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Sprach- und Orientierungskurs macht ausländische Frauen und Mütter fit für Einkauf und Jobsuche

Erst die Alltagssituation, dann die Grammatik

Bückeburg (mig). Deutsch für den Hausgebrauch: Acht Frauen aus dem Kosovo, Thailand und der Türkei nehmen derzeit am "Sprach- und Orientierungskurs" der katholischen Kirchengemeinde St. Marien teil. Gemeinsam mit Leiterin Sigrid Bürger werden vor allem Alltagssituationen eingeübt.

veröffentlicht am 09.05.2007 um 00:00 Uhr

Die Frauen kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern (Türkei, Ko

Für die Praxis fit gemacht werden die Frauen mit Rollenspielen und Vokabeln, weniger Wert legt die Lehrerin auf grammatikalische Konstruktionen. "Wir üben beispielsweise eine Wohnungssuche, Einkaufen, Uhrablesen oder eine Vorstellung. Die Teilnehmer sollen hier etwas bekommen, dass ihnen ganz konkret im Alltag nutzt", erläutert Sigrid Bürger das Konzept. Gegründet wurde der Kurs, der seit dem 5. Oktober letzten Jahres läuft und drei Einheiten umfasst, von der Caritas Bückeburg und dem Kindergarten der Kirchengemeinde St. Marien. Ein Grund für deren Initiative ist der relativ hohe Ausländeranteil unter den Kindern (immerhin rund 25 Prozent). Die Überlegung: Je häufiger innerhalb der Familie deutsch gesprochen wird, desto besser für die Kinder. Um möglichst viele Interessenten zu erreichen, wird deshalb ganz konkret auf die Bedürfnisse der Mütter eingegangen. "Die Termine und Zeiten sind so geplant, dass sie die familiären Belange berücksichtigen. Sind noch Kleinkinder zu versorgen, können diese mitgebracht werden", schreiben Erika Münster, Vorsitzende der Caritas-Konferenz und Dorothea Andratschke, Leiterin des Kindergartens in einer Ankündigung. Ebenfalls wichtig für den Kurserfolg: das Schaffen eines geschützten Raumes. Hier können sich die Frauen untereinander austauschen, ohne Angst haben zu müssen, von Männern ausgelacht zu werden. "Viele haben sonst Angst, etwas zu sagen. Weil hier aber nur Frauen sind, fühlen sie sich wohler und trauen sich mehr zu", berichtet Sigrid Bürger. Die Gründe für die Teilnahme der Frauen sind vielfältig. Eine Kosovarin betont: "Ich lebe in Deutschland und möchte deshalb auch die Sprache hier lernen. Ohne Sprache bleibt man fremd." Ein weiteres Motiv ist die Suche nach einer Arbeitsstelle, die sich ohne Deutschkenntnisse schwierig gestaltet. Eine Türkin hat den Kurs auch wegen ihrer Kinder angefangen: "Ich möchte ihnen beibringen, wie man richtig deutsch spricht." Demnächst wird die Gruppe konkrete Erfahrungen in der Stadt sammeln, geplant sind eine Führung und Einkaufen auf dem Markt. Wer sich für den Sprach- und Orientierungskurs interessiert, kann mit dem katholischen Pfarramt Kontakt aufnehmen. Die Gebühr beträgt 25 Euro, ein großer Teil der Kosten wird von der bischöflichen Stiftung in Hildesheim übernommen.



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