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SZ-Recherche hilft: Grippeschutzimpfung für Flüchtlinge geht weiter / DRK bekommt 400 Portionen

Engpass beseitigt

Rinteln. Wo Menschen auf engstem Raum zusammenleben, haben Grippeviren leichtes Spiel. Das gilt auch für Unterkünfte für Flüchtlinge wie die Prince Rupert School. Deshalb hat das Deutsche Rote Kreuz damit begonnen, die Flüchtlinge gegen Grippe zu impfen.

veröffentlicht am 17.12.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 17.12.2015 um 12:12 Uhr

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Autor:

Peter Blaumann

„130 Flüchtlinge sind geimpft“, gibt Bernd Koller, Präsident des Schaumburger DRK-Kreisverbandes, am Montag im Rahmen der Bürgerversammlung in der Notunterkunft am Wilhelm-Busch-Weg Auskunft. Allerdings fehle der Impfstoff, um die Impfung fortsetzen zu können (wir berichteten).

„Wir hätten gerne alle Flüchtlinge durchgeimpft. Aber aufgrund von Engpässen kommen wir derzeit an keinen Impfstoff heran. Wir haben diese Engpässe vorausgesehen und waren deshalb schon seit September bemüht, an Grippeimpfstoff heranzukommen – ohne Erfolg“, erläutert Koller im Gespräch mit dieser Zeitung. Und auch Dr. Jörg Fedderke, Leiter des Gesundheitsamtes des Landkreises Schaumburg, bestätigte, dass es derzeit Engpässe gibt. Doch durch Vermittlung dieser Zeitung ist das Problem jetzt lokal gelöst.

Hintergrund: Die Stammzusammensetzung der Influenza-Impfstoffe muss jedes Jahr an die aktuelle epidemiologische Situation angepasst werden, weil sich die Eigenschaften der zirkulierenden Influenzaviren verändern. Die genaue Zusammensetzung wird jedes Jahr von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt. Diese Anpassung wird für jeden Impfstoff in einem Verfahren zur Änderung der Zulassung geprüft. Nach Genehmigung der Stammanpassung erfolgt chargenweise die Prüfung und Freigabe der hergestellten Influenza-Impfstoffe durch das Paul-Ehrlich-Institut, die dann in den Handel gelangen und angewendet werden können.

Wenn jedoch bei der Herstellung der Impfstoffe etwas schiefläuft und der zeitintensive Produktionsprozess wiederholt werden muss, kann der Nachschub ausbleiben.

Experten hatten im Vorfeld angesichts des anhaltenden Flüchtlingsandrangs auch vor Versorgungsproblemen bei Grippeimpfstoffen gewarnt. Aber Fakt ist: Sind die Impfstoffe für eine Grippesaison aufgebraucht, wird der Nachschub erst vor der nächsten Grippesaison produziert.

„Das traf für die letzte Grippesaison zu. Zum Ende des letzten Jahres war der Markt von Grippeimpfstoffen leer gefegt“, berichtet Susanne Steinbeck von der „Post-Apotheke“. „In diesem Jahr gibt es aber noch Reserven. Mein Großhändler kann innerhalb weniger Stunden Grippeimpfstoff liefern. Allerdings nur in Zehnerpackungen. Die Einzelpackungen sind vergriffen.“

Das bestätigt auch Peter Eulzer von der „Löwen Apotheke“. „Es gibt zahlreiche Grippeimpfstoffe mit der gleichen Zusammensetzung aber unter verschiedenen Namen auf dem Markt. Mein Großhändler kann alle liefern. Wenn ich jetzt bestelle, dann kann ich weit über 1000 Einheiten noch heute bekommen.“

Auch andere Apotheken in Rinteln konnten Lieferengpässe bei Grippeimpfstoffen nicht bestätigen. Der eine oder andere Großhändler müsse zwar passen, weil er keine Impfstoffe mehr auf Lager hat, aber die Apotheken seien gut vernetzt, sodass sie immer ohne Weiteres an Impfstoffe herankämen.

Und auch die Ärzte in Rinteln sind noch gut mit Grippeimpfstoffen versorgt. „Wir schaffen uns vor der Grippesaison im September immer einen Vorrat an Impfstoffen an. Zurzeit gibt es bei uns keinen Engpass. Die Patienten können jederzeit kommen und sich gegen Grippe impfen lassen“, sagt Dipl.-Med. Petra Gericke, Fachärztin für Allgemeinmedizin in der Praxisgemeinschaft mit Dr. Bernd Pietzka in Exten.

Im Laufe der Recherchen zu diesem Artikel konnte auch das DRK mit den fehlenden Grippeimpfstoffen versorgt werden. Bernd Koller nahm nach dem Gespräch noch einmal Kontakt zu seinem Lieferanten auf, der zunächst erneut bestätigte, dass er keinen Impfstoff besorgen könne. Daraufhin teilte Koller seinem Lieferanten mit, dass Apotheken in Rinteln durchaus in der Lage seien, über ihre Großhändler Grippeimpfstoff zu bekommen. Die Antwort kam prompt. „Wenn die das können, dann kann ich das auch!“ Und nur wenige Stunden später meldete der Großhändler Vollzug bei Bernd Koller, der gleich 400 Einheiten orderte, um die Impfaktion fortsetzen zu können.

Dass eine Schutzimpfung gegen Influenza durchaus sinnvoll ist, zeigt die Tatsache, dass nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts in der Saison 2012/13 etwa 21 000 bis 29 000 Menschen an Grippe starben.

Im Oktober und November heiß begehrt: Impfstoff gegen Grippe. Bei Epidemien kann er sogar zur Mangelware werden.peb



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