weather-image
23°

Minderjährige und Alkohol: Bei Weihnachtsfeiern stehen die Organisatoren in der Pflicht

Erst "harte Sachen" - dann der Krankenwagen

Stadthagen (jl). Wer ist verantwortlich, wenn bei der Weihnachtsfeier eines Vereins ein minderjähriger Teilnehmer mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus muss? Ein aktueller Vorfall dieser Art in einer Gaststätte im Landkreis Schaumburg war Anlass, dieser Frage nachzugehen.

veröffentlicht am 22.12.2008 um 00:00 Uhr

Wenn Jugendliche bei Feiern zur Flasche mit Hochprozentigem grei

Der aktuelle Fall: Irgendwo im Schaumburger Land trifft sich ein Sportverein in einer Gaststätte zur jährlichen Weihnachtsfeier. An den Tischen sitzen Sportler aus allen Sparten. Dabei sind auch Jungsportler, die für den Genuss von Alkohol noch zu jung sind. 15 Jahre jung und weiblichen Geschlechts, wie in unserem Fall. Die Jugendliche nutzt die Gunst der Stunde, die darin besteht, dass an diesem Abend immer wieder "harte" Spirituosen auf dem Tisch stehen. Sie langt zu - bis der Krankenwagen gerufen werden muss: Alkoholvergiftung. Nach einem Tag stationärer Behandlung im Krankenhaus ist die Jungzecherin wieder auf den Beinen. Schon mit dem Abrücken des Krankenwagens beginnen Gespräche über Verantwortlichkeiten und über Schuld - wenig später tritt ein Rechtsanwalt auf den Plan. Abstrakt mit diesem Pro blem konfrontiert, hat der Präventionsbeauftragte der Stadthäger Polizei, Axel Bergmann, auf die Rechtslage in solchen und ähnlichen Situationen hingewiesen: Wenn Jugendliche allein, ohne Begleitung Erwachsener, eine Gaststätte besuchen und sich berauschen, "ist der Wirt verantwortlich". Wenn der Alkoholkonsum mit allen Risiken und Nebenwirkungen während einer Vereinsfeier passiere, dann sei der Vereinsvorsitzende, der Spartenleiter, der Trainer oder wer auch immer die Feier organisiert, verantwortlich. Diese Personen haben gemäß Bergmanns Darlegungen eine "Garantenstellung". Sie hätten die Pflicht, von den Vereinsmitgliedern Schaden abzuwenden -"auch wenn sie gar nicht dazu können", dass ein konkreter Fall eintrete. Der Polizeisprecher verwies in diesem Zusammenhang auf den Paragrafen 13 des Strafgesetzbuches. Darin sei eine besondere Verantwortlichkeit für diesen Personenkreis geregelt, der auch dann zur Rechenschaft gezogen werden könne, wenn er bei einem Schadensereignis nicht eingegriffen habe. Handeln durch Unterlassen nennt das der Gesetzgeber, im Volksmund auch als unterlassene Hilfeleistung bekannt. Die Garantenstellung haben nicht nur Vereinsvorsitzende, Abteilungsleiter und andere bei Weihnachtsfeiern oder anderen Geselligkeiten. Die Pflicht, Schaden abzuwehren, haben auch Lehrer, Kindergärtnerinnen sowie andere Personen, denen Kinder und Jugendliche anvertraut werden. Alkoholmissbrauch durch Kinder und Jugendliche sollübrigens im kommenden Jahr zu einem der wichtigsten Arbeitsfelder der Stadthäger Polizei werden. Nach Bergmanns Andeutungen sind gemeinsame Aktionen von örtlichen Ordnungshütern und dem Kreisjugendamt in Vorbereitung.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?