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Mitgliederversammlung: Sassenberg will Kandidatur hinwerfen / Keine Kampfabstimmung: Bürgermeister-Kandidat gibt nach

Eklat bei der CDU: Schulze-Elvert fordert Spitzenplatz

Obernkirchen/Gelldorf (sig). An eine so dramatische Mitgliederversammlung werden sich die Mitglieder des CDU-Stadtverbandes kaum erinnern können. Das große Ziel, die Sozialdemokraten bei den bevorstehenden Kommunalwahlen in Schach zu halten, hätte bereits im Vorfeld scheitern können. Um Haaresbreite wäre die CDU nämlich ohne ihr bewährtes Zugpferd in den Wahlkampf gezogen. Der amtierende Bürgermeister Horst Sassenberg wollte vorgestern nicht mehr kandidieren, weil Martin Schulze-Elvert den Anspruch erhob, auch auf der Liste für den Stadtrat den Spitzenplatz einzunehmen.

veröffentlicht am 19.07.2006 um 00:00 Uhr

Eigentlich gab es gar kein Anzeichen dafür, dass die Abstimmung über die Kandidatenlisten im Hofcafe´ Eggelmann irgendeinen besonderen Zündstoff enthielt: Ergänzungen wurden ohne längere Diskussionen vorgenommen, für Vehlen gab es einen einmütig beschlossenen Wechsel zwischen den Positionen von Martin Schulze-Elvert und ChristophSchuster. Der Bürgermeister-Anwärter rutschte auf Platz zwei hinter Horst Sassenberg vor. Als hätte jemand eine Lunte ans Pulverfass gelegt, wechselte die Stimmung bei der Vorstellung der Liste für den Stadtrat. Martin Schulze-Elvert stand auf dem im Vorfeld erarbeiteten Vorschlag auf dem zweiten Platz hinter Horst Sassenberg und vor Beate Krantz. Damit war er nicht einverstanden und erwartete, dass diese Reihenfolge geändert wurde. Er untermauerte seine Forderung mit der Aussage: "Ich muss als Kandidat für den hauptamtlichen Bürgermeister die Liste anführen und erhebe deshalb den Anspruch, auch hier der Spitzenmann der CDU zu sein." Die Reaktion von Horst Sassenberg fiel kurz und knapp aus und wirkte wie ein Donnerschlag. "Dann verzichte ich auf eine Kandidatur", erklärte das amtierende Stadtoberhaupt. Allgemeine Betroffenheit machte sich nach dieser Ankündigung breit. Dietrich Steinmann war der erste in der Runde, der seine Sprache wieder fand. "Das ist die schlechteste Situation für die Stadt; ich warne davor, den amtierenden Bürgermeister nicht mehr auf die Liste zu setzen", rief er sichtlich besorgt aus. Der zweite Kommentar kam von Beate Krantz, Sprecherin der Mehrheitsgruppe im Stadtrat. Zu Schulze-Elvert gewandt, erklärt sie: "Wir wollen Dich als hauptamtlichen Bürgermeister, und Du müsstest deshalb eigentlich gar nicht auf dieser Liste stehen. Aber wir möchten auch sicherstellen, dass Du im Rat bist, falls Du nicht gewinnst. Ebenso gut könnte ich als Frau auf dem ersten Platz stehen. Wir wollen eine starke Fraktion stellen, und dafür ist die Liste so in Ordnung, wie sie jetzt vorliegt." Klaus Reinhold appellierte an Horst Sassenberg, die Flinte nicht ins Korn zu werfen, bevor demokratisch abgestimmt wird. Er fügte hinzu: "Wir haben 35 Jahre daraufhin gearbeitet, die Sozialdemokraten abzulösen; das darf nicht nur für fünf Jahre gelten." Der so Angesprochene ging anschließend in den Angriff über. "Das ist eine unglaubliche Arroganz, die Martin Schulze-Elvert hier an den Tag legt. Damit hast Du Deine Chance, erster hauptamtlicher Bürgermeister zu werden, erheblich geschmälert", zürnte Horst Sassenberg. Dirk Rodenbeck bat den Stadtverbandschef, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken. "Du bist mein politisches Vorbild; wie kannst Du alles so einfach hinwerfen?", fragte er enttäuscht. Im Laufe der weiteren Diskussion erklärte Sassenberg, Martin Schulze-Elvert habe gesagt, er wolle seine Kandidatur zurückziehen, wenn er nicht auf den ersten Platz der Liste für den Stadtrat gesetzt werde. Der Obernkirchener CDU-Chef erinnerte daran, dass er in der Vergangenheit die meisten Stimmen für seine Partei geholt habe. Wenn der Bürgermeister-Bewerber aber meine, man brauche diese Zugkraft nicht, dann trete er ab. Nach diesen Worten erreichte die Stimmung einen Tiefpunkt. Ein Zuhörer rief: "Schulze-Elvert kann nicht gegen die Mehrheit der CDU antreten - oder er soll als Bürgermeisterkandidat zurücktreten!" Das ließ der so Gescholtene nicht auf sich sitzen. "Ich habe geglaubt, ich sei hier die Perspektive der CDU." In Richtung Horst Sassenberg rief er aus: "Du wolltest doch nur noch eine Wahlperiode antreten und auch den Vorsitz der Partei abgeben!" Anschließend erklärte der Bürgermeister-Kandidat seinenVerzicht auf den Spitzenplatz der Stadtratsliste. Er ersparte damit den Parteifreunden eine Kampfabstimmung. Die Reihenfolge der insgesamt 17 Kandidaten wurde bei einer Enthaltung und einer ungültigen Stimme abgesegnet. Ursula Meyer versuchte danach die Wogen mit dem Hinweis darauf zu glätten, dass man jetzt mit vereinten Kräften nach vorn schauen sollte und wieder zum gemeinsamen Handeln zurückfinden müsse. Andreas Hofmann, der als Parteiloser auf Platz vier der CDU-Liste steht, sprach von einer Doppelspitze, mit der man auch den doppelten Erfolg anpeile. "Wir haben hier heute die Generationsunterschiede erlebt, aber jetzt geht es allein darum, den ersten hauptamtlichen Bürgermeister zu stellen und die Mehrheit im Rat zu sichern", gab er als Zielsetzung vor.

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