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Lionsclub lädt ein zu Klassik mit Trompete und Klavier - für den guten Zweck

Emotionsreich, virtuos und hilfreich

Bückeburg. Alle Jahre wieder erwartet die Besucher der vom Lionsclub Schaumburg veranstalteten Benefizreihe "Klassik-Herbst im Palais" ein besonderes Musikereignis. Zugunsten des Kinderhospizes "Löwenherz" in Syke stellten vertraute Solisten ihr Können unter Beweis: der Pianist Professor Jonathan Alder von der Berliner Akademie der Künste und der an der Deutschen Oper Berlin wirkende Trompeter Ulrich Riehl.

veröffentlicht am 06.10.2006 um 00:00 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

Der Bläser ließ sich nicht lange bitten, die Vorzüge seines Instrumentes zu demonstrieren und versiert mit den verschiedenen Stilen zu jonglieren. Bereits sein von Pianotönen eingebetteter Noten-Spaziergang durch Vivianis "Sonata Nr. 1 in C-Dur" enthielt interessante Farben und Lichter. Der Spieler lotete den Schwung der Allegri gewissenhaft aus, rückte aber ebenso die Eleganz des Andante ins rechte Licht. Kontrastreich entwickelte der von seinem Mitstreiter bei allen Vorträgen adäquat begleitete Gast außerdem das mit Attacken gespickte Klanggemälde des "Concerto in d-Moll" von Marcello, dessen Presto vor Energie nur so strotzte. Ganz dem Ausdruck des Werkes verpflichtet, setzte Ulrich Riehl später mit weichem, ansatzlosen Bachtrompeten-Gesang Albinonis sanft fließendes "Adagio in g-Moll" geradezu betörend in Szene. Bellinis "Concerto in Es-Dur" verlieh ihm danach Gelegenheit, so richtig zu glänzen. In diesem ansprechenden Stück waren makellose Intonation, strahlende Höhen sowie virtuose Geläufigkeit ganz besonders gefragt. Im Verbund mit dem Partner sorgte Ulrich Riehl am Ende noch mit einem stürmisch erklatschten Zugabereigen für Glücksgefühle in den Zuhörerreihen. Blitzsauber in der Tongebung, baute er in emotionalen Arien von Händel und Gluck sowie bei geschmeidig ins Ohr gehenden Bach-Highlights die entsprechenden Stimmungen auf. Breitenwirkung erzielten zwischendurch Jonathan Alders bewusst weniger "marktgängige" Einlagen am Flügel. Das Publikum erlebte in der technisch und rhythmisch nuancenreich ausmusizierten "Fantasie c-Moll", KV 475, nämlich einen finsteren, direkten, eher zornigen als der Anmut huldigenden Mozart. Auch die von dem - in seiner Conférence wieder sehr humorigen - Engländer hingebungsvoll ausgeformten "Nocturne Nr. 1, f-Moll", op.55, "roch" in ihrer Melancholie nicht unbedingt nach Chopin. Vorangeschickt hatte der Professor das auf vielen Zwischentönen fußende Bach'sche Praeludium und Fuge d-Moll aus "Das Wohltemperierte Klavier", Teil II,bei dem es sich ebenfalls nicht gerade um einen alltäglichen Beitrag handelte.

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