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Serie zum Klimaschutz - Teil 8: Architekt Wolfgang Hein weiß Lösungen jenseits aktiver Systeme

Energie sparen mit Grund-Know-how beim Bau

Landkreis (cok). Wolfgang Hein ist Architekt im AAD-Architekturbüro Obernkirchen. In Rinteln entwarf er nicht nur den Anbau des Museums Eulenburg oder die neue Volkshochschule, er baute in den achtziger Jahren auch eines der ersten Solarhäuser (Todenmann) und plante später sein eigenes Haus im Semmelweisweg als perfektes Energiesparhaus.

veröffentlicht am 30.03.2007 um 00:00 Uhr

Wolfgang Hein: "Schon vorm Bauen gutüberlegen."

"Wer ein energiesparendes Haus bauen will, denkt meistens zuerst an den Einbau von Solaranlagen, Wärmepumpen oder Holzpelletheizung", sagt er. "Mindestens genau so wichtig wie diese aktiven Systeme ist aber der Blick auf die passive Seite des Energiesparens!" Alle gute Technik bringt nur wenig, wenn ein Haus seine Front dem Wetter darbietet, wenn die Ausrichtung für die Ausnutzung von Photovoltaik-Anlagen nicht wirklich geeignet ist oder Fenster dort eingebaut werden, wo Kälte und Wärme am stärksten angreifen können. Am besten ist es, schon vor der Entscheidung für ein bestimmtes Baugrundstück Kontakt zum Energiesparfachmann aufzunehmen. So schön zum Beispiel der Blick von den Rintelner Südhängen aus über die Landschaft auch sein mag, es wehen im Wesertal sehr starke Westwinde. Wenn man dann nicht, wie Wolfgang Hein es bei seinem Haus machte, die gesamte Bauweise darauf ausrichtet, wird es nicht ganz leicht mit dem Energiesparen. Der Architekt löste das Windproblem, indem er das Obergeschoss seines Hauses rund wie einen Zylinder baute, um den Südwestwinden so wenig wie möglich Angriffsfläche zu bieten. Außerdem ordnete er Nebengebäude wie Garage und Gerätehäuschen so kompakt an, dass sie einen zusätzlichen Wetterschutz bieten, und zudem steht das gesamte Haus in einer Nord-Ost-Ausrichtung, die den Wetterseiten nur die schmale Front bietet. "Das Wissen um solche passiven Momente ist ein kostenloses Grund-Know-how, das alle Hausbauer unbedingt einsetzen sollten", meint Hein. Dazu gehören auch kleine Fenster an der Nordseite, ein Windfang, der erst um die Ecke führt, bevor man die Wohnräume betritt und der Einbau eines Dachfensters, das als "Sonnenfalle" das Sonnenlicht direkt ins Erdgeschoss leiten kann. Die Wohnräume sollten große Fenster nach Westen haben, um auch noch die letzte Sonnenwärme einzufangen, und sogar ein geschickt angelegter Gartenteich kann zusätzliche Wärme bringen, indem die die Reflexion des Wassers direkt durchs Wohnzimmerfenster ins Haus gelenkt wird. Eine wichtige Frage ist auch die Organisation der Belüftung eines Hauses, gerade dann, wenn breite Fensterfronten Sonnenwärme sammeln sollen. Damit es im Sommer nicht zu warm wird, sorgen bodennahe Südfenster und nördliche Fensteröffnungen im Dachgeschoss dafür, dass die warme Luft auch ohne Klimaanlage nach oben hin aus dem Haus abziehen kann. Was nunüberhaupt die Wahl des Baumaterials betrifft, so plädiert Wolfgang Hein nicht unbedingt für die Holzrahmenbauweise, auch wenn sie Raum schafft für Dämm-Material, das die warme Luft im Raum behält. Er setzt dagegen auf gute Speichermaterialien, die die Wärme bzw. Kälte speichern und zeitversetzt wieder an den Raum abgegeben. So kann man stoßweise lüften, ohne dabei gleich alles auskühlen zu lassen. (Bei den so genannten Passivhäusern ist eine Lüftung zwar zugunsten der Dämmung nicht vorgesehen, doch hat das Styropor-Dämmmaterial eine relativ schlechte Energiebilanz durch die aufwändige Herstellung.) "Auf den guten Mix kommt es an, wenn man Energie sparen will", so der Architekt. "Jeder Bauplatz und jedes Haus gibt ja individuelle Bedingungen vor." Mancher zögert noch, wenn es um den Einsatz moderner, energiesparender Heiztechniken wie etwa die Wärmepumpe geht, da sie imMoment oft noch teurer sind als traditionelle Heizsysteme. "Das aber kann sich schnell ändern", meint Hein. "Wohngebäude haben eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren. Da lohnt sich eine zukunftsorientierte Planung." Nächste Folge: Photovoltaik - mit der eigenen Anlage Energie erzeugen und Klima schützen. Internet-Forum: Diskutieren Sie mit, unter www.landes-zeitung.de und www. schaumburger-zeitung.de.

Große Fensterflächen im Westen lassen die Sonne herein.
  • Große Fensterflächen im Westen lassen die Sonne herein.
Nördliche Fenster im Dachgeschoss führen hochsommerliche Wärme a
  • Nördliche Fenster im Dachgeschoss führen hochsommerliche Wärme ab. Fotos: who
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