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Zusammentreffen mit Grünen

Einwohnerinitiative „Freies Atmen“: Protest gegen stinkende Güllebehälter in Ottenstein

OTTENSTEIN.Auf Einladung zahlloser Einwohner besuchten Vertreter der Grünen um den Landtagsabgeordneten Christian Meyer und die Samtgemeindebürgermeisterkandidatin Dr. Heike Bertram Ottenstein. Im Juni wurde bekannt, dass der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung einem Bau zweier Güllebehälter ohne Abdeckung am Ortsrand von Ottenstein zugestimmt hatte.

veröffentlicht am 25.08.2021 um 10:30 Uhr

Sorgen bereitet den Anwohnern der geplante Bau großer Güllebehälter am Ortsrand von Ottenstein und die mögliche Belästigung der Umwelt durch Gestank und Emissionen. Vor allem wurde kritisiert, dass – anders als in NRW und Hessen – in Niedersachsen keine Abdeckung der Güllebehälter verpflichtend vorgeschrieben ist. Dadurch geraten die Emissionen unbegrenzt in die Nachbarschaft. Anwohner berichten bereits jetzt von unerträglichem Gestank je nach Windrichtung in Ottenstein. In der Einwohnerinitiative „Freies Atmen“ wurden daraufhin über 100 Unterschriften gegen den Bau der Güllebehälter gesammelt.

Christian Meyer konnte die Sorgen der zahlreich erschienen Anwohner gut verstehen. Aus Sicht der Grünen müssen die Emissionen verpflichtend etwa durch Abdeckung reduziert werden, zumal es vom Land auch Fördermittel für den Bau von Güllelagerstätten gibt. „Das Allgemeinwohl geht vor Einzelwohl“, kritisierte Meyer die Entscheidung der Gemeinde Ottenstein, zumal die Lagerkapazitäten auch für überregionalen Gülletourismus genutzt werden könnten. Die Anwohner und die Grünen forderten deshalb eine Lagerung der Gülle am Entstehungsort, also den Rinder- oder Schweineställen.

Auch sollte die Geruchsemissionsrichtlinie näher geprüft werden, damit nicht mehr als 15 Prozent der Jahresstunden eine für die Wohnbevölkerung unerträgliche Geruchsbelästigung entsteht. „Anscheinend werden agrarpolitische Wünsche vom Gemeinderat einfach so durchgewunken und die betroffenen Anwohner weder informiert noch gefragt“, kritisierten die Grünen das nichtöffentliche Beteiligungsverfahren. Auch berichteten Anwohner von Beleidigungen und Berdrohungen im Ort, wenn sie ihren Namen unter die Unterschriftenlisten setzen. Dabei sei das Beschwerde- und Petitionsrecht sogar in unserer Verfassung garantiert.

„Einschüchterung, Boykottdrohungen oder Beleidigung von Bürgern wegen einer Unterschrift ist nicht zu akzeptieren“, stellte der ehemalige Landwirtschaftsminister Christian Meyer klar. Die Grünen kündigten an, auf Bundes- und Landesebene gegen den Gülletourismus und für eine Reduzierung der Umweltbelastungen durch große Tierhaltungsanlagen vorgehen zu wollen. Dazu gehört auch überregionale Gülletransporte stärker insbesondere auf antibiotikaresistente Krankheitserreger zu kontrollieren. „Gemeinwohl und Umweltschutz muss auch in der Landwirtschaft und beim Umgang mit Gülle und Kot gelten“, meinte Meyer. Die Anwohner kündigten an, weiter gegen immer mehr Gülleanlagen in ihrer Nachbarschaft vorgehen zu wollen. red



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