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Erfolgsbilanz: 51 Meister-Titel in 33 Jahren

Der 4. September ist kein einfacher Tag für Frieda Schlicht gewesen. Stundenlang saß die 63-Jährige, die Insider als „die gute Seele der Jugendfeuerwehr Möllenbeck“ bezeichnen, Daumen drückend zu Hause und wartete. Wartete auf einen Anruf aus Weimar. Einen Anruf, der ihr Gewissheit bringen sollte: War es der Jugendfeuerwehr Möllenbeck wirklich gelungen, ihren Titel bei den Deutschen Meisterschaften zu verteidigen? Gegen Mittag kam ein erster Zwischenbericht aus Weimar: Zehn Fehlerpunkte standen nach absolvierter Übung auf dem Konto der Möllenbecker. „Die anderen müssen erst einmal ohne Fehler durchkommen“, dachte sie sich und drückte weiter die Daumen. Schließlich – gefühlte Stunden später – kam sie dann, die erlösende Nachricht: Es hatte gereicht. Möllenbeck war zum zweiten Mal hintereinander zur besten Jugendfeuerwehr Deutschlands gekürt worden.

veröffentlicht am 24.09.2011 um 00:00 Uhr

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Der Startschuss zu dieser Erfolgsgeschichte fiel vor 33 Jahren und damit lange bevor die heutigen Deutschen Meister überhaupt geboren wurden. Am 12. März 1978 wurde die Jugendfeuerwehr Möllenbeck gegründet, erst fünf Jugendwarte leiteten seither die Geschicke der Gruppe: Rolf Schaper (1978 bis 1981), Herbert Schlicht (1981 bis 1992), Gabi Schrader (1993 und 1994), Andreas Schlicht (1994 bis 2006) und Dennis Winter (seit 2006). In der langen Dienstzeit der Jugendwarte liegt nach Ansicht von Frieda Schlicht auch eines der Geheimnisse der Jugendfeuerwehr Möllenbeck. „Wenn ein Jugendwart lange dabei ist, kennt er alle Kinder und ihre kleinen Macken ganz genau“, sagt sie lachend.

Das bestätigt auch der aktuelle Jugendwart Dennis Winter. „Uns hat in den letzten Jahren starkgemacht, dass sich die Jugendlichen innerhalb der einzelnen Wettkampfgruppen gut verstehen“, sagt der 26-Jährige. Deshalb sei das Verhältnis unter den Jugendlichen auch ein Aspekt, auf den er achte, wenn er die Gruppen für die Wettkämpfe zusammenstellt. „Natürlich kann das bei aktuell 44 Kindern nicht immer klappen, aber ich strebe es an.“ Genauso wichtig für den Erfolg einer Gruppe seien die Fähigkeiten, die die einzelnen Kinder mitbringen. „Ein Jugendlicher, der nicht so sportlich ist, wie die anderen, ist dafür vielleicht sehr geschickt“, erläutert er. Eine Fähigkeit, die für den Erfolg einer Gruppe ebenfalls wichtig ist .

Ein weiteres Kriterium, das für die Zusammensetzung einer Gruppe berücksichtigt werden sollte, ist das Alter der Jugendlichen. „Natürlich kann ein 18-Jähriger schneller laufen als ein Zehnjähriger“, sagt Andreas Schlicht, der mittlerweile Fachbereichsleiter Wettkämpfe auf Landesebene ist. Deshalb werde die Zeit, die für eine Aufgabe angesetzt wird, auch nach dem Durchschnittsalter der Gruppe berechnet. „Die Zusammenstellung der Gruppen ist schon fast eine mathematische Aufgabe“, stellt seine Mutter Frieda fest, und auch Winter gibt zu, dass es ihn einige Stunden gekostet hat, die Gruppen einzuteilen.

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Dass nicht nur er, sondern auch seine Vorgänger diese nicht einfache Aufgabe sehr gut gemeistert haben, zeigt ein Blick in die Statistik. 29-mal ist die Jugendfeuerwehr Möllenbeck seit ihrer Gründung vor 33 Jahren Stadtmeister geworden, sechsmal belegte sie sogar die Plätze eins bis vier. Außerdem stehen 13 Siege bei Kreismeisterschaften, fünf bei Bezirksmeisterschaften und zwei bei Landesmeisterschaften auf der Liste, die Frieda Schlicht akribisch führt. Und jetzt sogar zwei Titel von Deutschen Meisterschaften. Das sind derweil nur die Erfolge beim Bundeswettbewerb – hinzu kommen noch einige Titel, die die Möllenbecker beiWettkämpfen nach internationalen Richtlinien gewinnen konnten.

Ein mindestens ebenso wichtiger Erfolg ist auf keiner Ergebnisliste zu sehen. „Unsere Jugendlichen lernen, was es heißt, sich für eine Gemeinschaft einzusetzen, sich zu helfen und fair miteinander umzugehen“, sagt Andreas Schlicht. Besonders deutlich wurde das im Jahr 2004. Bei den Landesmeisterschaften im internationalen Wettbewerb erreichten die Möllenbecker den zweiten Platz und qualifizierten sich dadurch für den Bundesentscheid. „Als wir schon auf dem Rückweg waren, erreichte uns die Nachricht des Drittplatzierten, dass es bei der Bewertung einen Fehler gegeben habe“, erinnert sich der damalige Jugendwart. Die Wertungsrichter hatten den Möllenbeckern für einen Fehler nur zehn Punkte abgezogen, obwohl es 20 hätten sein müssen. „Durch diese zehn zusätzlichen Minuspunkte wären wir nur noch Dritter gewesen.“ Da die Ehrung jedoch schon vollzogen war und ein Ergebnis nachträglich nicht mehr geändert werden kann, blieb es aber dabei – Möllenbeck durfte als Zweiter zum Bundesentscheid fahren. „Da haben sich unsere Jugendlichen zurückgezogen und beraten“, erinnert sich Schlicht. Schließlich verkündeten sie, dass sie zugunsten des Drittplatzierten auf die Teilnahme am Bundeswettbewerb verzichten wollen. „Natürlich flossen Tränen und alle waren enttäuscht, aber ich war unglaublich stolz auf die Gruppe.“ Ein Feuerwehrmagazin verlieh den Möllenbeckern anschließend sogar einen Ehrenpreis: den Oskar der Fairness.

Auch bei den Deutschen Meisterschaften in Weimar bewiesen die Jugendlichen wieder, dass der Mannschaftsgedanke im Vordergrund steht. Bei den Landesmeisterschaften in diesem Jahr gewann nämlich die vermeintlich zweitstärkste Gruppe der Möllenbecker, die erste landete lediglich auf Rang fünf. „Da mussten wir natürlich überlegen, welche Gruppe denn nun bei den Deutschen Meisterschaften an den Start gehen soll“, sagt Winter. Die Entscheidung fiel dann auf die frischgebackenen Landesmeister, welche ja auch die Qualifikation geschafft hatten. Zwei Jugendliche aus dieser Mannschaft traten ihren Platz aber freiwillig ab. Sie waren überzeugt davon, dass die Gruppe noch stärker wäre, wenn an ihrer Stelle zwei Mitglieder der anderen Mannschaften starten. „Und das mit 13 und 15 Jahren ist absolut bemerkenswert“, sagt Winter.

Auch wenn der Erfolg in erster Linie ein Verdienst der Jugendlichen ist, gibt es viele Menschen, ohne die er gar nicht möglich gewesen wäre. Die Jugendwarte kommen jedes Jahr auf über 500 Stunden ehrenamtliche Jugendarbeit. „In diesem Jahr waren es schon 750 Stunden“, sagt Winter. Und natürlich kostet es auch eine Menge Geld, mit so vielen Jugendlichen zu Wettkämpfen in ganz Deutschland zu fahren. „Da braucht man schon jemanden, der sich nicht zu schade ist, von Tür zu Tür zu gehen und Spenden zu sammeln“, sagt Winter. Bei den Möllenbeckern übernimmt diese Aufgabe seit Jahren Frieda Schlicht. „Man erzählt sich, dass die Leute nur noch fragen ,wie viel‘ und nicht mehr ,wofür‘, wenn Frieda klingelt“, erzählt der Jugendwart. Zudem finanziert die Jugendfeuerwehr ihre Fahrten über ihren Förderverein und eigene Aktionen der Jugendlichen und ihrer Familien. „Unser Dank geht an alle Eltern, Sponsoren und das große Betreuerteam, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre“, so Winter abschließend.

Und an Frieda Schlicht. Sie sei viel mehr als eine Spenden-Sammlerin. Als „Mutter der Kompanie“ bezeichnet sie Winter. „Wenn jemand ein T-Shirt braucht, geht er zu Frieda, wenn er eine Regenjacke braucht, geht er zu Frieda, und wenn wir Proviant benötigen, gehen wir auch zu Frieda“. Zu den großen Wettkämpfen fährt Frieda aber nicht mit. „Das ist mir zu anstrengend“, sagt sie. Bei den nächsten Deutschen Meisterschaften würde sie aber eine Ausnahme machen. Sollten sich die Jugendlichen wieder qualifizieren, würde sie zum Zuschauen fahren. „Dann sind die Meisterschaften nämlich in Stadthagen“, sagt sie lachend.

Was ist eigentlich das Rezept für Erfolg? „Spaß, Ehrgeiz, Know-how, Kameradschaft und eine Portion Glück“, sagt Andreas Schlicht. Er muss es wissen: 13 Jahre lang ist er Jugendwart der Jugendfeuerwehr Möllenbeck gewesen, fast alle möglichen Titel hat er in dieser Zeit gewonnen. Aber nur fast. Deutscher Meister wurde das Team mit seinem Nachfolger. Zweimal hintereinander.

Angefeuert von ihrem Fanclub kämpften die Jugendlichen der Feuerwehr Möllenbeck bei den Deutschen Meisterschaften in Weimar um den Titel. Der Einsatz beim Sprint und bei der Übung lohnte sich – das erkannte Jugendwart Dennis Winter sehr früh. Auf die Siegerehrung warteten die Möllenbecker noch ordentlich aufgereiht, als sie den Pokal schließlich in den Händen hielten, kannte der Jubel aber bei Jugendlichen und Betreuern (2.v.r. Jugendwart Dennis Winter) keine Grenzen mehr. Fotos: pr.

Eine Familie im Dienst der Jugendfeuerwehr Möllenbeck: Andreas (v.l.), Herbert und Frieda Schlicht.

Foto: jaj Foto: Marcel Ekin / Jugendfeuerwehr Bremen



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