weather-image
Interview mit Klaus-Dieter Drewes, neuer Vorsitzender der CDU Schaumburg

Erneute Kandidatur wichtige Option

Landkreis. Vor wenigen Tagen ist der Hagenburger Klaus-Dieter Drewes (49) zum neuen Vorsitzenden der CDU Schaumburg gewählt worden. Der Ex-Landratskandidat, der auch ein Mandat im Kreistag hat, tritt die Nachfolge von Burkhard Balz an. Wie Drewes die aktuelle Lage im Kreisverband der Union analysiert, welchen Kurs er einschlagen und was für Akzente er dabei persönlich setzen will, das verrät er im Interview.

veröffentlicht am 10.11.2006 um 00:00 Uhr

Herr Drewes, in jüngerer Zeit war im Blick auf die Kreis-CDU viel von Grabenkämpfen die Rede. Welche Diagnose haben Sie, der Sie als neuer Chef Brückenbauer sein wollen. Die Vorgeschichte ist mir natürlich bekannt. Die muss ich auch kennen, wenn ich an den Stellen kitten will, wo wir noch nicht Seite an Seite stehen. Ich gehe aber davon aus, dass es gegenwärtig überhaupt nicht viele Spannungen gibt. Es werden vielmehr wiederholt alte Geschichten erzählt, die gar nicht mehr aktuell sind. Öfter gab es Spannungen gerade mit der Rintelner CDU. Wie wollen sie diesen Ortsverband konkret einbinden? Zunächst: Ich selber habe im Landratswahlkampf diese Spannungen nie gespürt. Die Rintelner haben mich bestens unterstützt. Auch auf dem Kreisparteitag sind sie mir gegenüber sehr positiv aufgetreten. Also: Der Rintelner Stadtverband ist ein ganz wichtiger Gesprächspartner. Er ist mit drei Personen im Kreisvorstand gut vertreten. Wir werden eine ganz normale Zusammenarbeit möglich machen. Wo werden Sie im Stil der Parteiführung andere Akzente setzen als Ihr Vorgänger? Jeder hat seinen eigenen Stil. Die mich kennen, wissen, dass ich sehr stark auf den zwischenmenschlichen Kontakt achte. Mein Markenzeichen wird also sein, dass ich zu allen in der Kreispartei einen vernünftigen Kontakt aufbaue. In den innerparteilichen Diskussionen beabsichtige ich, die Äußerung aller Meinungen zuzulassen. Ich will eine gute interne Debattenkultur. Dadurch steht auch ein Mehrheitsbeschluss im Zweifel dann auf breiter Grundlage und man kann ihn effektiv nach außen vertreten. Und ich beabsichtige eine offensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu machen, darauf ist in den vergangenen Jahren nicht so stark Gewicht gelegt worden. Die SPD hat ihre strukturell sowieso schon starke Stellung in Schaumburg bei der jüngsten Kommunalwahl noch mal bekräftigt. Mit welchen Mitteln wollen Sie mit der CDU in nächster Zeit punkten? Wir müssen auf eine schärfere inhaltliche Profilierung der CDU hinarbeiten. Bei den wichtigen regionalen Themen werden wir uns konkreter positionieren und sehr deutlich machen, wo unsere Differenzierungen zur SPD liegen. Etwa in der Wirtschafts-, der Finanz- oder auch der Sozialpolitk. Nur so können wir punkten. Der Wähler will ganz konkret wissen, warum er hier in Schaumburg CDU wählen soll. Wie sehen Sie das Verhältnis von Partei und Kreistagsfraktion? Ich strebe eine enge Abstimmung an. Dazu kann aus meiner Sicht die Vorsitzenden-Konferenz, in der die Chefs aller Ortsverbände zusammen mit der Fraktionsspitze tagen, ein gutes Instrument sein. Da kann man gemeinsame Konzepte entwickeln, die Politik der Fraktion auf breite Füße stellen. Die Kreispolitik der Union ist seit Jahren sehr auf Konsensbildung mit SPD/FDP-Mehrheit und Kreisverwaltung ausgerichtet. Wäre da nicht ein Stück mehr Opposition angezeigt? Wenn bei einem Thema die Richtung der Mehrheit fachlich sinnvoll ist, bringt es auch nach meinerÜberzeugung nichts, künstlich eine Kontroverse aufzubauen. Dann tragen wir die sinnvolle Linie mit. Und ich bin auch durchaus ein Freund von Kompromissen. Doch jetzt kommt das Aber: Wichtig ist, dass wir stets sehr profiliert deutlich machen, wenn wir andere oder abweichende Meinungen haben. Oderaus welchen Gründen genau wir eine gemeinsame Linie mittragen. Die Wählerinnen und Wähler müssen unser CDU-Profil erkennen, unsere Partei muss die Richtung der Kreispolitik vermitteln. Kurzum: Ich sehe bei der Vermittlung unserer Politik nach außen noch erhebliche Potenziale. Die nächste Landratswahl ist im Jahr 2011. Wann sollte die CDU ihren Kandidaten präsentieren - und stehen Sie erneut zur Verfügung? Zum ersten: Das sollten wir ein bis eineinhalb Jahre vor der Wahl machen. So lange sollte ein Kandidat schon Zeit bekommen, sich persönlich und fachlich den Schaumburgern zu präsentieren. Zum zweiten: Ich kann mir das durchaus vorstellen. Es ist für mich derzeit eine wichtige Option. Ausschließen will ich das keinesfalls. Die Zukunft wird es zeigen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare