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Limonade getrunken: Chemiefacharbeiter starb vor einem Jahr an einer Zyanidvergiftung

Ermittlungen zum Mindener Giftmord ruhen

Minden (mt). Auch ein Jahr nach dem Tod eines Chemiefacharbeiters in Minden durch vergiftete Limonade hat die Polizei noch keine verwertbaren Hinweise. Demnächst gibt sie die Ermittlungsakten an die Staatsanwaltschaft in Bielefeld ab.

veröffentlicht am 04.01.2008 um 00:00 Uhr

In der Nacht zum 19. Dezember 2006 ereignete sich der Todesfall in einem Aufenthaltsraum der BASF. Ein 44-jähriger Chemiefacharbeiter hatte aus dem Kühlschrank eine Flasche mit Limonade genommen und davon getrunken. Gegenüber seinen Kollegen bekundete er noch, dass das Getränk merkwürdig schmecke. Dann brach er zusammen und starb kurze Zeit später. Bei der Obduktion der Leiche und der Analyse des Getränks stellte sich heraus, dass der Chemiefacharbeiter aus Lahde an einer Zyanidvergiftung gestorben war. Die Substanz hatte sich in seinem Getränk in Blausäure verwandelt. Auch in einer weiteren Flasche aus dem Kühlschrank wurde Zyanid gefunden. Als zwei Beamte sie im Zuge der Ermittlungen öffneten, vergifteten sie sich durch Einatmen der Dämpfe und mussten ärztlich behandelt werden. Mehr als 350 Personen hatte die Mordkommission unter dem bezeichnenden Namen "Kühlschrank" vernommen, ohne dass ein Tatverdächtiger gefunden wurde. Auf den Kollegen- und Bekanntenkreis des Opfers konzentrierten sich dabei die Ermittlungen. Zunächst wurde die Mindener Polizei durch Kräfte aus Bielefeld unterstützt, so dass anfangs 15 Beamte rund um die Uhr im Einsatz waren. Obwohl die Polizei mehr als 200 Speichelproben nahm und DNA-Analysen von Material der Limoflaschen durchgeführt wurden, fanden sich keine weiteren Hinweise. So zog die Mordkommission "Kühlschrank" im Frühjahr nach Bielefeld um. Nach Auskunft der Pressestelle der Polizei in Bielefeld seien in der zweiten Jahrshälfte vereinzelt noch Hinweise eingegangen. Doch auch diese Angaben hatten keine Wendung in dem Fall ergeben, so dass die Ermittlungen mittlerweile ruhen. Während sich der Täter auf freiem Fuß befindet, gibt die Polizei im kommenden Januar die Akten an die Staatsanwaltschaft ab. Dort kann der Fall jederzeit wieder aufgerollt werden - sollte es doch noch eine heiße Spur zum Giftmörder geben.

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