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Deutschlandweite Generalprobe für Jugendschutz an Zigarettenautomaten / Umstellung zum 1. Januar nächsten Jahres

Erster Automat scharf gestellt: "Karte rein, Kippen raus"

Landkreis (tes). Das Jahr 2007 beginnt nach Aussagen der Tabakindustrie für 18 Millionen Raucher mit einem "Jahrhundertereignis": Alle 500 000 Zigarettenautomaten in Deutschland werden mit einer elektronischen Sperre ausgerüstet. Diese soll Jugendliche unter 16 Jahren vom Rauchen abhalten. Der erste "scharf gestellte" Zigarettenautomat steht im Schaumburger Land, nämlich in Bad Nenndorf. Gestern fand hier die Generalprobe statt - unter dem Motto "Karte rein, Packung raus".

veröffentlicht am 05.10.2006 um 00:00 Uhr

Ausgerechnet der an einem Weltnichtrauchertag geborene 15-jährige Chris Kupfer machte mit seiner EC-Karte den Erstversuch. Vergebens: Der Automat verweigerte die Herausgabe - Altersfreigabe nicht bestanden. Angela Barkow und Mario Consentino, geschäftsführende Gesellschafter der Tabakwarenunion Barkow, erklärten stellvertretend für den Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller (BDTA) das neue System. "Raucher müssen sich umgewöhnen", sagte Barkow. "Es reicht nicht mehr, vier Euro einzuwerfen. Wer eine Packung Zigaretten ziehen will, benötigt eine EC-Karte mit dem goldfarbenen GeldKarte-Chip und Jugendschutzmerkmal." Erst wenn der Automat erkenne: "Käufer alt genug", spucke er die Zigaretten aus. Alle Raucher müssten nun prüfen, ob sie den Chip auf ihrer EC-Karte haben, betonte Reinhard Schreeck, Vorstand der Volksbank in Schaumburg. Sein Institut biete diesen Service kostenlos. Aber nicht alle Kreditinstitute ziehen mit: Bisher haben sich Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, comdirect, Postbank und Hypovereinsbank der Aktion angeschlossen. Hintergrund: Am 1. April 2003 ist die entsprechende Novelle des Jugendschutzgesetzes in Kraft getreten. Für Tabakwaren gilt: kein Verkauf von Zigaretten an Jugendliche unter 16 Jahren. Im Einzelhandel soll das Verkaufspersonal dafür sorgen, dass die Vorgabe umgesetzt wird. Mit dem Jugendschutzmerkmal auf der EC-Karte verfügen jetzt auch Automaten über ein Kontrollinstrument. "Minderjährige Kontoinhaber müssen bei ihrer Bank mit der Unterschrift ihrer Eltern beantragen, dass ihr Geburtsdatum verschlüsselt auf dem Chip eingetragen werden darf", erklärte Schreeck. Weitere personenbezogenen Informationen werden nicht gespeichert. Das Verfahren ist anonymisiert und vom Landesbeauftragten fürDatenschutz anerkannt. In die Umstellung der deutschlandweit 500 000 Automaten haben die Mitglieder des BDTA rund 300 Millionen Euro investiert. Etwa 23 Prozent der 96,9 Milliarden verkauften Fabrikzigaretten wurden 2005 an Automaten gezogen. "Jugendliche sind nicht unsere Zielgruppe", betonte Barkow. Die BDTA-Mitglieder hätten sich bereits 1997 mit einer freiwilligen Selbstbeschränkung zur Verantwortung für den Jugendschutz bekannt und 15 000 Automaten im Umfeld von Schulen und Jugendzentren ersatzlos abgebaut. "Kein Zuckerschlecken" für ihren mittelständischen Betrieb mit 84 Mitarbeitern, so Barkow. Schreeck und Barkow raten allen Rauchern, sich zu informieren, ob ihre EC-Karte das Jugendschutzmerkmal bietet: "Wir wollen nicht, dass die Kunden mit einem Wutanfall ins neue Jahr starten, weil sie nicht wissen, dass die Sperren scharf gestellt sind."

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