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Student aus Polle legt Arbeit vor

„Ergänzung der großen Geschichte der Vertreibung“

Kreis Holzminden (fhm). Sechs Monate lang hat Christian Albroscheit in Archiven, Bibliotheken und historischen Instituten gesessen. Sechs Monate lang untersuchte der aus Polle stammende Geschichtswissenschaftler das Schicksal der Vertriebenen im Kreis Holzminden der Jahre 1946 bis 1958. Der 26 Jahre alte Student der Universität Bielefeld hatte sich dieses Thema zum Abschluss seines Geschichtsstudiums gewählt. Am Ende der Forschungsarbeit stand eine 91-seitige Untersuchung, die von den Prüfern der Universität Bielefeld mit „gut“ bewertet wurde und Christian Albroscheit den akademischen Grad des „Master of Arts“ einbrachte.

veröffentlicht am 25.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 14:21 Uhr

Christian Albroscheit sitzt für seine Arbeit im Archiv – i
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„Meine Großeltern sind Vertriebene und stammen aus Ostpreußen“, erzählt der 26-Jährige von seiner eigenen Verbindung zur Vertriebenen-Thematik. Aber das sei nicht der Hauptgrund für seine wissenschaftliche Arbeit gewesen. „Mich hat die jüngste deutsche Geschichte schon immer interessiert.“ Mit dem Thema „Vertriebene im Kreis Holzminden“ habe er einen speziellen wissenschaftlichen Ansatz verfolgt. „Ich wollte dieses Thema jenseits von Lastenausgleich oder Gesetzesfragen behandeln. Lokale Probleme und Konflikte, Möglichkeiten zu deren Lösung sowie die Auflösung der historischen Anonymität der Vertriebenen sollen eine sinnvolle Ergänzung der großen Geschichte der Vertreibung darstellen.“

Viele Zeitungsartikel der 50er-Jahre, aber auch Dokumente aus verschiedenen Archiven, Untersuchungen über das Flüchtlingsproblem und Werke über den Landkreis Holzminden waren die Hauptquellen für die Untersuchung.

Großer Abschnitt zur Integration

In seiner Arbeit stellt Albroscheit zunächst Grundsätzliches zur Lage der Flüchtlinge und Vertriebenen in Niedersachsen dar. Anschließend untersucht er die demografische Entwicklung des Landkreises durch die Aufnahme der Vertriebenen und die Folgen des Flüchtlingsstroms für den Landkreis ab 1946.

Ein großer Abschnitt thematisiert die Integration der Vertriebenen im Kreis und die Wohnungsnot. „Die Artikel über die damaligen Zustände haben mich sehr beeindruckt“, schildert Christian Albroscheit. Beispielsweise wurde das Schloss Hehlen als Elendsquartier genutzt. Hier lebten Menschen in unwürdigsten Verhältnissen, berichtet der junge Geschichtswissenschaftler. Das Schlusskapitel ist den Vertriebenenorganisationen gewidmet.

Albroscheit hat in seiner Arbeit herausgefunden, dass das Verhältnis zwischen Flüchtlingen und Einheimischen im Kreis in drei Phasen ablief. Von 1946 bis 1947 erfolgte die herzliche Aufnahme und Begrüßung, 1949 und 1950 wurden von Konflikten geprägt, die durch das ungewohnte Miteinander und die Konkurrenzsituation entstanden, und die dritte Phase steht unter dem Stichwort „Wirtschaftswunder“. Der allgemeine Aufschwung führte zur Gemeinsamkeit statt zur Konfrontation. Bei der Integration gab es zwar von Anfang an die rechtliche Gleichstellung, aber Probleme im sozialen Bereich. Ab 1950 wuchsen beide Bevölkerungsgruppen zusammen.

Schneller als die gesellschaftliche und kulturelle Integration verlief das wirtschaftliche Miteinander. In dieser Hinsicht, so hat Albroscheit herausgestellt, haben die Vertriebenen dazu beigetragen, dem Kreis Holzminden ein neues Gesicht zu geben. Von seinen Prüfern bekam Albroscheit ein großes Lob für seine Arbeit. Sie sei auch deshalb mit 2,0 bewertet worden, weil sie sehr anschaulich ist und das große, geschichtliche Thema „Flucht und Vertreibung“ auf besondere Weise darstelle. „Präzisierung durch Lokalisierung“ nannten die Professoren das Untersuchungskonzept. Seine Master-Arbeit über die Vertriebenen liegt im Stadtarchiv Holzminden, im Kreisarchiv und beim Heimat- und Geschichtsverein.



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