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Wie Brian Boyer als Außenseiter ins Rennen um den Bürgermeisterposten geht

Er will nicht nur spielen

Brian Boyer ist der jüngste der drei Bewerber um das Amt des Bürgermeisters. Er ist ehrenamtlich sehr engagiert und er verfügt über viel Wissen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Dewezet und Schaumburger Zeitung widmen den drei Kandidaten je ein Feature. Teil 1: Brian Boyer, der Kandidaten-Darsteller.

Von Robert Michalla

veröffentlicht am 22.09.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 22.09.2014 um 11:54 Uhr

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VON ROBERT MICHALLA
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Brian Boyer ist der jüngste der drei Bewerber um das Amt des Bürgermeisters. Er ist ehrenamtlich sehr engagiert und er verfügt über viel Wissen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Dewezet und Schaumburger Zeitung widmen den drei Kandidaten je ein Feature. Teil 1: Brian Boyer, der Kandidaten-Darsteller.

Von Robert Michalla

Die Sonne ist längst untergegangen, vor der Tür herrschen frostige Temperaturen, doch drinnen geht es in die heiße Phase der Session. Es ist Januar, Prinzenball des Oldendorfer Carnevals Clubs im Baxmann-Zentrum, und Brian I. Boyer verabschiedet sich als amtierender Prinz. Er sitzt auf der Treppe und singt Frank Sinatra, „I did it my way“. Was sonst? Auch als Bewerber für das Amt des Bürgermeisters geht Boyer seinen eigenen Weg. Er ist nicht einfach nur Kandidat, sondern vor allem Kandidaten-Darsteller. Doch damit macht er sich das Leben unnötig schwer.

Eigentlich bleibt sich Boyer treu. Das Spielerische zählt ebenso zu seiner Persönlichkeit wie seine Manschettenknöpfe mit dem goldenen „B“. Er singt in einer Band, er spielt Gitarre, Flöte, Klarinette, Saxophon, Klavier, Querflöte, er gibt den Rattenfänger in Hameln, und er stand auch schon in jungen Jahren als Schauspieler auf der Bühne. Boyer liebt es, sich zu präsentieren. Dabei spielt er nicht, weil er sich selbst überschätzt oder weil er sich produzieren will. Es ist nicht sein Ego, das er gestreichelt wissen will. Es ist einfach sein Spaß am Spiel. Doch dieser Spaß könnte seiner Kandidatur noch ein trauriges Ende setzen. Das Problem dabei ist nämlich: Er schafft auf diese Art Distanz.

Wer den echten Brian Boyer kennenlernen weil, wer das sehen möchte, was er hinter seinem Spiel versteckt, der braucht Zeit. Viele Wähler nehmen sich diese Zeit nicht, viele können es auch gar nicht. Boyer landet daher schnell in einer Schublade, er gilt manchen als Paradiesvogel, als Außenseiter, Sonderling, wieder andere nehmen ihn nicht ernst. Oft geschieht dies zu unrecht. Aber es gelingt ihm auch nicht, den Wählern glaubhaft zu machen, dass er nicht nur spielen will. Nur wenige Wähler glauben, dass er sich im Rathaus durchsetzen könnte. Er ist also auch nicht ganz unschuldig an seiner Situation.

Boyer sagt, dass er schon seit Jahren danach gefragt werde, ob er nicht kandidieren wolle. Auch als Karnevalsprinz sei er auf seine Ambitionen angesprochen worden, wenn auch eher im Spaß. Mit der Zeit sei in ihm der Plan gereift, aus dem Spaß ernst zu machen. „Ich habe mich nach und nach mit dem Gedanken angefreundet“, sagte Boyer einst über die Idee. „Eine bessere Möglichkeit, etwas für die Stadt zu tun, gibt es nicht.“ Er klingt glaubwürdig.

Boyer zu Besuch in der Redaktion, 8. September, es geht darum, innerhalb von fünf Sekunden Antworten auf verschiedene Fragen zu geben. Boyers erste Antwort darauf, was er an Hessisch Oldendorf mag, lautet: „An Hessisch Oldendorf mag ich, ähm, die Bürger, die dort sind.“ Wenn Boyer spricht, achtet er stets auf die Betonung. Vieles von dem, was er sagt, wirkt daher aufgesetzt, gestelzt.

Er beginnt viele Sätze mit einem „Hmm“ oder einem „Ähm“, aber seine Antworten sind damit oft nicht zu Ende – und viel öfter dauern sie noch sehr viel länger.

Podiumsdiskussion im Kultourismusforum, 15. September, Boyer steht auf der Bühne. Fragen an ihn beantwortet er oft, indem er zusammenfasst. Das macht er auch nicht schlecht, Boyer kann Probleme, vor denen die Stadt steht, richtig erkennen und benennen. Viel zu selten aber gelingt es ihm bislang, eigene Ziele klar zu formulieren und noch seltener, Wähler zu überzeugen.

Dabei hat Boyer durchaus Stärken, die ihn von seinen beiden Kontrahenten teils deutlich unterscheiden. Als Parteiloser zog er bei der Kommunalwahl 2006 auf der Liste der Grünen in den Ortsrat ein, heute ist er stellvertretender Ortsbürgermeister, er verfügt also über politische Erfahrung. Unter den drei Bewerbern für das Amt des Bürgermeisters ist Boyer derjenige, der sich mit Abstand am meisten ehrenamtlich engagiert: Er ist zum Beispiel Jugendgruppenleiter, Vorsitzender des Gemeindebeirats der Kirche St. Marien, er saß im Vorstand des Kirchenkreisjugendkonvents und er engagiert sich seit Jahren im Carnevals Club. Als der Verein ohne Vorsitzenden dastand, war es Boyer, der sich erbarmte, wenn auch am Ende ohne Erfolg. Sein Gedanke: Bevor der Verein vor die Wand fährt, mache ich es eben. Auch im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit verfügt er über großes Wissen. Boyer ist zudem ein sehr offener Mensch. Ihm gelingt es allerdings im Wahlkampf bislang nicht, großen Nutzen aus all dem zu ziehen. Dabei müsste es ihm ein Leichtes sein, sich als der Kandidat zu präsentieren, der die Wünsche von Kindern, Jugendlichen und jungen Familien ernst nimmt. Bei seinem Lebenslauf wäre das glaubwürdig. Doch er verheddert sich stattdessen in Wahlversprechen, die diesen Namen nicht verdienen. So will er, sollte er es auf den Chefsessel im Rathaus schaffen, sein erstes Monatsgehalt spenden. Ein Versprechen für vier Wochen, doch seine mögliche Amtszeit dauert 336 Wochen.

Boyer hätte auch als eine Art Spaßkandidat in den Wahlkampf ziehen können. Er hätte seine Kontrahenten mit Juxverspechen vor sich hertreiben können. Er hätte einen unaufgeregten Wahlkampf regelrecht befeuern können. Er mag auch Comedy und Satire. Boyer entschied sich jedoch dagegen; er nimmt seine Kandidatur ernst, sehr sogar. Seine ernsthafte Seite aber kommt im Wahlkampf zu kurz. Viele glauben, Boyer sei ausschließlich ein Spaßvogel. Und das ist sein Problem.

Boyer sagt selbst, dass er sich hin und wieder falsch verstanden fühlt. Ihn ärgert das. Auf Verleumdungen reagiert er allergisch, gesteht er. Er weiß auch von dem Vorwurf, er spaße nur. Er kann auch nachvollziehen, dass Menschen ihn in eine Schublade stecken. Doch er versteht nicht, dass er aus der Schublade selten wieder herauskommt.

Nach dem Interview in der Redaktion, Boyer sitzt an einem Bistrotischchen, die Hände vor sich gefaltet. Frage: „Mit der Kandidatur meinen Sie es todernst?“ Antwort: „Eigentlich schon, ja.“ – „Eigentlich?“ – „Ich habe keinen Grund, warum ich es nicht machen sollte.“ Dann schweigt er lange und fügt hinzu: „Und umso mehr, warum ich es machen sollte“ – und lacht.

Alle Artikel, Fotos und Videos zur Wahl gibt es unter kuerzer.de/howaehlt

Brian Boyer ist der jüngste der drei Bewerber um das Amt des Bürgermeisters. Er ist ehrenamtlich sehr engagiert und er verfügt über viel Wissen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Dewezet und Schaumburger Zeitung widmen den drei Kandidaten je ein Feature. Teil 1: Brian Boyer, der Kandidaten-Darsteller.

„Ich habe keinen Grund, warum ich es nicht machen sollte“: Brian Boyer.Dana



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