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Arbeiten am Neubau sind noch im vollen Gange /Übergabe am 29. Februar / Patienten ziehen am 8. und 9. März um

Endspurt am Klinikum: Noch rund 60 Tage bis zum Ziel

Minden (mt). "Wir müssen die andere Treppe nehmen, hier wird gearbeitet, gestern kam man hier noch durch." Haus- und Bauherr Gerald Oestreich führt die kleine Journalistenschar durch die größte Baustelle im weiten Umkreis - den inzwischen fast fertigen Neubau des Klinikums Minden.

veröffentlicht am 29.12.2007 um 00:00 Uhr

Fast fertig? Man mag es kaum glauben. Auf der einen Seite ist de

Hier schimmern einige Wände noch im Grauton des Rohbaus, dort stecken dicke Kabel gebündelt ihre Enden in noch immer fast leere OP-Säle, auf manchen Fluren tritt man direkt auf Estrich. Andererseits gibt es aber auch schon fertige, oder fast fertige Räume. In manchen stehen sogar schon die Akten- oder Umkleideschränke. In einem Patientenzimmer weist Oestreich, Vorsitzender des dreiköpfigen Vorstands der Mühlenkreis-Kliniken AöR, auf die modernste Technik hin, mit der der Aufenthalt den Patienten so angenehm wie möglich gemacht werden soll. Großräume Nasszellen gehören dazu wie auch Container für Kleidung und andere Habseligkeiten. Der wird einfach in den genormten Schrank geschoben, Tür zu, Schlüssel eingesteckt, fertig. "Bei Verlegung in ein anderes Zimmer wird der Rollcontainer mitgenommen - ohne Kofferpacken", sagt Oestreich. Obwohl, so häufig wird ein Bettenwechsel nicht nötig sein: Die Neustrukturierung des Klinikumbetriebs hebt die Zuordnungen von Stationen zu nur einer der bislang 14 Einzel-Kliniken quasi auf. Etwa 30 Betten hat hier jede Station in einem der nach Süden ragenden Bettentrakte. Wer US-Krankenhausserien im Fernsehen sieht, kennt die offene zentrale Servicestation mittendrin, die die "Schwesternzimmer" ersetzen. Beim Rundgang ist das westliche Ende des fast 300 Meter langen Gebäudes rascher erreicht als gedacht. Klinikum der langen Wege? Oestreich wehrt ab. In den alten Kliniken hätten Patienten durch die Verwinklung der Gebäude und der Verstreutheit der OP-, Diagnose- und Therapieräume längere Wege laufen oder geschoben werden müssen als hier. Und: Patienten werden nicht das ganze Gebäude durchlaufen müssen, um vom Bett zur Untersuchung zu kommen. Aus den Pflegetrakten einmal über die Brücke, die die Längsachse (Magistrale) quert und schon sei man am Ziel. Die Operationsräume liegen hinter der nächsten Längsachse. Warten auf den Fahrstuhl wie im Klinikum I? Das werde seltener. Die Flure bergen eine der wesentlichsten Innovationen des neuen Krankenhaus-Großbetriebs hinter abgehängten Decken. Dort befinden nicht nur die üblichen Versorgungskabel inklusive Rohrpost sondern auch die Leitungen für das "digitalisierte" Krankenhaus. Der Datentransport erfolgt in der Regel nicht mehr per Rollwagen und Aktenordner sondern über Computerleitungen. "Die EDV bekommt einen Riesen-Stellenwert", verweist Oestreich auch darauf, dass es keine Schränke mehr für die Aufbewahrung von Röntgenbildern geben wird. Auch der Transport von Essen, Wäsche und Medikamenten läuft fast ohne menschliches Zutun. Roboterfahrzeuge des Automatischen Warentransports (AWT) laufen computergesteuert festgelegte Stationen an, laden dort bereitgestellte Container auf und bringen sie ans eingetippte Ziel. Das Essen aus der Küche auf die Station und das gebrauchte Bettzeug zum Wäschecontainer. "Da müssen keine Rollwagen mehr mit viel Kraft von den Beschäftigen um die Kurven manövriert werden", sagt Verwaltungschefin Claudia Schulte-Bredemeier. Gesteuert werden die Wagen von einem Leitsystem in der Decke. Das erkennt nicht nur den Abstand des AWT zur Wand sondern auch menschlichen Gegenverkehr. "Dann stoppen sie und sprechen den Menschen an", sagt Oestreich. Ihre Hauptwege liegen abseits der Verkehrsströme der nichtautomatischen Zweibeiner. Vorbei an zahlreichen Kleinbaustellen unterschiedlichster Art führt der Rundgang die Besucher wieder nach draußen. Die Eingangshalle wirkt noch unfertiger als die vier Mosaike, an denen italienische Experten 640 000 kleine Mosaiksteinchen aus Mexiko zu vier großflächigen Heilpflanzen-Bildern an die Wand der Magistrale kleben. Auch draußen vor der Tür werden von Handwerkern noch eifrig Steine geklopft, während die künftige Zufahrt und die Extra-Busspur fertig zu sein scheinen. Vor der "Feuerprobe", der Brandschutzabnahme im Januar, gab es am 20. Dezember so eine Art "D-Day" für das Großbauwerk, an dem zu manchen Zeiten bis zu 750 Menschen gleichzeitig tätig waren. "Das war die dingliche Abnahme", sagt Oestreich. Das heißt, die Baufirmen übergaben das Werk dem Bauherrn, ab jetzt hat er die Nachweispflicht bei Mängeln, ab jetzt beginnt die Gewährleistungsfrist. Derweil wurde bei einer Begehung bereits dieÜbergabe des neuen Klinikumgebäudes am 29. Februar vorbereitet. Der Umzug selbst soll nach Darlegung des Projektleiters am 1. März beginnen. Höhepunkt ist der Umzug der Patienten am 8. und 9. März. Bereits am Sonntag, 2. März, soll es einen "Tag der offenen Tür" geben.

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