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"Brenntage" in der Diskussion: Feuer machen will gelernt sein / Polizeiäußert Bedenken

Erneute Klagenüber Qualm und Gestank

Rinteln (wm). Vor zwei Jahren hat die Stadt Rinteln die so genannten Brenntage von ursprünglich zwei auf 16 Tage im Jahr - verteilt auf Frühjahr und Herbst - ausgeweitet; damals ein einsamer Beschluss des Verwaltungsausschusses, der nicht mehr im Rat diskutiert worden ist.

veröffentlicht am 18.10.2006 um 00:00 Uhr

Gartenabfälle verbrennen oder nicht - das ist ein Thema, das Bürger polarisiert. Am ersten Brenntag in diesem Herbst, Anfang Oktober, hat es geregnet - für viele Grünlandeigner kein Hindernis, trotzdem ein Feuer anzustecken mit dem Ergebnis, dass ganze Dörfern "eingenebelt" worden sind. Grund genug für Bürger, erbost zum Telefon zu greifen. Jeden Brenntag registriert auch die Messstation an der Burgfeldsweide, dann steigen die Feinstaubwerte in Rinteln dramatisch an. Die Polizei habe durch Kontrollen die Erfahrung machen müssen, schilderte Rintels Polizeichef Gerhard Bogorinsky, dass Bürger nicht nur, wie erlaubt, Gartenabfall verbrennen. Die Versuchung sei wohl zu groß, auch anderen Müll mal schnell im Feuer los zu werden. Ein weiteres Problem sei die Verkehrsgefährdung durch starke Rauchentwicklung. In Steinbergen habe die Polizei am letzten Freitag deshalb an der Bundesstraße einschreiten müssen. Wie Anrufe von Bürgern ergeben, halten sich viele, die Feuer machen, nicht an die Zeiten: Flammen lodern noch nach 18 Uhr, und der geforderte Mindestabstand zwischen Brandstelle und Häusern ist oft reine Theorie. Dabei riskiert, wer sich nicht an die Regeln hält, eine Geldbuße und - sollte er Material verbrennen, das nachhaltig die Umwelt schädigt - sogar eine Strafanzeige. Auf den Dörfern argumentieren die meisten Verwaltungsstellenleiter für die Brenntage. Brenntage, da sind sich Dieter Budde (Goldbeck) wie Norbert Drewnitzky (Hohenrode) stellvertretend für alle Dörfler einig, seien auf dem Land unverzichtbar, weil dort die meisten noch große Gärten haben, wo mehr anfällt, als man problemlos auf den Kompostplatz wegschaffen könne. Und Kartoffelkraut beispielsweise, merkte Budde an, ließe sich ja auch schlecht für die Müllabfuhr am Straßenrand bündeln. Dass es in den Dörfern häufiger nach Rauch rieche als früher, dafür sieht Norbert Drewnitzky noch eine ganz andere Ursache: Seit Öl wie Gas immer teurer werde, heizten viele Bürger wieder mit Holz. Wenn es nach der Polizei gehe, sagt Polizeichef Bogorinsky offen, sollte man die Brenntage wieder abschaffen, denn es gebe genug Alternativen, Grünabfall sauberer und gefahrloser zu entsorgen - wie etwa im Landkreis Hameln-Pyrmont, wo es keine Brenntage gibt. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft Schaumburg (AWS) bietet die entsprechenden Alternativen an (siehe "Fakten"). AWS-Beraterin Cornelia Laasch erläuterte in einem Telefongespräch, unabhängig von den Brenntagen werde der Kompostplatz am Doktorseeweg gut genutzt: Seit Jahren liege die Menge des dort abgelieferten Grünschnitts konstant bei knapp 2000 Tonnen im Jahr. Ein Blick ins Internet zeigt, dass viele Städte einst eingeführte Brenntage wieder abschaffen. Beispiel Salzgitter. Hier führten massive Beschwerden von Bürgern zu diesem Entschluss, weil ganze Stadtteile stundenlang unter Rauchschwaden gelegen haben.

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