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Beeindruckendes im Arensburger Schloss

Erhellendesüber eine gespaltene Persönlichkeit

Bad Eilsen/Steinbergen (sig). Der Vollmond hing klar umrissen am dunklen Nachthimmel, sein Licht wirkte kalt und fahl. Auf den Stufen zum Arensburger Schloss flackerten zahlreiche Windlichter - die ganze Atmosphäre wirkte durchaus mystisch. Und das sollte sie wohl auch beim jüngsten "Literaischen Kabinett" hinter den geschichts trächtigen Mauern jener Burganlage aus dem 16. Jahrhundert.

veröffentlicht am 12.10.2006 um 00:00 Uhr

Friedrich Winkelhake schlüpft in Rolle des Schriftstellers Hanns

Schlossherr Dieter Kindermann hatte die Türen öffnen lassen für eine Veranstaltung des Heimat- und Kulturvereins Bad Eilsen. Ursprünglich sollte es an gleicher Stelle eine Walpurgisnacht geben, aber ein Wasserrohrbruch hatte einen Strich durch diese Pläne gemacht. Der Gastgeber versprach, nach Abschluss der Renovierungsarbeiten dem Heimat- und Kulturverein die Chance zu einer solchen oder ähnlichen Veranstaltung zu bieten. Der Vereinschef Friedrich Winkelhake wollte diesen Abend einem Autoren widmen, der bei seinen Zeitgenossen zwiespältige Erinnerungen hinterließ. Er hieß Hanns-Heinz Ewers, weilte häufig als Kurgast in Bad Eilsen und hinterließ neben Reisebeschreibungen, Gedichten, Kinder- und Jugendliteratur auch etliche fast unwirklich und gruselig wirkende Geschichten. Dieser Mann war eine schwierig zu analysierende Persönlichkeit. In seiner Jugendzeit hatte er Probleme mit den Lehrern, las mit 16 Jahren Kant und Nietzsche und sammelte später fleißig amouröse Abenteuer. "Ich bin ein Kerl, der einen schlechten Ruf hat, und ein schlechter Schüler, der viel geschwänzt hat", sagte Hanns-Heinz Ewers von sich selbst. Nach einer Einleitung durch den Luhdener Seelsorger Lutz Gräber kündigte dieser an, Ewers werde persönlich erscheinen. Von diesem Augenblick an war klar: Friedrich Winkelhake wollte auch optisch in die Figur des Schriftstellers schlüpfen. Und deshalb sprach er seine Texte in der Ich-Form. Einiges entstammte dem Tagebuch des Autors, der sehr früh der NSDAP beigetreten war und schnell die wichtigsten Nazigrößen kennen lernte. Trotzdem wurden seine Bücher bereits 1933 verbrannt. Deshalb machte sich bei ihm Verbitterung über das Regime breit. Hanns-Heinz Ewers stand auf der Liste der Personen, die 1934 anlässlich des Röhm-Putsches gesucht wurden. Damals wurde er vor den Schergen in Bad Eilsen versteckt. Im Rahmen des literarischen Abends gab es auch Dialoge, zu denen Dieter Gutzeit mit dem Verlesen von Textstellen beitrug. Zu Gehör kamen außerdem Beiträge, in denen es um Spuk, Geister und andere Erscheinungen geht. Auch im Arensburger Schloss soll es früher rätselhafte Vorgänge gegeben haben. Richtig bizarr wirkte ein Text, in dem geschildert wird, wie ein Mann seine eigene Beerdigung inszeniert und miterlebt. Mit viel Beifall dankten die Zuhörer dem Trio des Heimat- und Kulturvereins für dieses ganz besondere "Literarische Kabinett". Hausherr Dieter Kindermann schloss sich dieser positiven Reaktion an und überreichte Friedrich Winkelhake als Dankeschön ein Bild aus dem Schlossbereich. In einer kurzen Rückblende auf die Historie der Arensburg wies Kindermann darauf hin, dass hier auch Gerhard Schröder sowie Christian Wulff und Hannelore Kohl zu Gast weilten. Sein Versuch, das Gebäude mit seinen 85 Zimmern zu verkaufen, sei leider zweimal gescheitert. Offensichtlich waren die Bewerber nicht oder nicht ausreichend zahlungsfähig. Damit besteht durchaus noch die Chance für eine weitere Veranstaltung dieser Art.

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