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Gottesdienste finden in der „Winterkirche“ statt / Gemeinde führt Umweltmanagement ein

Energieverbrauch wird gesenkt

Bodenwerder. Wenn morgen um 10 Uhr die Glocken von Bodenwerders Stadtkirche St. Nicolai zum Sonntagsgottesdienst läuten, werden die Türen am altehrwürdigen Gotteshaus geschlossen bleiben. Denn im Gotteshaus würden bei Temperaturen im einstelligen Bereich schnell die Finger kalt beim Gesangbuch halten.

veröffentlicht am 18.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:07 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Angenehm temperiert ist es hingegen im großen Gemeindesaal im Haus der Kirche im Kälbertal: Die Tische sind hier aus dem Gemeindesaal gerückt worden, die Stühle aufgestellt, und ein Altar mit Kruzifix, Kerzen und Blumen samt Lesepult steht vor den Stuhlreihen. Denn seit Neujahr findet der Gottesdienst in der kalten Jahreszeit vermutlich bis Mitte März nicht wie gewohnt in der großen St.-Nicolai-Kirche, sondern im Gemeindehaus statt. „Winterkirche“ wird das genannt, wenn in Bodenwerder die Kirche nunmehr im zweiten Jahr aus Kostengründen im Winter ins Gemeindehaus verlagert wird.

Pastor Günter Klein kann zum Thema Winterkirche aus dem Vorjahr bereits mit guten Erfahrungen aufwarten. Mit Einführung der Winterkirche 2013 konnte der Wärmeenergieverbrauch in der Kirche massiv gesenkt werden. „Die Winterkirche ist ein voller Erfolg“, sagt Pastor Klein. Die Gottesdienste würden erfreulicherweise auch von mehr jungen Leuten besucht. Denn es herrsche eben auch eine ganz andere ungezwungenere Atmosphäre, und im Anschluss gibt es auch mal Kaffee und Tee.

Berechnungen haben ergeben, dass durch die Winterkirche durchschnittlich um zehn bis zwölf Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr eingespart werden können. Während der Heizperiode rechnet man in kalten Wintern mit 200 Euro Energiekosten pro Sonntagsgottesdienst in der Kirche. Bei extremen Minustemperaturen liegen die Kosten sogar noch deutlich höher.

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  • Die Tür zu Bodenwerders Stadtkirche bleibt morgen geschlossen, denn die Heizungselektronik ist derzeit auf „Aus“ gestellt. wfx

Im Febuar wird ein Ausbildungskurs für kirchliches Umweltmanagement unter der neuen Initiative „Der Grüne Hahn“ (siehe nebenstehende Fakten) für Gemeinden der Landeskirche Hannovers und des Bistums Hildesheim angeboten, an dem bereits die Kirchengemeinden Bevern und Holzminden teilnehmen wollen. Auch in der Kirchengemeinde Bodenwerder-Kemnade hat sich bereits aus dem Kirchenvorstand ein Umweltteam formiert, das das Umweltmanagement an Gebäuden der Kirchengemeinde übernehmen will. Einer von ihnen ist Timo Brandt, der als grünes Stadtrats- und Kreistagsmitglied einiges an Vorwissen zum Thema mitbringt. Und während die Umweltmanager der Kirchengemeinde kaum Möglichkeiten sehen, die jahrhundertealte Nicolai-Kirche energetisch so aufzumöbeln, dass sie künftig auf dem Niedrigenergie-Sektor wintertauglich wird, haben sie sich über das Haus der Kirche schon Gedanken gemacht. Kirchenvorstandsmitglied Brandt weiß zu berichten, dass darüber nachgedacht wird, das Gemeindehaus im Kälbertal energetisch neu durchzuplanen und möglicherweise mit einem modernen Blockheizkraftwerk auszurüsten. Brand: „Wir hoffen, dafür die Hochschule Holzminden mit einem Studentenprojekt gewinnen zu können.“

Im Kirchenkreis Holzminden-Bodenwerder machen von der Möglichkeit der Winterkirche übrigens schon viele Gemeinden Gebrauch, bestätigt Superintendent Ulrich Wöhler. 16 Gemeinden sind es im Kirchenkreis, die bei der Winterkirche mitmachen: Neben Bodenwerder Amelungsborn, Bevern, Deensen, Dielmissen, Fürstenberg, Halle, Hehlen, Heinade, Kirchbrak, Lauenförde, Meinbrexen, Neuhaus, Silberborn, Tuchtfeld und Vorwohle.

Es gibt aber auch Gemeinden, die darauf verzichten und – wie etwa in Stadtoldendorf – Decken für die Gottesdienstbesucher in der Kirche bereithalten. Winterkiche hat sich aber als ein probates Mittel erwiesen, unterstreicht Wöhler.



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