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Forscher werten Gesteinsproben von Mond-Mission aus – und finden viel mehr Wasser als gedacht

Erstaunliche Erkenntnisse nach 39 Jahren

Washington. Seit 39 Jahren sind die Gesteinsproben auf der Erde. Dank moderner Untersuchungstechniken lieferten sie jetzt eine überraschende Erkenntnis: Auf dem Mond gibt es viel mehr Wasser als bisher angenommen. Laut einer Studie, die jetzt in der Internetausgabe des US-Wissenschaftsmagazins „Science“ veröffentlicht wurde, sind die Wasservorkommen im Inneren des Erdtrabanten sogar 100 Mal größer als gedacht. US-Forscher hatten dazu Proben von Mondgestein vom bis heute letzten bemannten Flug zum Mond der „Apollo 17“ im Jahr 1972 untersucht.

veröffentlicht am 29.05.2011 um 17:05 Uhr

Der Mond, den die Astronauten der Apollo 17 per Mondfahrzeug erkundeten, ist nur auf den ersten Blick staubtrocken. Foto: Nasa

Autor:

Thomas Dieckmann

Mit einem hochempfindlichen Messinstrument untersuchten die Forscher kleine Stücke geschmolzenen Mondgesteins von der „Apollo 17“-Mission. „Diese Proben bieten uns den bisher besten Blick auf den Wasseranteil im Inneren des Mondes“, erklärte der Geologie-Professor James Van Orman. Und dabei seien sich der Mond und die Erde „ziemlich ähnlich“.

So fanden die Forscher im Magma der Mondgesteinsproben ähnliche Konzentrationen von Wasser und Elementen wie Fluor, Chlor und Schwefel wie in Proben vom Meeresgrund auf der Erde.

Bereits 2008 war demselben Forscherteam von der Case Western Reserve University in Cleveland, der Carnegie Institution for Science in Washington und der Brown University in Providence im US-Bundesstaat Rhode Island der erste Nachweis von Wasser auf dem Mond gelungen. Sie hatten damals vulkanisches Glas vom Mond untersucht, das ebenfalls von den Astronauten der „Apollo“-Missionen zur Erde mitgebracht worden war, und dabei kleine Mengen Wasser entdeckt. Daraufhin stellten sie erstmalig die These auf, dass das Magma-Gestein des Mondes genauso viel Wasser enthalten könnte wie die Erdkruste. „Jetzt haben wir bewiesen, dass das zutrifft“, sagte der Co-Autor Alberto Saal.

Sein Kollege Erik Hauri von der Carnegie Institution for Science in Washington fügte hinzu, Wasser spiele „eine wesentliche Rolle“, um die tektonische Aktivität an der Oberfläche von Himmelskörpern sowie die Art ihrer Vulkanausbrüche zu bestimmen.

Im November 2009 hatte die US-Raumfahrtbehörde Nasa erstmals gefrorenes Wasser am Südpol des Mondes entdeckt. Vier Monate später gab sie auch die Entdeckung bedeutender Wasservorkommen am Nordpol des Erdtrabanten bekannt. Mit diesen spektakulären Entdeckungen wurde die bis dahin verbreitete Vorstellung eines staubtrockenen Mondes endgültig widerlegt.

Die neue Studie zu den Wasservorkommen des Mondes untermauert den Forschern zufolge die These, dass Erde und Mond gleichen Ursprungs sind. Zugleich stellt sie aber die bis heute gängige Vorstellung von der Entstehung des Mondes in Frage. Nach der Theorie aus den 70er Jahren wurde der Mond vor 4,5 Milliarden Jahren aus der Erde herausgeschlagen, als diese mit einem anderen Himmelskörper kollidierte. Durch die dabei entstandene gewaltige Hitze wäre das gesamte Wasser des Mondes verdampft. Die neuen Forschungsergebnisse zeigten, dass Teile dieser Theorie neu bewertet werden müssen, heißt es in der Studie.

110 Kilo Mondgestein sammelten die Astronauten der Apollo 17 im Jahr 1972. Jetzt kamen Wissenschaftler anhand eines Teils dieser Proben zu Erkenntnissen, die die bisherige Theorie zur Entstehung des Erdtrabanten ins Wanken bringen.



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