutsche Bildungselite“ bezeichnet wurden. Landfrauen hätten die LEB vor 60 Jahren mitgegründet. In den 50er Jahren ging es der LEB im Raum Hameln um Leseförderung, um Pflegekurse und um die Ausbildung von Gästeführern. Das Bildungsdefizit der Kriegsjahre sollte einer Bürgeremanzipation weichen, damit die Teilnehmer auf dem Arbeitsmarkt eine Chance erhielten. Der niedersächsische Präsident der LEB, Reinhard von Werder, gab in der Feierstunde in Hameln einen kleinen Abriss der Bildungsgeschichte im ländlichen Raum, angefangen von den Klöstern bis zur Rationalisierung und Spezialisierung von Landwirten. „Ein Dorf, das früher von einfacher Handarbeit lebte, ist heute weltweit vernetzt.“ Dadurch gehe die Identität der Dörfer verloren. Die LEB als Bildungsträger habe diesen Wandel begleitet. In pädagogischer Verantwortung kooperieren die Hauptamtlichen mit Ehrenamtlichen. Wichtig sei der Schutz der Umwelt und ihrer Ressourcen, um den Klimawandel zu meistern. Ziel sei es, sicher, gesund und erfolgreich leben zu können.

„Hunger nach Bildung“ entdeckte die Vorsitzende Christa Übelacker in den Programmen der Gründer der LEB. Schon 1954 sei die Frage gestellt worden, wohin sich die Dörfer entwickelten. Damals wurden Praktika für Lehrer auf dem Dorf organisiert. Und Gruppenleiter für Spielkreise wurden ausgebildet. In der Justizvollzugsanstalt leistet die LEB Bildungsarbeit für jugendliche Straftäter, damit diese einen Schulabschluss erwerben können und erarbeitet mit ihnen eine Lebenswegplanung.

Die Hamelner LEB war im September 1954 gegründet worden, die Holzmindener LEB im Januar 1956, deshalb einigte man sich für die gemeinsame Feier der zur AG Weserbergland zusammengeschlossenen LEB auf dieses Jahr. 1988 wurde in Bodenwerder das Kreativzentrum der LEB von Inge Haupt gegründet. Aus wirtschaftlichen Gründen musste es geschlossen werden, wie die Geschäftsführerin der LEB AG Weserbergland und Schaumburg, Anja Franke, und ihre Verwaltungsfachkraft Christina Drummer berichteten. Heute ist die Leseförderung bei der LEB so aktuell wie zur Gründungszeit. Angelika Brandt kümmert sich bei der LEB darum und gewinnt immer wieder Schüler, die ihre jüngeren Mitschüler zum Lesen motivieren in Emmerthal und neuerdings auch in Börry. Und als regionales Grundbildungszentrum des Landes Niedersachsen, für das die LEB AG Weserbergland vom Land Niedersachsen auserwählt wurde, kümmert sie sich um die Aufklärung von Lernpartnern für die Alphabetisierung. Heike Janik unterstützt Angelika Brandt dabei.

Ging es bei der Vorgängerin von Bereichsleiterin Anja Franke, bei Dorothea Rottmann-Heuer, bis 2008 um die Ausbildung von Altenpflegehelferinnen und Gästeführerinnen und um die Qualifizierung von Tagesmüttern und Personen für die häusliche Pflege von Kindern, Senioren und Behinderten, so hat sich das Aufgabenfeld seit der Geschäftsübernahme von Anja Franke im Jahr 2009 grundlegend verändert. Sie erlebt den Konkurrenzdruck der Bildungsträger und musste einen Strukturwandel einleiten. „Dafür waren einige Mitgliedsgruppen offen, andere eher verschlossen“, wie sie bei der Feier erläuterte. Qualitätsmanagement, Zertifizierung, Wissensmanagement und Transparenz, doppelte Buchführung und die Optimierung der Kommunikationsstrukturen sind ihre Aufgabenfelder.

Stellvertretend für die 60 Mitgliedsvereine stellten Vertreter einiger Vereine ihre Projekte vor. Marianne Oerke von den Landfrauen Ottenstein dankt für die Unterstützung seitens der LEB. Marie-Luise Lages (stellvertretende Vorsitzende der LEB AG) und Erzieherin aus Bodenwerder erhält Hilfe von der LEB für die pädagogische Begleitung der Erzieherinnen. Rainer Sander (Vizevorsitzender der LEB AG und stellvertretender Geschäftsführer des Kreisverbandes des Landvolkes) kümmert sich um PC-Weiterbildung. Anita Brünig, Landfrau aus Halle, bildet seit 1998 dank der LEB Gästeführerinnen aus. Anke Eichler führt Gesprächskreise und leitet eine Malgruppe für Frauen in Trennung im Frauenzentrum Hameln. Erika Klindworth, Kreisvorsitzende der Landfrauen Holzminden, dankt der LEB für die Unterstützung der offenen Gärten. Susanne Conrad-Meyer, präsentiert die Landfrauen Coppenbrügge, die dank der LEB das Familienzentrum Evfa in Coppenbrügge gegründet haben. Christina Thoma, bietet für die LEB und die AWO Yogakurse, Entspannungskurse und Gedächtnistraining an. Auch die Öffentlichkeitsarbeit vom NABU wird von der LEB gefördert, ebenso wie Gesundheitskurse der DRK und naturheilkundliche Bildungsangebote der Kneipp-Vereine. Angeboten werden von der LEB Motivationskurse für Landfrauen und Ehefrauen von Handwerkern. Für die Betreuung von psychisch Kranken und Behinderten werden seit 20 Jahren, unterstützt von der LEB, Ehrenamtliche geschult. Für ihre soziokulturelle Arbeit werden die Sumpfblume und Radio Aktiv von der LEB unterstützt. Und die Kultur in der Natur wird von der LEB gefördert, dazu gehört beispielsweise die Freilichtbühne Osterwald. Auch Selbsthilfegruppen (bei Krebs und für psychisch Kranke in der Brücke) werden gefördert. Gemeinsam lernen und sinnvoll leben, lautet das Motto der LEB, die bei ihrer Feier der AG Weserbergland allen Partner ausdrücklich dankte.



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