weather-image
Niedersachsen sagt verlorenen Zuschuss in Höhe von 500 000 Euro zu / Gesellschafter müssen den Rest aufbringen

"Erlebniswelt" braucht noch einmal eine Million Euro

Weserbergland (ni). Die Erlebniswelt Renaissance (EWR) pfeift elf Monate nach ihrer Eröffnung aus dem letzten Loch. Ohne eine neuerliche Finanzspritze in Höhe von einer Million Euro "hat das Projekt keine Überlebens-chance". Mit dieser Hiobsbotschaft konfrontierte Hameln-Pyrmonts Landrat und EWR-Aufsichtsratsvorsitzender Rüdiger Butte gestern den Hameln-Pyrmonter Kreistag - und überzeugte die versammelten Politiker, noch einmal 300 000 Euro aus Kreismitteln in die Rettung der EWR zu stecken. 500 000 Euro erwartet man vom Land Niedersachsen, 200 000 Euro von den Landkreisen Schaumburg und Holzminden als Mitgesellschafter der EWR GmbH.

veröffentlicht am 19.07.2006 um 00:00 Uhr

Burkhard Borst hat denÜberblick über das gehortete Werbematerial

Es ist ruhig geworden um die Erlebniswelt Renaissance. Zu ruhig. Geschäftsführer Thomas Gersmeier würde das Dilemma gern erklären, "ohne immer wieder das gleiche zu erzählen", aber es gibt keine neue Begründung dafür, dass die Besucher ausbleiben: Der vermaledeite E-Guider, ohne den die Hightech-Inszenierung von Geschichte in Geschichten nun mal nicht läuft, funktioniert immer noch nicht. Weil er nicht funktioniert, "können wir nicht in die Werbung einsteigen", und ohne Werbung bleiben die Besucher weg. So einfach ist das - und so dramatisch für das Projekt, das sich jetzt seit fast einem Jahr mühsam dahinschleppt; das nur mit Bürgschaften ihrer Gesellschafter bis zum heutigen Tag am Leben gehalten werden konnte; und das jetzt seinen Bankrott erklären müsste, wenn Land und Gesellschafter nicht noch mal tief in die Tasche greifen. "Die Zuwächse bei den Besucherzahlen reichen bei weitem nicht, um zu überleben", so Butte. 11 500 Gäste waren es von September bis Januar, ganze 1850 von Februar bis Ende April. Im Mai und Juni deutete sich ein leichter Aufwärtstrend an - mit immerhin knapp 2700 Besuchern, trotz der schon vor Monaten eingestellten Werbung. Unterm Strich bedeutet das einen Umsatzverlust in Höhe von 800 000 Euro gegenüber den Planzahlen. Weil der Aufsichtsrat vor dieser Entwicklung weder die Augen verschließen konnte, noch sich von Monat zu Monat weiterhangeln und am Ende auf ein Desaster zusteuern wollte, habe man Nägel mit Köpfen gemacht, so Butte. Gemeinsam mit der Weserbergland AG wurde ein Masterplan ausgearbeitet, "mit Zahlen, die in 2006 und bis Ende 2007 bei realistischer Einschätzung noch zu erreichen sind"; nämlich 12 000 Besucher in diesem, 50 000 im nächsten Jahr "unter der Voraussetzung, dass die Technik Ende August endlich steht". Der Finanzbedarf nach diesem Masterplan: eine Million Euro, und damit eine Summe, "die die Gesellschafter allein nicht wuppen können", sagt Butte. Also habe er sich in seiner Funktion als EWR-Aufsichtsratsvorsitzender mit dem Papier auf den Weg nach Hannover gemacht und im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium um Hilfe gebeten. Die sei ihm zugesagt worden. Nachdem sich das Land mit erheblichem finanziellen Engagement als Geburtshelfer der Erlebniswelt betätigt hat, sieht es sich jetzt offenbar in der Pflicht, seinem touristischen Prestigeprojekt auch beim Laufenlernen unter die Arme zu greifen. Montag kam die schriftliche Zusage des Wirtschaftsministeriums für einen "verlorenen Zuschuss" in Höhe von 500 000 Euro, geknüpft an die Bedingung, dass die drei EWR-Gesellschafter es schaffen, die andere Hälfte der benötigten Million aufzubringen. Mit dem gestrigen Kreistagsbeschluss hat der Landkreis Hameln-Pyrmont signalisiert, entsprechend seiner Beteiligung von 60 Prozent an der GmbH auch 60 Prozent der erforderlichen Summe beizusteuern. Die Entscheidungen von Schaumburg (über 125 000 Euro) und Holzminden (75 000 Euro) stehen noch aus. Butte gibt sich optimistisch, dass beide Gesellschafter mitspielen werden. Die Alternative hieße nämlich nicht nur, das Projekt Erlebniswelt zu begraben, sondern auch "vor den Banken für übernommene Bürgschaften in Höhe von drei Millionen Euro gerade zu stehen", so Butte.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare