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Schirmvogt Otto Freiherr von Blomberg über das schönste Ehrenamt Niedersachsens

Er ist auf den Spuren „jeder Menge Tanten“

Fischbeck (ah). Im Juni 2008 ging ein Foto durch die Presse, das viele schmunzeln ließ: Schirmvogt Otto Freiherr von Blomberg hält bei einsetzendem Regen schützend einen Schirm über die neu eingeführte Äbtissin. Ein Schirmvogt im wahrsten Sinne des Wortes!

veröffentlicht am 19.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 19.03.2010 um 10:21 Uhr

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Im Mittelalter mussten die unverheirateten, adeligen Stiftsdamen ihren Schutz noch teuer bezahlen. Nur mit Hilfe der Schutzbriefe, die Kaiser oder Päpste ausstellten, konnten sie ihr Recht als reichsfreies Stift verteidigen – schließlich war es ökonomisch von großer Bedeutung und weckte immer wieder Begehrlichkeiten. Im 18. Jahrhundert entstand das Amt des Schirmvogts, das laut von Blomberg „schönste Ehrenamt in Niedersachsen“, das er seit zehn Jahren im Stift Fischbeck ausübt. Sein Urgroßvater Börries Freiherr von Münchhausen, ebenfalls für dieses Amt vorgesehen, scheiterte am Votum des Kaisers, der dort keinen Welfen sehen wollte.

Vorgeschlagen wurde von Blomberg von seinem Vorgänger, Georg von Ilten, der ihm mitteilte: „Da stehst du in direkter Nachfolge von Heinrich dem Löwen.“ „Das hat mich gereizt“, gesteht der Land- und Forstwirt. Die Amtsübernahme im Kapitelsaal sei „verhältnismäßig unspektakulär“ gewesen, der Beschluss handschriftlich im Protokollbuch dokumentiert. Ruth Wendorff habe ihm zwei Ableger der 1000-jährigen Eibe geschenkt – „ein schönes Symbol“.

„Herr von Blomberg ist eine Traumbesetzung“, sagt Äbtissin Uda von der Nahmer: Er sei dem Stift sehr zugewandt, zeige großes persönliches Interesse an der Geschichte und der Zukunft des Stiftes und engagiere sich im Vorstand des Förderkreises. Der so Gelobte erklärt, das Amt sei gestaltbar je nach eigenen Fähigkeiten; ihm mache es sehr viel Spaß, in Fischbeck auf den Spuren „von jeder Menge Tanten zu sein“. Von Blomberg besitzt und bewirtschaftet das Familiengut Nienfeld im Auetal, hat von seinem Vater die Leidenschaft für Geschichte geerbt. Auf Grabsteinen und Stammbäumen im Stift findet er seine Familiengeschichte wieder.

Die erste Begegnung zwischen Schirmvogt und der Äbtissin fand bei deren Wahl statt, die er satzungsgemäß zu leiten hatte. „Das war sehr feierlich und trägt mich“, erklärt Uda von der Nahmer. „Für mich war das auch das erste Mal – das hat was“, fügt von Blomberg hinzu. Er hatte das Wahlergebnis festzustellen und hinterher die Stimmzettel der Stiftsdamen im Altarraum der Stiftskirche im Johanniskopfreliquiar zu verbrennen. „Die Verantwortung seines Amtes ist außerordentlich“, bemerkt Uda von der Nahmer. Der Schirmvogt gestaltet die Zeremonie bei Einführungsfeiern von Kapitularinnen mit, hat beratende Funktion und muss als höhere Autorität auch schon mal bei einem Streit schlichten.

Für die Zukunft des Stifts hat Otto Freiherr von Blomberg den Wunsch, den auch Uda von der Nahmer hegt: möglichst junge, tatkräftige Stiftsdamen zu finden. Kapitel, Schirmvogt und Äbtissin wollen im vertrauensvollen Miteinander Modelle erarbeiten, nach denen berufstätige Frauen aufgenommen werden können.

Wie es sich gehört: Schirmvogt Otto Freiherr von Blomberg hält bei einsetzendem Regen schützend einen Schirm über die 2008 eingeführte Äbtissin.

Foto: ah

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