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Gedenkstunden und Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag im Landkreis / Zentrale Gedenkfeier an der Paschenburg

"Empfinden tiefe Scham für das, was da geschehen ist"

Landkreis (wm/rnk/la/jp/sig). Pastorin Sabine Lambrecht aus Bad Nenndorf hielt bei der zentralen Gedenkfeier des Kreisverbandes Schaumburg des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. am Sonntagnachmittag auf dem Ehrenfriedhof an der Paschenburg in Vertretung für den erkrankten Superintendenten Andreas Kühne-Glaser die Ansprache.

veröffentlicht am 19.11.2007 um 00:00 Uhr

Der Ehrenzug der Feuerwehr in Obernkirchen. Foto: rnk

Vorher hatte Kreisvorsitzender Werner Vehling ausdrücklich auch der drei bei einem Anschlag getöteten Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gedacht. Mit einem Satz machte Sabine Lambrecht deutlich, was die Tragik eines Krieges ausmacht: "Im Krieg begraben die Väter ihre Söhne, im Frieden die Söhne ihre Väter". Sie appellierte, der Gewalt schon imAlltag entgegenzutreten, einer Gewalt die "zu einem Bestandteil unserer Zivilisation geworden ist". "Der Frieden fängt beim Frühstück an", und es sei oft die "Friedlosigkeit im Kleinen", die am Ende große Kriege anzettele. "Gezündelt" werde zuerst in den Köpfen, und hier gelte es anzusetzen, in den Familien, Kindergärten und Schulen - so wie es die Präventionsräte in den Städten täten. Für die Stadt Rinteln legten Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und Ortsbürgermeister Eckhard Hülm einen Kranz nieder. Musikalisch gestalteten die Feier der Männerchor aus Enzen-Hobbensen und Blechbläser der Kreisjugendmusikschule. An die Toten durch Krieg, Vertreibung und Gewaltherrschaft erinnerte die traditionelle Kranzniederlegung am Ehrenmal im Bückeburger Schlosspark. Musikalisch eröffnet wurde die Gedenkfeier durch den Bückeburger Männergesangverein. An der Kranzniederlegung beteiligten sich ein Ehrenzug der Bundeswehr, eine Abordnung der Ortsfeuerwehr Bückeburg sowie erstmals die ehemaligen Jäger und Schützern, die seit diesem Jahr keine eigene Gedenkfeier in der Jägerkaserne mehr ausrichten. Pfarrer Matthias Ziemens von der Katholischen Kirchengemeinde Bückeburg nannte den Volkstrauertag ein Symbol für das Gedenken an die Toten der Weltkriege. Er sei aber auch ein Tag der Trauer darüber, was Mitmenschen generell einander antun könnten. Das Nachdenken darüber fordere alle heraus, sich für Frieden und Freiheit einzusetzen. Das Nichtvergessen der Erfahrung von Krieg, Leid, Vertreibung, und Todöffne die Grenzen für die Zukunft, um den Raum für Versöhnung und Frieden auszuweiten, erklärte Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer bei der Feierstunde am Ehrenmal der Bergstadt. Leichter sei diese Feststellung für alle, die den Krieg durchleben mussten, deutlich schwerer aber für die Jüngeren, denen die Dimension der Erfahrung fehle, betonte Schäfer. Und das geschichtlich einmalige Geschehen, mehr als ein halbes Jahrhundert des Friedens in Zentraleuropa erfahren zu haben, werde als Selbstverständlichkeit gesehen, ja, inzwischen oftmals nur noch gering erachtet. Die persönliche Betroffenheit der Jüngeren zu erhalten und zu fördern, sei ein wesentlicher Mitauftrag dieses Gedenktages, sagte Schäfer. Der Volkstrauertag sei sicher einer der bedeutendsten Gedenktage - und einer, der am meisten die oberflächliche Geschäftigkeit störe, befand Jörg Landmann auf der Gedenkfeier in der Friedhofskapelle Rehren. Trauer, Verlust, Niederlage, Schuld und Verantwortung seien die Begriffe, die das öffentliche Gedenken in unserem Lande bestimmen. Aber auch die Hoffnung, dass die Menschen aus der Geschichte lernen, damit sie sie nicht wiederhole. "Die Vergangenheit ist nicht vergangen, sie droht aber vergessen zu werden, wenn wir es zulassen", sagte Landmann. Er schloss die Gedenkfeier mit einem Aufruf: "Habt Ehrfurcht vor dem Leben und setzt Euch für den Frieden ein!" Auch Pastor Matthias Mau stellte die Ehrfurcht vor dem Leben in den Mittelpunkt seiner Ansprach am Ehrenmahl auf dem Rannenberger Friedhof. Ortsbrandmeister Dirk Wente und Ortsvorsteher Heinrich Wente legten hier Kränze nieder. Jerine Gastorf umrahmte beide Auetaler Veranstaltungen zum Volkstrauertag musikalisch. Sowohl mit der dunklen deutschen Vergangenheit als auch mit der Gegenwart und Zukunft befasste sich Heeßens Bürgermeister Wilhelm Brümmel in seiner Gedenkrede am Heeßer Ehrenmal. Er erinnerte unter anderem an den Bombenkrieg, der viele Opfer unter Frauen und Kindern forderte. Beim schwersten Luftangriff auf Hannoverin der Nacht zum 9. Oktober 1943 seien allein 28 000 Phosphorbomben, 230 000 Brandbomben und 3000 Sprengbomben gefallen. Auf diese Weise sind in Deutschland allein eine halbe Million Menschen umgekommen. Neben den vielen Soldaten, die in den beiden Weltkriegen und noch danach in den Gefangenlagern starben, erwähnte der Bürgermeister auch die Millionen jüdischer Mitbürger, die in den Gaskammern der Konzentrationslager ihr Leben ließen oder die verhungerten. "Wir empfinden tiefe Scham für das, was da geschehen ist", sagte Brümmel.

Der Männergesangverein Uchtdorf begleitete musikalisch die Geden
  • Der Männergesangverein Uchtdorf begleitete musikalisch die Gedenkstunde in Uchtdorf, wo Willi Böker mahnende Worte sprach. Foto: tol
Feierliche Kranzniederlegung am Ehrenmal in Heeßen. Foto: sig
  • Feierliche Kranzniederlegung am Ehrenmal in Heeßen. Foto: sig
Auf dem Rannenberger Friedhof legten Ortsbrandmeister Dirk Wente
  • Auf dem Rannenberger Friedhof legten Ortsbrandmeister Dirk Wente und Ortsvorsteher Heinrich Wente Kränze nieder. Foto: la
Kranzniederlegung am Ehrenmal im Bückeburger Schlosspark. Foto:
  • Kranzniederlegung am Ehrenmal im Bückeburger Schlosspark. Foto: jp
Der Männergesangverein Uchtdorf begleitete musikalisch die Geden
Feierliche Kranzniederlegung am Ehrenmal in Heeßen. Foto: sig
Auf dem Rannenberger Friedhof legten Ortsbrandmeister Dirk Wente
Kranzniederlegung am Ehrenmal im Bückeburger Schlosspark. Foto:


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