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Positive Erfahrungen für Baubetriebshöfe und Stadtverwaltungen / Zusammenarbeit löst Probleme

Erfolgsmodell soll unbefristet weiterlaufen

Hessisch Oldendorf (pj). „Von den anderen lernen und eigene Probleme lösen“, das steht dahinter und begründet, warum Städte und Gemeinden in der Region eng zusammenarbeiten. Verdutzt rieben sich die Kernstädter die Augen, als vor Jahren die Kehrmaschine aus Obernkirchen erstmals durch die Straßen rollte. Inzwischen ist es ein gewohntes Bild nach jedem größeren Fest.

veröffentlicht am 02.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 03.09.2009 um 16:13 Uhr

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Mit einem Erfahrungsaustausch, zu dem sich die Führungskräfte der Baubetriebshöfe getroffen hatten, kam die Zusammenarbeit zwischen den Städten Hessisch Oldendorf, Rinteln und Obernkirchen in Gang, erklärt Georg Joschko, der Leiter des Baubetriebshofes. 1998 habe der damalige Stadtdirektor Wilhelm Kuhlmann versucht, im Landkreis Hameln-Pyrmont Kooperationen zu starten, das Unternehmen war nicht von Erfolg gekrönt. Mehr Glück hatte der Verwaltungschef, als er sich an die handelnden Personen in Obernkirchen, Bückeburg und Rinteln wandte, führt Joschko aus. „Es wurden Arbeitsgruppen für alle Handlungsbereiche, darunter die Baubetriebshöfe, gebildet, und als die Ergebnisse vorlagen, beschlossen, zusammenzuarbeiten“, erklärt er weiter.

Inzwischen treffen sich Vertreter aus den vier Städten zweimal im Jahr. „Wir haben die gleichen Probleme, die gleichen Fragen – herausgekommen sind unter anderem gemeinsame Schulungen und Sicherheitsunterweisungen, wenn es um Gefahrgut-Transporte geht. Wir haben eine gemeinsame Betriebs-Software angeschafft, und auch bei der Auftragsabwicklung nutzen wir ein gemeinsames Programm“, sagt Georg Joschko.

Stolz ist man in den Rathäusern, dass die Zusammenarbeit so gut klappt. Allein beim gemeinsamen Einsatz von Geräten gibt es Probleme, denn „die brauchen alle zur gleichen Zeit“, erklärt Georg Joschko.

Die Kooperation der Baubetriebshöfe und der Stadtverwaltungen hat den Vorteil, dass man sich auch abfedern kann, dass mit der Ebbe in den Kassen an Mitarbeitern gespart werden musste. Seit der Jahrtausendwende hat der Hessisch Oldendorfer Bauhof die Zahl der Mitarbeiter von 30 auf 18 heruntergefahren. „Seit zehn Jahren erfolgte zudem keine Neueinstellung“, bedauert Georg Joschko. Die Belegschaft des Bauhofes ist von einzelnen Ausnahmen abgesehen zwischen 40 und 50 Jahren alt. „In zehn Jahren wird daraus ein großes Problem erwachsen“, ist sich der Leiter mit Bürgermeister Harald Krüger einig. „Die Krankenquote wird erfahrungsgemäß steigen, die Arbeit bei Kälte und Regen wird Spuren hinterlassen“, ist Georg Joschko sicher. Die Krankenquote liegt derzeit bei zwei Prozent. „Im Rathaus sieht es genauso aus, Führungskräfte und viele Leistungsträger sind zumeist 50plus – in den letzten Jahren hatten wir kaum Neueinstellungen“, sagt Bürgermeister Harald Krüger. Auch hier wurden in den letzten zehn bis zwölf Jahren 14 Stellen nicht mehr besetzt. „Erfahrene Mitarbeiter werden in einigen Jahren geballt das Rathaus verlassen“, blickt der stellvertretende Verwaltungschef Frank Werhahn kritisch in die Zukunft. Er erinnert daran, dass 1973 nach der Gebietsreform und beim Aufbau der Verwaltungen alle Auszubildenden übernommen wurden und dies heute den Altersschnitt begründe. „Um das kommende Problem abzufedern, setzen wir auf interkommunale Zusammenarbeit, denn wir können nicht auf Vorrat einstellen – dazu fehlt einfach das Geld“, sagt Frank Werhahn.

Dabei lerne die Stadtverwaltung von den Baubetriebshöfen, erklärt Harald Krüger. Die Personalchefs Frank Werhahn und Ulrich Kipp in Rinteln versuchen schon seit geraumer Zeit, halbe Stellen in beiden Kommunen anzubieten, „damit der Stelleninhaber auf eine ganze Stelle kommt, was den Arbeitsplatz attraktiv macht“, wie Frank Werhahn betont.

Dass das erzwungene Sparen zwar zunächst den Kommunen hilft, andererseits aber fehlender Weitblick große Schwierigkeiten heraufbeschwört, darüber scheinen Politiker weniger nachzudenken. Wenn es um Haushalte geht, wird immer weiter versucht, bei den Personalkosten einzusparen. Harald Krüger beschreibt die Situation im Hessisch Oldendorfer Rathaus so: „Wir müssen mit einem Minimum zurechtkommen, ein weiterer Stellenabbau ist nicht möglich, denn wir sind an der Grenze angekommen – eine Verdichtung der Arbeit ist nicht mehr möglich, denn dies bedeutet Leistungsverlust.“

Auf dem Sektor Tourismus können Hessisch Oldendorf und Rinteln bereits einiges vorweisen. Matthias Gräbner arbeitet als Tourismusmanager für beide Städte. Es hat sich in diesem Bereich kreisübergreifend viel getan, gemeinsame Projekte wie die Ausweisung von Wanderwegen wurden durchgeführt. Dabei wurden auch das Niedersächsische Forstamt und Vereine beteiligt.

„Ein weiteres Erfolgsmodell ist die gemeinsame Vollstreckungsbehörde“, erklärt Harald Krüger. 2007 haben Hessisch Oldendorf, der Landkreis Hameln-Pyrmont, Hameln und Bad Münder das Projekt gestartet. „Nach ersten Anlaufschwierigkeiten läuft es jetzt rund – 50 Cent Einsatz bringen einen Euro“, freut sich Krüger. Er hofft, dass sein Stadtrat grünes Licht gibt, dass die Zusammenarbeit unbefristet fortgesetzt werden kann.

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