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"Lebenüber unsere Verhältnisse" / Wende in drei Jahren erwartet

Engpass beim lieben Geld zwingt Kirche zum Sparkurs

Bad Eilsen (tw). Die Lage ist laut Pastor Reiner Rinne "nicht dramatisch", "ernst" aber sei sie gleichwohl: "Die Aufstellung des Haushaltsplans 2007 hat die einfache Erkenntnis gebracht, dass die Gemeinde derzeitüber ihre Verhältnisse lebt", so Rinne im jüngsten Gemeindebrief. Um die Ausgaben decken zu können, müssen den Rücklagen (132 000 Euro) 34 000 Euro entnommen werden. Der Geistliche: "Es sind im wesentlichen die Betriebskosten der Gebäude, das Defizit des Friedhofs in Luhden und die Personalkosten, die wir nicht anders ausgleichen können." Gelinge es nicht, diesen Trend "schnell und durchgreifend" zu ändern - dann würden die Rücklagen in wenigen Jahren aufgebraucht "und die Gemeinde zahlungsunfähig sein".

veröffentlicht am 13.01.2007 um 00:00 Uhr

Um es nicht so weit kommen zu lassen, seien Kirchenvorstand und Gemeindekirchenrat entschlossen, "alle notwendigen Maßnahmen zum Abbau von Defiziten, zur Kürzung von Ausgaben und zu weiterer Sparsamkeit zu ergreifen". Gelinge das, "müssten die Schwierigkeiten in etwas drei Jahren zu überwinden sein", ist der Pastor überzeugt. Auf Nachfrage der Landes-Zeitung benannte Rinne gemeinsam mit Pastor Lutz Gräber jetzt Details. "Erster Schritt muss es sein, das wirtschaftliche Defizit für den Friedhof Luhden zu beseitigen", macht Gräber deutlich. Denn die Gott sei Dank wenigen Beerdigungen auf dem vergleichsweise kleinen Gottesacker belasteten auf der anderen Seite den Haushalt. Hinzu komme, dass der Pflegeaufwand enorm sei; die Gräber sowie der Friedhof sind von einer Hecke umgeben, die regelmäßig geschnitten werden muss; auch die Friedhofskapelle will unterhalten sein und muss bei Bedarf repariert werden. Fazit: "Weil der Friedhof sich nicht selbst trägt, werden wir nicht umhin kommen, noch dieses Jahr die Preise für Beerdigungen moderat anzuheben", so diebeiden Pastoren unisono. Der Friedhofsausschuss werde dem Kirchenvorstand einen Betrag vorschlagen. Als zweiter Schritt sollen Fremde respektive Private, welche die Kirche und/oder den Gemeindesaal für Veranstaltungen nutzen, dafür künftig ein Entgeld entrichten; das gelte indes nicht für Vereine oder Gruppen aus der Gemeinde, die von der Gebühr nach wie vor befreit würden. "Um darüber hinaus auch die Personalkosten in den Griff zu bekommen, werden wir die Stundenkontingente unserer Mitarbeiter langfristig verkleinern und Aufgaben bündeln müssen", gibt Rinne einen Ausblick in die Zukunft. Entlassungen seien aber nicht geplant. Was die Gemeindemitglieder selbst zu den Sparbemühungen beisteuern können, hat Rinne bereits im jüngsten Gemeindebrief formuliert: "Haben Sie bitte Verständnis, wenn Ihre Kirchengemeinde in Zukunft auch für so ,schnöde' Dinge wie Heizkosten und Betriebsmittel um Hilfe bitten muss." Kollekten und Spenden, auch bei Geburtstagsbesuchen und Jubiläen, würden dringend gebraucht. Indes: Dass die Eilser künftig auch für die eigene Gemeinde gerne geben werden, davon ist der Pastor nach allen bisherigen Erfahrungen überzeugt: "Allein der Weihnachtsmarkt hat einen Reingewinn von 10 000 Euro gebracht, welcher der Tschernobyl-Hilfe, dem CVJM-Weltdienst und der Hermannsburger Mission zugute kommt." Greift das obige Gesamtpaket, könne sich die Gemeinde - wie gesagt - den Griff in die Rücklage binnen drei Jahren im Wortsinn "ersparen". Denn besagte Rücklage wird gebraucht, um zu investieren. Einige Beispiele: "Die Elektrik und Beleuchtung in der Christuskirche", erinnert Rinne, "ist auf dem Stand von 1958 und damit fast ein halbes Jahrhundert alt. Sie muss dringend erneuert werden". Arbeit gibt es zudem noch in den Büroräumen im Pfarrhaus, und auch das Gelände vor der Kirche soll neu gestaltet werden. Rinne: "Wir haben drei angehende Landschaftsgärtner aus Hannover gebeten, uns im Rahmen eines Prüfauftrages einen Vorschlag zu unterbreiten." Der werde in den nächsten Monaten auf dem Tisch liegen. Last, but not least gebe es im Inneren des Gemeindehauses viel zu tun. "Ich denke nur an die renovierungsbedürftige Küche", sagt Gräber.



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