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Werbering und Stadtmarketing sieht auch Stadt und Immobilienbesitzer in der Verantwortung

Einzelhandel rüstet sich für die Zukunft

Hessisch Oldendorf (doro). Geschäfte mit einem zielgruppenorientierten Konzept, die die Innenstadt beleben; ein lebenswertes Umfeld für Familien mit mittlerem bis gehobenem Einkommen, die sich in Hessisch Oldendorf wohlfühlen: Das sind Dinge, die sich Jochen Huch und Dr. Andreas Beißner, Mitglieder des Werberings und Stadtmarketings Hessisch Oldendorf, wünschen. „Das Angebot, das besteht, ist gut, es müsste aber in einigen Bereichen vielfältiger werden“, sagt Andreas Beißner.

veröffentlicht am 07.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Zielgruppenorientierte Konzepte wünscht sich der Werbering für d

Sechs Leerstände gebe es derzeit in der Langen Straße, aber auch drei Neueröffnungen. Auch für das Traditionsgeschäft Wermann konnte bereits eine neue Pächterin gefunden werden. „Das ist kein schlechter Schnitt, verglichen mit anderen Städten“, sagt Jochen Huch. Der Vorsitzende ist sich bewusst, dass die Einzelhandelsstruktur, bedingt durch gesellschaftliche Entwicklungen, unter vielschichtigen Schwierigkeiten leidet. Für ihn kein Grund zu resignieren. Wichtig sei, vorhandene Kundenströme zu lenken. Zum Beispiel mit einem besseren Verkehrsleitsystem und besserer Ausschilderung. Denkbar seien auch Werbetafeln für die Einzelhändler der Innenstadt bei den Nahversorgern an der Welseder Straße.

In der Pflicht sieht der Werbering ebenfalls die Immobilienbesitzer: „Es gibt einen Renovierungsstau, die Preise für Leerstandsimmobilien fallen.“ Um erschwingliche Geschäftsräume und Attraktivitätspunkte zu schaffen, sehen die Mitglieder die Stadt unterstützend in der Verantwortung. Und auch wenn sie das Bullimuseum als eine „große Chance für Hessisch Oldendorf“ bezeichnen – „denkbar ist zum Beispiel ein VW-Café“ – wünscht der Werbering sich, dass Politik und Verwaltung ihre finanziellen Schwerpunkte nicht so dezidiert auf Tourismus und Kultur legen wie bisher: „Um die Stadt zu retten, reicht es nicht, sich Kultourismus auf die Fahnen zu schreiben“, sagt Jochen Huch. Denn Fakt ist aus seiner Sicht auch, dass die Einzelhändler sich abgeschnitten fühlen.

Sehen und gesehen werden fände inzwischen nicht mehr in der Innenstadt statt, sondern beim frisch sanierten Vollsortimenter Ladage in der „Neuen Mitte“, fasst es eine Dame, die nicht genannt werden möchte, zusammen. Die Neue Mitte – ein inoffizieller Name, den so mancher nicht gerne hört. Bezeichnet er doch das, was eigentlich keiner wollte: Eine Verschiebung des Zentrums aus der Innenstadt zu den vielen Nahversorgern entlang der Welseder Straße. Laut Oliver Ohm von der BBE Retail Experts Unternehmensberatung, die das jüngste Einzelhandelsgutachten für Hessisch Oldendorf erstellt hat, stellen die Märkte keine direkte Konkurrenz für die Einzelhändler dar, weil sie ein anderes Sortiment haben. Dass es mit einem Nahversorger in der Innenstadt eine Belebung gäbe, bejaht er dennoch.

Als Bereicherung bezeichnet Stadtplanerin Martina Kexel die Nahversorger, macht aber keinen Hehl daraus, dass die „Innenstadt leidet“. Wie das passieren konnte? Kexel zählt von der schwächelnden Wirtschaft, der Sanierungsunlust von Eigentümern bis hin zur immer mobiler werdenden Gesellschaft viele Gründe auf. Am schwerwiegendsten, weil mit fundamentalem gesellschaftlichen Wandel begründet, erscheint aber folgende Aussage: „Wahrscheinlich müssen wir uns von dem Ziel, den Einzelhandel als Alleinstellungsmerkmal für die historische Innenstadt zu sehen, verabschieden. Langfristig muss man wieder über mehr Wohnnutzung und Durchmischung in der Innenstadt nachdenken, denn Stadtentwicklung ist letztlich ein Spiegel der Gesellschaft.“ Um neue Anreize für die Innenstadt zu schaffen, seien auch die Immobilienbesitzer gefragt, die Stadt könne unterstützen. Eine Chance haben aus ihrer Sicht Einzelhändler mit Mut zum unternehmerischen Risiko, „Freelancer“ mit ungewöhnlichen Ideen.

Fakt ist jedenfalls nach Berechnungen der BBE, dass 52 Prozent der Kaufkraft (52,8 Millionen) aus Hessisch Oldendorf abfließen, der Löwenanteil mit 35,6 Millionen Euro nach Hameln. Der Kaufkraftzufluss beträgt 16,5 Millionen Euro. Vor allem bei der Nahversorgung wird andernorts Geld ausgegeben, ebenso in den klassischen Innenstadtbereichen Kleidung, Schuhe, Sport, Spiel etc. Verantwortlich gemacht werden für den Kaufkraftabfluss auch „starke Wettbewerber außerhalb der Kommunalgrenzen“.

Ein Problem, mit dem allerdings nicht nur Hessisch Oldendorf zu kämpfen hat. Für die allgemeine Einzelhandelsentwicklung bis 2015 geht die BBE von einem weiteren Marktanteilsverlust von maximal 31,7 Prozent aus. Dieser Entwicklung liegt die Annahme zugrunde, dass die Verbraucher in erster Linie preisorientiert einkaufen. Selbst bei einer realistisch-positiven Betrachtungsweise geht die Strukturverschiebung nach Expertenmeinung zulasten der traditionellen Betriebe, dann allerdings „nur“ um 16,5 Prozent. Vorausgesetzt wird dabei eine preisleistungsorientierte Käuferschicht.

Das Gutachten ist Grundlage des Einzelhandelskonzepts, das am Mittwoch, 13. Januar, in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur beschlossen werden soll.

Aus dem Einzelhandelsgutachten: Kauftkraftströme in Hessisch Oldendorf in Millionen Euro.



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